Leben retten, Klima schützen

Tempolimit: Für Klimaschutz und Sicherheit

Die DUH setzt sich mit einem breiten Bündnis für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen ein. Denn: Ein Tempolimit schützt nicht nur Leben, sondern maßgeblich auch das Klima.

Als einziger Staat in Europa kann in Deutschland auf 80 Prozent der Autobahnen ohne jede Tempobeschränkung gerast werden. Hätten wir ein Tempolimit von 80 km/h außerorts und 120 km/h auf Autobahnen wie beispielsweise die Schweiz, könnten sofort bis zu fünf Millionen Tonnen des Klimagases CO2 vermieden werden. Innerstädtisch würde zudem eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h mehr Sicherheit und weniger Verkehrslärm bedeuten.

Wir forden Expert*innen, Verbände und Vereine auf, dem Bündnis beizutreten!
Dies sind unsere Partner:

CO2 ist der größte Klimatreiber unserer Zeit und trägt wesentlich zur globalen Erderwärmung bei. Knapp ein Fünftel der CO2-Emissionen in Deutschland stammen aus dem Verkehr – der einzige Bereich, in dem der Ausstoß von Klimagasen im Vergleich zu 1990 faktisch nicht gesunken ist. Ohne eine drastische Absenkung der CO2-Emissionen im Verkehrssektor wird weder die Einhaltung der Klimaschutzziele für 2020 noch die für 2030 gelingen.

In ganz Europa und in allen Industrieländern weltweit sind auf Autobahnen und Landstraßen durchgehende Geschwindigkeitsbegrenzung festgelegt. Deutschland ist hier die einzige Ausnahme. Lediglich Nordkorea, Somalia, Afghanistan, Haiti und der Inselstaat Dominica haben kein generelles Tempolimit.
 

© kartoxjm / Fotolia

Nur auf 20,7 Prozent des Autobahnnetzes gelten heute durchgängige Geschwindigkeitsbegrenzungen. Auf 8,8 Prozent der Straßen gibt es Verkehrsbeeinflussungsanlagen (bspw. bei ungünstigen Verkehrslagen) und auf 70,4 Prozent des Autobahnnetzes gibt es überhaupt keine Beschränkungen (Bundesanstalt für Straßenwesen 2017).  
 

Klimaschutz: Mit einem Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen sowie 80 km/h auf Landstraßen können nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe bis zu 5 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Keine andere Einzelmaßnahme im Verkehrsbereich birgt auch kurzfristig ein so großes und kostengünstiges CO2-Einsparpotential.

Ein Tempolimit kann Leben retten:
Ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen sowie 80 km/h auf Landstraßen führt nachweislich zu weniger Toten und Verletzten auf deutschen Straßen.
 
Besserer Verkehrsfluss: Ein Tempolimit reduziert die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den Autos und verbessert damit den Verkehrsfluss.

Fahren mit weniger Stress: Ein Tempolimit führt zu weniger Stress und gibt Verkehrsteilnehmer*innen mehr Sicherheit beim Fahren.
 
Spritkosten sinken: Der Kraftstoffverbrauch für die zurückgelegten Kilometer sinkt bei einem Tempolimit. Das Tempolimit ist also auch gut fürs Portemonnaie.

Anreiz zum Bau sparsamer Autos:
Bei Einführung eines Tempolimits sinkt der Anreiz zum Bau und Kauf hochmotorisierter Autos, was sich auf Verbrauch und CO2-Emissionen niederschlägt.

Natürlich auch aus Gründen des Klimaschutzes. Bei Tempo 80 statt aktuell 100 werden 15 Prozent weniger CO2 ausgestoßen. Die Schweiz hat seit vielen Jahren Tempo 80 festgeschrieben, Frankreich ist im Sommer 2018 gefolgt.

Aber auch aus Gründen der Verkehrssicherheit sollte ein Tempolimit eingeführt werden: Allein im Jahr 2018 starben auf deutschen Landstraßen bei Unfällen 1.866 Menschen. Auf Landstraßen werden die fehlende Trennung zum Gegenverkehr, schlechte Überholmöglichkeiten sowie Kreuzungen und ungeschützte Hindernisse neben der Fahrbahn zu Hochrisikofaktoren. Gerade auf Landstraßen liegt deshalb im Hinblick auf die Verkehrssicherheit ein Tempolimit von 80 km/h auf der Hand.

Die 124 km/h sind ein Mittelwert, der sich auf das gesamte Autobahnnetz ohne Tempolimit bezieht. Hierbei wurden u.a. auch Stauphasen und stockender Verkehr miteinberechnet. Der Mittelwert sagt dadurch nichts darüber aus, wie schnell bei einer weitgehend freien Geschwindigkeitswahl gefahren wird. Die Studie zeigt, dass – obwohl Stauzeiten und stockender Verkehr miteinberechnet wurden – über die Hälfe aller PKWs auf Strecken ohne Tempolimit schneller als 120 km/h fahren. Etwa 36 Prozent der PKW waren im Jahr 2014 sogar mit über 130 km/h auf Autobahnen ohne Tempolimit unterwegs und fast 8 Prozent fuhren schneller als 160 km/h. Wenn man einzelne Autobahnabschnitte betrachtet, kommen diese sogar Rennstrecken nahe. Auf der A8 zwischen Augsburg und dem Autobahnkreuz Ulm/Elchingen etwa fahren die schnellsten 10 Prozent der Autofahrer im Durchschnitt 204 km/h.

Deutsche Autos sind auch in Ländern mit Tempolimit sehr beliebt: Drei Viertel der in Deutschland produzierten Autos werden ins Ausland exportiert – in Länder, die alle ein Tempolimit haben. Demensprechend wird die Autoindustrie auch dann weiterhin guten Umsatz machen können, wenn endlich auch in Deutschland ein generelles Tempolimit eingeführt wird.

Damit das Klima nicht auf der Strecke bleibt

Ein Tempolimit reduziert die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den Autos und verbessert damit den Verkehrsfluss. Ein besserer Verkehrsfluss wirkt sich positiv auf das Klima aus und trägt ebenso zu mehr Sicherheit bei. Zudem führt die Einführung eines Tempolimits langfristig zu einer Veränderung der Bauart neuer Fahrzeugmodelle: In Ländern mit einem generellen Tempolimit hat sich bestätigt, dass der Anreiz für den Kauf sehr stark motorisierter Fahrzeuge sinkt und neuzugelassene Fahrzeuge deshalb energieeffizienter gebaut werden.

Die Deutsche Umwelthilfe geht auf Basis der letzten veröffentlichten Berechnungen des Umweltbundesamtes und unter Berücksichtigung der zwischenzeitlich um 25 Prozent erhöhten Verkehrsleistungen von 5 km/h erhöhten Durchschnittsgeschwindigkeiten und einer verbesserten Befolgungsquote von Einsparungen in Höhe von bis zu 5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Zu den Einsparungen eines Tempolimits auf Autobahnen kommen die momentan nur grob abschätzbaren CO2-Einsparungen bei Einführung eines Tempolimits von 80 km/h auf Landstraßen. 

Die durchschnittliche Motorisierung von Neuwagen in Deutschland steigt stetig. Während im Jahr 1997 die Antriebsleistung im Schnitt noch 100 PS betrug, beträgt sie im Jahr 2017 bereits 152 PS. Ein Tempolimit kann diesem Trend entgegenwirken, da der Anreiz, hochmotorisierte Fahrzeuge zu bauen und zu kaufen, sinkt, wenn die Möglichkeit entfällt, hohe Geschwindigkeiten auch auszufahren.

Tempolimit rettet Leben

Ein Tempolimit kostet uns Verbraucher*innen keinen Cent – und erhöht die Sicherheit auf unseren Straßen: Mehr als 400 Menschen sterben jährlich allein auf deutschen Autobahnen, viele davon durch ein zu hohes Tempo. Mit jährlich drei Verkehrstoten pro 100 Kilometer Autobahn liegen wir über den Werten unserer Nachbarländer. 3.270 Menschen kamen 2018 im Straßenverkehr ums Leben. Ein Tempolimit rettet Leben – und wirkt gleichzeitig auch gegen Staus, denn durch eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit können die Bundesautobahnen mehr Verkehr bewältigen. Die Unfallhäufigkeit reduziert sich durch geringere Tempounterschiede zwischen den Fahrzeugen.

Die hohe Gefahr schnellen Fahrens ist physikalisch leicht zu erklären: Bei Tempo 120 beträgt der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung 108 Meter. Bei Tempo 160 verlängert sich der Weg auf 176 m, bei 200 km/h sogar bis auf 260 Meter.

Beispiele aus der Praxis zeigen, dass ein Tempolimit die Sicherheit erhöht: Auf der A4 zwischen Köln und Aachen gab es seit Einführung eines Tempolimits keinen Unfall mit Todesfolge. Zuvor waren innerhalb kurzer Zeit neun Menschen ums Leben gekommen. Auch in Brandenburg zwischen den Dreiecken Havelland und Wittstock halbierte sich die Anzahl der Unfälle nach Einführung eines Tempolimits.


Ja! Ein Beispiel aus der Praxis: Nachdem es im Jahr 2001 auf der Teilstrecke zwischen den Dreiecken Havelland und Wittstock zu 1.200 Unfällen mit elf Toten kam, erließen die Behörden ein Tempolimit von 130 km/h. Die Einführung des Tempolimits wurde wissenschaftlich begleitet und die Auswirkungen auf die Unfallzahlen beobachtet. Nach Einführung eines Tempolimits halbierte sich die Zahl der Unfälle von 654 Unfällen in drei Jahren auf 337 Unfälle in drei Jahren, wie eine Studie des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg zeigt.

Ja. Auf Autobahnen ohne Tempolimit passieren pro eine Milliarde gefahrene Kilometer 75 Prozent mehr tödliche Unfälle als auf Autobahnabschnitten mit Tempolimit. Auch die Anzahl der Schwerverletzten bei Unfällen auf Autobahnstrecken ohne Tempolimit ist um 20 Prozent erhöht Die erhöhte Gefahr schnellen Fahrens zeigen auch die Gesetze der Physik auf: Bei Tempo 120 beträgt der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung 108 Meter. Bei Tempo 160 verlängert sich der Weg auf 176 m, bei 200 km/h sogar bis auf 260 Meter.

Pro Stunde liegt das Fassungsvermögen einer Straße pro Spur bei 1.500 bis 2.500 Fahrzeugen, wenn diese gleichmäßig 80 bis 100 km/h fahren. Bei höheren Geschwindigkeiten wird die Kapazität der Straßen verringert. Zusätzlich entstehen durch starke Geschwindigkeitsdifferenzen im Verkehrsstrom Störungen für den dahinterliegenden Verkehr, die sich zu einem Stau entwickeln können. Ein Tempolimit reduziert die Geschwindigkeitsdifferenz und trägt damit zu einem besseren Verkehrsfluss bei.

Breites Bündnis: Pro Tempolimit!

Seit Jahren setzt sich die DUH für eine Geschwindigkeitsbegrenzung ein. Nun treten wir mit einem breiten Bündnis an, um die Umsetzung des Tempolimits noch in diesem Jahr einzufordern. Mit dabei sind die Gewerkschaft der Polizei NRW (GdP NRW), der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Verkehrsopfer-Unfallhilfe Deutschland (VOD), Greenpeace, Changing Cities e. V., HannovAIR Connection, Verbund Service und Fahrrad e. V. (VSF), Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V. (ADFC), die Initiative für sichere Strassen sowie Andreas Troge, ehemaliger Präsident des Umweltbundesamtes.

Die Bundesregierung hat ein Klimaschutzgesetz angekündigt, in dem für die jeweiligen Sektoren all die Maßnahmen verankert werden, die für die Einhaltung des Klimaschutzziels 2030 erforderlich sind. Da auch mit Blick auf das Klimaschutzziel 2020 noch deutliche Lücken bestehen, werden wir gemeinsam mit unseren Bündnispartnern dafür eintreten, dass das Tempolimit im Klimaschutzgesetz festgeschrieben wird.

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Hintergrundpapier: Tempolimit 2019

Kontakt

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Dorothee Saar
Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
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