Keine LNG-Terminals für fossiles Gas

Keine Großinvestitionen in fossile Energieträger

Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich gegen den Bau von Flüssigerdgas-Terminals (LNG-Terminals) an der deutschen Küste ein. Werden diese gigantischen Terminals gebaut, geraten die Klimaziele in Gefahr. Denn: (flüssiges) Erdgas ist ein fossiler Energieträger, den wir durch erneuerbare Alternativen ersetzen müssen – und nicht weiter ausbauen müssen.

Im Nachgang des Atomausstiegs und Kohleausstiegs präsentiert die Gaswirtschaft ihren fossilen Energieträger Gas immer wieder als sichere und saubere Alternative. Das macht sich auch bei Infrastrukturentscheidungen bemerkbar: An der deutschen Küste möchte die Gas-Lobby an den Standorten Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade Flüssigerdgas-Terminals errichten. Damit sollen alternative Importquellen zu (russischem) Pipeline-Gas erschlossen werden.

Doch wie lange können wir Erdgas – ob flüssig oder gasförmig – noch einsetzen? In Zeiten der Klimakrise können wir es uns nicht leisten, Großinvestitionen in einen fossilen Energieträger zu tätigen. Um die Klimaziele der Bundesregierung – klimaneutral bis 2050 – einzuhalten, müssen wir stattdessen bis allerspätestens 2050 aus Erdgas aussteigen. Denn auch Erdgas verursacht bei seiner Verbrennung klimaschädigende CO2-Emissionen. Darüber hinaus sind die Förderung, der Transport und die Endnutzung mit Leckagen des Rohstoffs Methan – dem Hauptbestandteil von Erdgas – verbunden, der sogar noch sehr klimaschädlicher als CO2 ist. Um bis spätestens 2050 Klimaneutralität zu erreichen, muss der Einsatz von Erdgas heute schon absehbar begrenzt werden. Aus diesem Grund positioniert sich die DUH gegen den Bau von Flüssigerdgas-Terminals in Deutschland.

Deutschland hat darüber hinaus schon ausreichend Pipeline-Kapazitäten. Der Bau neuer Import-Pipelines wie Nord Stream 2 oder neuer LNG-Terminals ist aus Klimasicht nicht nur überflüssig, sondern gefährdet durch die lange Lebensdauer dieser Anlagen das Erreichen der Klimaziele: Ist die Infrastruktur einmal gebaut, besteht für die Betreiber ein hoher wirtschaftlicher Anreiz, sie so lange wie möglich zu nutzen. Abgesehen von den Klimaschutzaspekten haben DUH-Gutachten bei den geplanten LNG-Standorten massive Umweltschutz- und Sicherheitsbedenken aufgedeckt.


Das LNG-Terminal soll in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohngebieten, chemischen Anlagen, wichtigen Wasser- und Straßenverkehrswegen sowie atomaren Anlagen gebaut werden. Wegen der hohen Sicherheitsrisiken ist das Terminal aus DUH-Sicht nicht genehmigungsfähig. Nach Intervention der DUH veranlasste die Genehmigungsbehörde umfangreiche Sicherheitsprüfungen, um die Auswirkungen eines Störfalls am Standort Brunsbüttel zu ermitteln.


In der Jademündung ist ein schwimmendes LNG-Terminal geplant. Dafür müssten regelmäßig Ausbaggerungen in der Jade stattfinden. Die Jademündung ist ein besonders sensibler Bereich, in dem durch die Klimaerhitzung mit einem steigenden Meeresspiegel, häufigeren Sturmfluten und veränderter Tidedynamik gerechnet wird – für den Umgang mit explosiven und entzündbaren Stoffen ein denkbar ungeeigneter Standort.


Der Standort am Seehafen Stade-Bützfleth ist ebenfalls als Standort für ein deutsches LNG-Terminal im Gespräch. Für die großen Tankschiffe droht dabei eine weitere Ausbaggerung der Elbe. Weitere Informationen folgen.


Häufige Fragen und Antworten

LNG (liquid natural gas) ist Flüssigerdgas, also Erdgas, das für Transportzwecke verflüssigt wird. Erdgas wird dafür stark abgekühlt und in einen flüssigen Zustand gebracht. Tankschiffe transportieren das LNG von Export-Terminal zu Import-Terminal. Dort wird es wieder in den gasförmigen Zustand versetzt und in das Gasnetz eingeleitet. Der Prozess der Verflüssigung und Regasifizierung ist mit erheblichem Energieaufwand verbunden. Neben herkömmlichem LNG ist auch von Bio-LNG die Rede. Dabei handelt es sich um verflüssigtes Methan, dass auf grünem Wasserstoff aus erneuerbarem Strom basiert. 

Ja, das importierte LNG wird anteilig auch aus den USA importiert und dort u.a. durch die Fracking-Methode gefördert. Es gibt entsprechende Aussagen aus den Kreisen der Bundesregierung, die darauf hinweisen, dass Fracking-Gas aus den USA nach Deutschland importiert werden soll, um im Gegenzug Strafzölle auf deutsche Autoexporte in die USA zu verhindern.

Erdgas mittels Fracking zu fördern ist mit einer erheblichen Umweltverschmutzung und -zerstörung verbunden und kann auch Erdbeben auslösen. Aus diesem Grund ist Fracking in Deutschland verboten. Solches Fracking-Gas nun zu importieren, lehnt die Deutsche Umwelthilfe ab.

Zudem ist Fracking-Gas noch klimaschädlicher als konventionelles Erdgas, da die Gasförderung zu vermehrten Methanemissionen in die Atmosphäre führt. Der Transport per Schiff sowie der Prozess der Verflüssigung und Regasifizierung verursacht außerdem zusätzlichen Energieeinsatz, der Fracking-Gas in der Klimabilanz nicht besserstellt als Kohle.

Deutschland importiert den größten Teil seines Erdgasbedarfs, und zwar aus Russland, den Niederlanden und Norwegen. Die heutigen Importkapazitäten decken den deutschen Gasbedarf - zusammen mit geringfügiger heimischer Förderung - vollständig ab. Im Zukunft wird der Gasbedarf in Deutschland jedoch sinken – wegen steigender Effizienz und dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Einen deutlichen Rückgang des Gasbedarfs besagt zum Beispiel auch das Umweltbundesamt. Zusätzliche Kapazitäten für den Erdgasimport sind definitiv nicht notwendig.

Die drei möglichen Standorte Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade stehen miteinander im Wettbewerb. Es gibt keine verbindlichen Aussagen der Bundesregierung, wie viele LNG-Terminals tatsächlich gebaut werden sollen. Häufig ist in politischen Statements aus dem Bundeswirtschaftsministeriums von zwei Terminals die Rede.

Nein. Bisher ist an allen drei möglichen Standorten – Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade – keine Investitionsentscheidung getroffen worden. Bisher ist auch noch für kein Terminal ein Antrag auf Planfeststellung gestellt worden. Entsprechend liegt bisher noch keine Baugenehmigung für die Anlagen vor. Für die Standorte muss zusätzlich eine Gasanschlussleitung vom LNG-Terminal zum bestehenden Gasnetz neu gebaut werden. Das Planverfahren zur Leitung verläuft unabhängig zum Planverfahren des Terminals.

Insgesamt hätten die drei LNG-Terminals zunächst eine Kapazität von 22 Mrd. Kubikmeter Erdgas im Jahr (Brunsbüttel: 8 Mrd. m3, Wilhelmshaven: 10 Mrd. m3, Stade: 4 Mrd. m3). Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2018 insgesamt rund 88 Mrd. Kubikmeter Erdgas verbraucht.

In Rostock ist derzeit zudem ein LNG-Terminal mit einem jährlichen Importumfang von etwa 300.000 Kubikmeter Flüssigerdgas in Planung. Dieses Terminal dient der Betankung von Schiffen und LKW, nicht der Regasifizierung und Einspeisung ins Gasnetz. Die Deutsche Umwelthilfe unterstützt den Einsatz von LNG als Kraftstoff nicht, da dieser nachweislich mehr klimaschädigende Emissionen verursacht als Diesel.

Die Kosten werden von den Betreibern mit 400-600 Millionen Euro je Anlage angegeben. 

Ja, die Bundesregierung und auch die Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen setzen sich dafür ein, die LNG-Terminals mit Steuergeldern mitzufinanzieren. Im Fall von Brunsbüttel werden Fördergelder für die regionale Wirtschaftsförderung sowie aus der Mobilitäts- und Kraftstoffinitiative beantragt. Der Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Bernd Buchholz, hat angekündigt, das Terminal in Brunsbüttel mit 50 Millionen Euro direkt aus Landesmitteln fördern zu wollen. 

Im Mai 2019 wurde von Bundestag und Bundesrat zudem eine Verordnung verabschiedet, die Betreibern von LNG-Terminals sehr entgegenkommt. Der Bau und Betrieb von den Gasanschlussleitungen für LNG-Terminals muss nun von den Gas-Kunden - anstatt von den Betreibern der Anlagen – finanziert werden. Jedes der drei LNG-Terminals muss mit einer neuen Gasleitung an das deutsche Gasnetz angeschlossen werden. Die Abwicklung der Anschlusskosten über Netzentgelte mache LNG-Terminals für die Investoren wirtschaftlich attraktiv, so die Begründung für die neue Verordnung. Die dann von den Gas-Kunden zu tragenden Investitionskosten belaufen sich für alle drei Terminals auf mehr als 130 Millionen Euro. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von etwa 1 Million Euro. Die DUH lehnt dies ab: Die Verbraucher sollen nicht zur Kasse gebeten werden, um fossile Technologien für Investoren attraktiver zu machen.

Es ist technisch ausgeschlossen, die geplanten LNG-Terminals auf Wasserstoff umzurüsten, da die chemische Zusammensetzung sowie die Verflüssigungstemperatur bzw. Siedetemperatur von Erdgas und Wasserstoff sehr unterschiedlich sind. Es könnte aber zum Beispiel so genanntes Bio-LNG importiert werden. Dafür gibt es global bisher allerdings keine nennenswerten Kapazitäten.

Ziel ist es, eine globale Erderhitzung von mehr als 1,5 Grad zu vermeiden. Dafür ist nur noch ein bestimmtes Budget an CO2-Emmissionen übrig. Der zukünftige Einsatz von Erdgas muss sich nach diesem CO2-Budget richten und entsprechen begrenzt werden. 2050 müssen wir klimaneutral sein.

Die Praxis sieht leider anders aus. Nicht Klimaschutz, sondern Geopolitik und die Eigeninteressen der Gasbranche prägen die politischen Entscheidungen. Wir erleben ungeahnte Investitionen in neue Erdgasinfrastruktur. Nord Stream 2 und die geplanten LNG-Terminals sind Belege dafür. Diese Investitionen dienen dazu, Geschäftsmodelle mit fossilem Erdgas für die nächsten Dekaden abzusichern, weit über 2050 hinaus.

Die Deutsche Umwelthilfe fordert daher ein Moratorium für neue Gasinfrastruktur, die nicht ausschließlich dem Einsatz erneuerbarer Gase dient. Für laufende Vorhaben wie Nord Stream 2, die geplanten LNG-Terminals in Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven sowie die EUGAL-Pipeline muss es einen sofortigen Planungs- und Baustopp geben.

Erst die Summe aller Emissionen von der Förderung bis zur Verbrennung zeigt die tatsächliche Klimabilanz von Erdgas an. Das Umweltbundesamt hat für die EU ermittelt, dass Pipelinegas grundsätzlich eine bessere Bilanz als importiertes Flüssig-Erdgas (LNG) aufweist. LNG aus unkonventioneller Förderung (=Fracking) schneidet wegen der hohen Emissionen bei der Gasförderung am schlechtesten ab. Zudem gibt es Verluste durch die Prozesse der Verflüssigung und Regasifizierung.

Nein. Zwar ist der CO2-Ausstoß von LNG im Vergleich zu Diesel geringer. Der Methanschlupf im Motor, der beim Verbrennen von LNG vorkommt, ist jedoch so hoch, dass die Klimabilanz von LNG insgesamt schlechter ist als die von Diesel. Zu diesem Ergebnis kommt Transport & Environment. Methan ist Hauptbestandteil von Erdgas und ist ca. 87-fach klimaschädlicher als CO2. Richtig ist jedoch, dass LNG deutlich weniger Luftschafstoffe wie NOx ausstößt, die jedoch keine Wirkung auf das Klima haben.

LNG-Terminal-Betreiber verkaufen oder vermieten Importkapazitäten an Energiekonzerne und andere Händler. Ob diese Kapazitäten letztlich auch genutzt werden, ist nicht gesagt. In Europa gibt es derzeit 28 LNG-Terminals. In Deutschland gibt es bisher keine Terminals. Die Auslastung dieser Terminals in Europa liegt im Schnitt bei unter 30 Prozent. Der Zubau weiterer Terminals ist aus diesem Grund nicht notwendig. Weltweit gibt es 19 Exportländer und 40 Importländer für Flüssigerdgas.

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