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Problem Plastiktüte

Etwa 5 Billionen Stück – so viele Plastiktüten werden laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) jährlich schätzungsweise weltweit verbraucht. All diese Tüten aneinandergelegt würden unsere Erdkugel am Äquator 50.000 Mal umrunden. Für die Natur ist diese Plastik-Flut eine Katastrophe. Sie heizt die Klimakrise weiter an, verschwendet Ressourcen und vermüllt die Umwelt.

Einweg-Plastiktüten sind durch ihre kurze Nutzungsdauer von nur schätzungsweise 25 Minuten ein Sinnbild für Verschwendung. Sie tragen zudem durch unsachgemäße Entsorgung in erheblichem Maße zur Verschmutzung unserer Umwelt und Ozeane bei und stören dort unsere Ökosysteme. Bis sie vollständig zerfallen, benötigen sie je nach Kunststoff und Dicke zwischen 20 und 100 Jahren und werden zur tödlichen Falle für Millionen von Vögeln, Fischen und Meeressäugern.

Das Plastiktütenverbot in Deutschland

Jahrelang hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) für ein Verbot von verzichtbaren und kurzlebigen Einweg-Plastiktüten gekämpft. Seit dem 1. Januar 2022 sind Einweg-Plastiktüten in Deutschland verboten. Unter das Verbot fallen allerdings nur solche mit einer Wandstärke von 15 bis unter 50 Mikrometern. Sogenannte Hemdchenbeutel zum Einpacken von Obst und Gemüse sind jedoch von der Verbotsregelung ausgenommen – ebenso alle Tüten, die auch nur einen Mikrometer dicker sind, also den Bruchteil eines Haares. Noch 2019 wurden in Deutschland jährlich 3,65 Milliarden dieser Hemdchenbeutel und 878 Millionen der jetzt verbotenen Einweg-Plastiktüten verbraucht.

Wie der Handel das deutsche Plastiktütenverbot umgeht

Zahlreiche Händler bieten weiterhin umweltschädliche Plastiktüten mit Einweg-Charakter an. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen DUH-Umfrage unter den 13 größten deutschen Lebensmitteleinzelhändlern und Drogerien. Der Trick ist, dass Edeka, Netto Nord, Netto Markendiscount, Norma, Müller Drogeriemärkte und Rossmann Plastiktüten mit einer minimal dickeren Wandstärke anbieten. Mit Wandstärken zwischen 50 und 60 Mikrometern fallen die Plastiktüten aus dem gesetzlichen Regelungsbereich, sind nach Einschätzung der DUH allerdings nicht für eine vielfache Wiederverwendung geeignet, sondern reißen schnell ein und werden zu Abfall. Der Drogeriemarkt Müller treibt dies in absurder Weise auf die Spitze: Mit 50 Mikrometern sind dessen Tüten nur den Bruchteil eines Haares dicker als die verbotene Variante.

Statt Umwelt- und Klimaschutz zu untergraben, sollten die Händler auf Einweg-Plastiktüten ganz verzichten und Mehrwegtragetaschen aktiv bewerben. Dass es anders geht, zeigen die Händler Kaufland, Lidl, Rewe, Penny, Aldi Nord und Süd: Sie verzichten auf die Trickserei.
Damit bundesweit dünne Kunststofftüten der Vergangenheit angehören, fordern wir die Bundesregierung dazu auf, konsequent gegen dieses umweltschädliche Produkt vorzugehen!

Jetzt unseren offenen Brief an Bundesumweltministerin Steffi Lemke unterzeichnen!

Statt Umwelt- und Klimaschutz zu untergraben, sollten die Händler die möglichst häufige Verwendung von Mehrweg-Tragetaschen fördern. Dass es auch ohne Einweg-Plastiktüten geht, zeigen die Händler Kaufland, Lidl, Rewe, Penny, Aldi Nord und Süd. Sie haben die Umweltsünde aus Plastik verbannt.

Hemdchenbeutel: eine Lücke im Einweg-Tütenverbot

Leichte Kunststofftüten mit einer Wandstärke von unter 15 Mikrometern sind trotz Plastiktütenverbots weiterhin erlaubt. Diese Hemdchenbeutel werden zumeist kostenlos in Gemüse- und Obstabteilungen von Lebensmittelhändlern und Supermärkten angeboten. Die dünnwandigen Einweg-Tüten können schnell vom Wind erfasst werden und landen dadurch häufig als „blow trash“ in der Umwelt und beeinträchtigen unsere Ökosysteme.

Laut Umweltbundesamt und Statistischem Bundesamt wurden alleine 2019 in Deutschland rund 3,65 Milliarden dieser leichten Tüten verbraucht – das sind 44 Stück pro Kopf (Quelle: UBA, 2021; Destatis, 2022). Um diese unnötige Ressourcenverschwendung zu beenden, muss das Plastiktütenverbot auch auf diese Tüten ausgeweitet und die entsprechende EU-Gesetzgebung angepasst werden. Denn für Obst und Gemüse gibt es eine simple Alternative: vielfach wiederverwendbare Mehrwegnetze.

Papiertüten: keine umweltfreundliche Alternative

Papiertüten sind keine umweltfreundliche Alternative zu dünnen Einweg-Plastiktüten. Die Produktion verbraucht viel Wasser, Energie und Chemikalien. Zudem müssen sie dickwandiger sein und verbrauchen somit mehr Rohstoffe. Darüber hinaus werden Papiertüten meist aus Neumaterial produziert, wofür viele Bäumen abgeholzt werden. Wer umweltbewusst einkaufen will, sollte die Finger von Einweg-Papiertüten lassen und stattdessen wiederverwendbare Mehrwegtragetaschen benutzen.

Mehrwegtragetaschen: die umweltfreundlichste Wahl

Mehrweg-Tragetaschen, die vielfach wiederverwendet werden, sind die ökologischste Wahl – egal ob aus Baumwolle, Jute oder Canvas. Die Verwendung eines einzigen Mehrwegbeutels kann hunderte dünne Plastiktüten einsparen. Das verhindert unnötigen Rohstoff- und Energieverbrauch und vermeidet Abfälle. Einen Überblick über die  Umweltfreundlichkeit der handelsüblichen Tüten und Tragetaschen haben wir hier zusammengestellt:

Gute Tüte - schlechte Tüte? Hier finden Sie alle Tüten im großen Check.


Häufig gestellte Fragen zu Tüten

Nein. Nur weil eine Tüte sich theoretisch mehrfach nutzen lässt, macht das aus ihr nicht zwangsläufig eine Mehrwegtragetasche. Zwar kann rein theoretisch eine Plastiktüte mit Einweg-Charakter bei entsprechender Vorsicht mehrfach genutzt werden, dies allerdings in der Regel nur sehr eingeschränkt. Sie eignen sich eher nicht für einen häufigen Transport von Waren, weil sie schnell einreißen und dann nicht mehr brauchbar sind. Eine besonders häufige Wiederverwendung muss aber der Anspruch an eine Mehrwegtragetasche sein, um so den größtmöglichen Umweltentlastungseffekt zu erzielen.

Aus Sicht unserer DUH-Experten muss eine Mehrwegtragetasche so hochwertig verarbeitet und stabil sein, dass sie ohne Probleme eine dreistellige oder mindestens eine hohe zweistellige Anzahl an Wiederverwendungen ermöglicht. Auch sollte der Transport von schweren und kantigen Produkten bzw. Verpackungen in Mehrwegtragetaschen problemlos und ohne Beschädigungen der Tragehilfe viele Male möglich sein.

Damit eine Mehrwegtragetasche ökologisch besser abschneidet als eine Einweg-Plastiktüte, ist eine Mindestanzahl an Wiederverwendungen notwendig. Mehrwegtragetaschen benötigen aufgrund ihrer stabileren Verarbeitung mehr Material und Energie zur Herstellung. Der Anbau klassischer Materialien für Mehrwegtragetaschen, wie z. B. Baumwolle oder Flachs, verbraucht Wasser und Energie. Um diesen „ökologischen Rucksack“ abzubauen, müssen Baumwollbeutel mindestens 32 Mal wiederverwendet werden, um besser als Einweg-Plastiktüten abzuschneiden. Mehrwegtragetaschen auch aus Kunststoffen wie Polypropylen, Polyester oder Polyethylenterephthalat (PET) können aufgrund ihres geringeren „ökologischen Rucksacks“ bereits nach drei Nutzungen umweltfreundlicher sein als eine Einweg-Plastiktüte aus Polyethylen. 

Zusätzlich werden viele Mehrwegtragetaschen aus Recyclingmaterial hergestellt, was deren Umweltauswirkungen aus der Produktion weiter verringert.

Wir fordern den Handel auf, Plastiktüten mit Einweg-Charakter aus dem Sortiment zu nehmen und damit ihren Beitrag zur Eindämmung der Müll-Flut zu leisten. Plastiktüten einfach etwas dicker zu machen, damit sie nicht unter die deutsche Verbotsregelung fallen, ist das genaue Gegenteil von dem, was wir brauchen: Abfallvermeidung, Ressourcenschonung, Klimaschutz und eine saubere Umwelt. Noch dreister ist es, wie beispielsweise Edeka, Plastiktüten mit Einweg-Charakter als wiederverwendbar zu bewerben und als umweltfreundlich darzustellen. Dieses Greenwashing muss sofort aufhören.  Stattdessen sollten wirkliche Mehrwegtragetaschen angeboten und deren Nutzung gefördert werden.

Da auch nach dem Plastiktütenverbot deutsche Händler weiterhin massenhaft dünne Plastiktüten anbieten, muss die Bundesregierung dringend einschreiten. Laut EU-Plastiktüten-Richtlinie dürfen aktuell nur Tüten mit einer Wandstärke zwischen 15 und unter 50 Mikrometer verboten werden. Der obere Wert des Regelungsbereichs ist allerdings zu niedrig angesetzt. Indien zeigt, wie es richtig geht: Dort sind ab Dezember 2022 alle Plastiktüten mit einer geringeren Wandstärke als 120 Mikrometer verboten. Erst Tüten mit dieser Wandstärke erfüllen klar den Anspruch an eine Mehrweg-Tragetasche. Aber auch die untere Grenze der Verbotsregelung muss angepasst werden, denn für Hemdchen- oder Knotenbeutel darf es zukünftig keine Ausnahmen mehr geben. 

Die Anpassung der Plastiktüten-Richtlinie kann jedoch nur auf europäischer und nicht auf nationaler Ebene vorgenommen werden. Deshalb fordern wir Bundesumweltministerin Steffi Lemke dazu auf, sich im EU-Ministerrat und bei der EU-Kommission für eine umgehende Anpassung der Plastiktüten-Richtlinie stark zu machen.

Umweltministerin Lemke kann aber auch auf nationaler Ebene sofort handeln. Sie kann dünne Plastiktüten durch eine Abgabe von 50 Cent so unattraktiv machen, dass sie nicht mehr genutzt werden. Die Einnahmen sollten zur Finanzierung von Projekten und Kampagnen zur Abfallvermeidung eingesetzt werden.

Wer umweltbewusst einkaufen will, sollte wiederverwendbare Mehrwegtragetaschen nutzen. Alternativ können auch der Rucksack, eine Klappkiste oder der Fahrradkorb genutzt werden. Wichtig ist eine häufige Wiederverwendung!

Weitere Tipps zur Vermeidung von Tüten mit Einweg-Charakter:

 

  • Für Spontaneinkäufe z. B. einen faltbaren Polyester-Beutel in die Tasche packen. Er ist leicht und nicht größer als eine Packung Taschentücher.
  • Nach Möglichkeit unverpackt kaufen und lose Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Backwaren in eigenen Mehrwegnetzen und Tüten einpacken.
  • Ungefragtes Einpacken von Waren in Papier- oder Plastiktüten an Kasse oder Theke ablehnen.
  • Andere Menschen auf das Problem zu vieler Plastik- und Papiertüten aufmerksam machen.

Und hier unseren offenen Brief an Bundesumweltministerin Steffi Lemke unterzeichnen!



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