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Globalisierte Umweltzerstörung stoppen!

Wir leben in einer globalisierten Welt. Tagtäglich konsumieren wir Produkte aus allen Teilen des Planeten. Gleichzeitig erreichen uns immer neue Nachrichten über die negativen Folgen unseres Lebensstils. Denn die Produktion vieler Alltagsprodukte geht einher mit der Zerstörung von natürlichen oder naturnahen Lebensräumen, Wasser- und Luftverschmutzungen, den Ausstoß von Klimagasen und unmenschliche Arbeitsbedingungen.

Viele dieser negativen Auswirkungen offenbaren sich aber erst bei genauen Hinsehen. Denn die Lieferketten der Unternehmen sind meist unübersichtlich und intransparent. Als Lieferkette bezeichnet man alle Prozesse und Tätigkeiten, von der Rohstoffgewinnung über den Zwischenhandel, den Verkauf im Laden bis hin zum Endkunden. Am Beispiel Schokolade betrifft das z.B. alle vorbereitenden Aktionen für den Kakaoanbau, etwa Rodungen, dann alles was den Anbau betrifft, wie den Einsatz von Pestiziden und den Wasserverbrauch für die Bewässerung. Die Lieferkette bezieht aber auch die Bearbeitung der Bohnen und die Arbeitsbedingungen sowie alle beteiligten Lieferanten und Zwischenhändler mit ein, bis hin zur Schokoladenfabrik und den dort verwendeten Zutaten.

Die EU gehört zu den weltweit größten Importeuren einer Reihe von Waren, wie Palmöl, Sojafuttermitteln, Fleisch, Kaffee und Handys, die unter anderem mit Entwaldung und damit mit Artensterben und Klimawandel in Zusammenhang stehen. Rund zehn Prozent der globalen Entwaldung wird so durch die Konsumgewohnheiten der EU verursacht.

Konsum nicht auf Kosten anderer

Die Nachfrage nach zum Beispiel Soja für die deutsche Massentierhaltung oder nach Palmöl für europäische Autotanks hat über Jahrzehnte großflächige Waldzerstörungen in den Herkunftsländern vorangetrieben. Absichtlich gelegte Waldbrände und illegale Rodungen, teilweise entgegen nationalen Gesetzen, stellen – wie wir 2019 erneut anhand der Medienberichte über Brasilien und Indonesien schmerzlich erfahren haben – sich jährlich wiederholende Katastrophen dar. Der gigantische Flächenbedarf hat nicht nur dramatische Auswirkungen auf die Biodiversität in diesen Ländern und heißt Landrechtskonflikte an, sondern sorgt auch für einen enormen Ausstoß von Klimagasen, die bisher in den Wäldern gebunden waren. Der Klimawandel wiederum beschleunigt zusätzlich das Artensterben durch die rasche Veränderung der Umweltbedingungen.

Der Klimawandel und der Verlust an Biodiversität ist zur ernsten Bedrohung herangewachsen und bedarf eines sofortigen und umfassenden Einschreitens der Politik – auch gegen klimaschädliche und entwaldungskritische Produkte. Unternehmen, die Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten dulden, müssen aber bisher kaum mit Konsequenzen rechnen. Die Deutsche Umwelthilfe engagiert sich für nachhaltige Lieferketten in dem sie sich sowohl für verbindliche Standards und gesetzliche Sorgfaltspflichten als auch für verlässliche Gütesiegel mit wirksamen Zertifizierungssystemen einsetzt.

Was kann ich gegen Klimawandel und Artensterben tun?

Immer mehr Menschen fragen sich: Woher stammt mein Steak oder mein Kaffee? Unter welchen Bedingungen wurde mein Tee produziert? Die Fülle an Nachhaltigkeitssiegeln, die ursprünglich Orientierung geben sollten, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Bei vielen Menschen entsteht das Gefühl, Siegel seien mehr Augenwischerei als ein verlässlicher Nachweis für eine nachhaltige Produktion. Der Begriff „Greenwashing“ fällt immer öfter. Und häufig ist es auch für Expertinnen und Experten schwierig, eindeutige Empfehlungen für Siegel auszusprechen. Nachhaltigkeitssiegel veröffentlichen nur begrenzt Details zu den Herstellern. Kontrollen weisen konzeptionelle Schwachstellen auf und es gibt außer investigativer Berichte keine verlässlichen Daten zur Häufigkeiten von Verstößen. Die Zahlungsbereitschaft von Unternehmen für nachhaltig angebaute Agrarrohstoffe ist zudem oftmals gering. Fast immer wird auf die Konsumentinnen und Konsumenten verwiesen, die sich angeblich vor allem am Preis orientieren. Doch zunehmend sind diese bereit, mehr auszugeben – wenn Versprechen zur Nachhaltigkeit denn nachweislich eingehalten werden. Die DUH setzt sich im Rahmen ihrer Forderung zum Bezug 100% nachhaltig zertifizierten Palmöls (Link Landing Page) für Maßnahmen zur Bekämpfung von Greenwashing-Risiken bei Gütezeichen ein. Es müssen endlich Rahmenbedingungen zur Sicherstellung verlässlicher Gütezeichen geschaffen werden, um die Wirksamkeit der Systeme zu stärken und das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher zurückzugewinnen. 

Allerdings können Nachhaltigkeitssiegel alleine die Missstände nicht beheben. Will man Veränderungen über die zertifizierten Teilflächen hinaus erreichen, müssen Anbauländer ihre Vorgaben zum Umweltschutz und Menschenrechten verbessern und funktionierende Umsetzungs- und Sanktionsmechanismen durch Behörden etablieren. Dazu muss auch die Korruption viel stärker bekämpft werden. Hier steht die EU in der Verantwortung, die entsprechenden Strukturen in den Anbauländern zu unterstützen und die Einhaltung der Standards einzufordern. 

Nachhaltiger Konsum bedeutet zunächst immer, vor jeder Konsumentscheidung zu allererst die Frage zu stellen, ob ich das Produkt auch wirklich brauche. Oft stellt allein die konsumierte Menge, insbesondere wenn die Produktion mit einem enormen Flächenbedarf verbunden ist, ein Problem dar. So benötigt z.B. die deutsche Tierproduktion Sojafuttermittel, die auf einer Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern angebaut werden. Wird ein Produkt wirklich gebraucht, sollten Fragen zum nachhaltigen Konsum berücksichtigt werden. Dasselbe gilt auch für den allergrößten Einkäufer Deutschlands – den öffentlichen Sektor. Produkte werden für die verschiedensten öffentlichen Einrichtungen benötigt, wie Schulen, Unis, Verwaltungen, Behörden, Ministerien, usw. Wann immer öffentliche Gelder eingesetzt werden besteht eine besondere Verantwortung. Die Deutsche Umwelthilfe arbeitet daher in einem Pilotprojekt mit einer deutschen Kommune an der Umstellung der öffentlichen Beschaffung auf nachhaltige palmölhaltige Produkte. Ganz konkret können Sie z.B. ihren Konsum tierischer Produkte reduzieren, auf nachhaltig zertifizierte Produkte achten (insb. bei Holz, Papier, Kaffee, Kakao, tierischen Produkten) oder Sie unterstützen unsere Petition „Kein Regenwald in den Tank“, mit der die DUH für ein sofortiges Verbot von Palmöl und Soja im Diesel kämpft.

Die Deutsche Umwelthilfe will den Gesetzgeber und die Unternehmen stärker verpflichten. Einige Unternehmen engagieren sich zwar bereits vielfältig in Projekten, zum Beispiel für den Waldschutz oder gegen Kinderarbeit. Leider reichen die freiwilligen Bemühungen Einzelner aber nicht, um die Situation in den Anbauregionen maßgeblich zu verbessern. Häufig werden Nachhaltigkeitsversprechungen auch schlicht nicht eingehalten. Die DUH fordert daher verbindliche Sorgfaltspflichten, die Umweltzerstörung und unmenschliche Arbeitsbedingungen in den Lieferketten letztendlich sicher ausschließen. Diese Sorgfaltspflichten würden Unternehmen verpflichten z.B. für alle Produkte eine Risikoanalyse in Bezug auf Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen durchzuführen und entsprechende Maßnahmen zur Risikominimierung und Beseitigung von Missständen durchzuführen. Die Politik muss hier für alle Unternehmen auf dem deutschen Markt einheitliche Rahmenbedingungen schaffen, Standards setzen und die Einhaltung überwachen. Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sollten keinen Wettbewerbsnachteil gegenüber Unternehmen mit niedrigeren Standards haben.

Das seit 2019 diskutierte Lieferkettengesetz könnte hierfür einen geeigneten gesetzlichen Rahmen schaffen. Neben Sorgfaltspflichten sind ergänzend Sanktionen, etwa steuerliche Benachteiligungen, für nicht nachhaltige oder nicht zertifizierte Produkte denkbar oder gesetzliche Vorgaben zum ausschließlichen Bezug nachhaltig zertifizierter Ware. So hat die deutsche Regierung sich z.B. 2014 zum Ziel von 100% zertifiziertem Palmöl bis 2020 verpflichtet, welches jedoch mit freiwilligen Maßnahmen bis Ende 2020 voraussichtlich nicht erreicht wird. Dies macht deutlich, dass mehr Vorgaben und Sanktionen zu nachhaltigen Lieferketten unumgänglich sind.

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