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Damit es weiter summt und brummt

Honigbienen und ihre wilden Schwestern – unverzichtbare Bestäuberinsekten

Wenn von Bienen die Rede ist, denken die meisten Menschen erst mal an die Honigbiene. Aber lediglich acht von über 20.000 Bienenarten weltweit zählen zu den staatenbildenden Honigbienen, davon kommt nur eine einzige in Europa vor.

Die Wildbienen dagegen sind mit über 1.000 Arten in Europa vertreten. Zu ihnen gehören beispielsweise die Hummeln, Mauer-, Sand- und Maskenbienen. Sie unterscheiden sich in Größe, Aussehen, Verhalten und Flugzeiten und sind von einer faszinierenden Vielfalt.

© Hans-Jürgen Sessner
© Gabi Fiedler
© Hans-Jürgen Sessner;re 1.0.5
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Der größte Unterschied zu den bekannteren Honigbienen besteht darin, dass diese in mehrjährigen Völkern sozial leben – so genannten Superorganismen, hoch entwickelten Gemeinschaften von Individuen mit Fähigkeiten, die weit über die der Einzelnen hinausgehen. Die meisten Wildbienenarten dagegen führen ein Leben als Einsiedler, das heißt sie bauen ihr Nest und versorgen die Brut ohne die Hilfe ihrer Artgenossen. Unter den Wildbienen gibt es nur wenige sozial lebende Arten, wie z.B. die Hummeln, die einjährige Staaten bilden.

Sowohl Honig- als auch Wildbienen sind in Mitteleuropa die wichtigsten Bestäuber und tragen damit auch erheblich zur Biodiversität, der Vielfalt unserer (Pflanzen-)Arten bei. Mit einer Bestäubungsleistung von etwa 80% unserer Nutz- und Wildpflanzen erbringen sie bedeutende Ökosystemleistungen. Der wirtschaftliche Wert ihrer Bestäubungsleistung in der Landwirtschaft wird allein in Deutschland auf 2,7 Milliarden Euro im Jahr geschätzt, weltweit sogar auf 153 Milliarden Euro.

Im Gegensatz zu den Honigbienen als Generalisten, die Nektar und Pollen an verschiedenen Blütenpflanzen sammeln können, haben sich 30% der Wildbienenarten auf die Pollen ganz bestimmter Pflanzenarten, -gattungen oder -familien spezialisiert. Durch diese Spezialisierung, die unterschiedlichsten Sammeltechniken, die zum Teil bessere Anpassung an niedrigere Temperaturen sind sie effiziente und unverzichtbare Bestäuber.

Blütenvielfalt braucht Insektenvielfalt –
Insektenvielfalt braucht Blütenvielfalt!

Das Schlagwort Bienensterben steht in den Medien und öffentlichen Diskussionen meist für den Rückgang der Anzahl der Honigbienen-Völker. Phänomene sind z. B. der in den USA seit 2006 auftretende Colony Collapse Disorder (CCD) – ein Massensterben, ausgelöst vermutlich durch eine Kombination verschiedener Ursachen, wie z.B. einseitige Ernährung durch Monokulturen, häufiger Standortwechsel, unnatürliche Haltungsbedingungen und hohe Pestizidbelastung. Die jüngsten Massenverluste auch in Europa wurden durch hochgiftige Pestizide verursacht. Im Verdacht stand ein Maisbeizmittel mit dem Wirkstoff Chlothianidin. Dennoch war die domestizierte Honigbiene zu keinem Zeitpunkt in ihrem Gesamtbestand gefährdet. Tatsache ist, dass in Deutschland ca. 150.000 Imker*innen derzeit etwa 1 Million Honigbienenvölker betreuen – mit steigender Tendenz. Die zahlreichen Imkerverbände vertreten die Interessen ihrer wachsenden Mitgliederschaft gegenüber Politik und Wirtschaft.

Als Fachbegriff bezieht sich das Bienensterben auf die Wildbienen, von denen in Deutschland mehr als 50% auf der Rote Liste gefährdeter Arten stehen. Häufig wird es mit dem Insektensterben gleichgesetzt.

Wildbienen haben weder Bienenhüter noch starke Lobbyisten. Es gibt deutschlandweit nur wenige Wildbienen-Experten. Alle Wildbienenarten sind zwar nach BNatSchG besonders geschützt, stehen aber nicht unter dem Schutz der europäischen Flora-Fauna-Richtlinie (FFH), d.h. sie zählen nicht zu den planungsrelevanten Arten, die bei Eingriffen in europäisch geschützte Lebensräume berücksichtigt werden müssen.

Hauptgrund für das Sterben der Wildbienen ist die Vernichtung ihrer Lebensräume mit den Niststätten (70% aller Wildbienenarten sind Bodenbrüter), Nahrungspflanzen und Nistmaterialien sowie die dadurch fehlende kleinräumige Vernetzung dieser benötigten Elemente. Ursachen sind unsere intensiven Nutzungsformen, wie z.B.

  • die Flurbereinigung mit Vernichtung zahlreicher Landschaftsstrukturelemente, die Überdüngung mit Nitrat und Monokulturen in der industriellen Landwirtschaft,
  • artenarme Wirtschaftsbestände, die Beseitigung von Totholz und starke Mahd/Mulchung in der Forstwirtschaft,
  • zunehmende Versiegelung durch Verkehr, Gewerbe und Wohngebäude sowie
  • die uniforme Grüngestaltung auf kommunalen und privaten Flächen.

Welche Folgen hat das Bienensterben für Menschen und Natur?

Fachleute warnen vor weitreichenden Konsequenzen: Wenn Bestäuberinsekten fehlen, werden viele Wild- und Nutzpflanzen nicht mehr bestäubt. Geringere Ernten und sogar Ernteausfälle wären die Folge – vor allem bei Obst und Gemüse. Da sich im Laufe der Evolution manche Blüten an die Pollenübertragung durch spezielle Wildbienenarten angepasst haben, sind viele Pflanzen von Einzelarten abhängig und umgekehrt. Die Verluste würden ganze Nahrungsketten in Gefahr bringen –ihren Brutparasiten fehlt die Fortpflanzungs-, insektenfressenden Vogel-, Spinnen und anderen Tierarten die Nahrungsgrundlage.

Wie setzt sich die DUH für die Wildbienen ein?

Eine Agrarwende, die auf biodiversitäts- und klimafreundliche Anbaumethoden und weniger Pestizideinsatz setzt, ist das Ziel, das wir mit der Europäischen Bürgerinitiative “Bienen und Bauern retten” verfolgen. Wir wollen die Ernährung der Menschen nicht nur heute, sondern auch noch in Zukunft sicherstellen.

Nur mithilfe eines wirksamen Düngerechts können die Stickstoffausträge aus der Landwirtschaft reduziert werden. Die Europäische Kommission hat die Bundesregierung bereits verklagt, weil die EU-Nitratrichtlinie zum Schutz vor Überdüngung aus der Landwirtschaft in Deutschland seit Jahren nicht umgesetzt wurde. Wir rütteln Politiker auf, begleiten kritisch wichtige Rechtsetzungsverfahren wie die Düngeverordnung und setzen uns bundesweit dafür ein, dass Landwirtschaft neu gedacht wird.

Wir unterstützen Kommunen dabei, Stadtnatur und Artenvielfalt zu erhalten. Mit den Projekten Grünflächen in der Sozialen Stadt und Wilde Natur in Städten sorgen wir für mehr Biodiversität in den in besiedelten Bereichen. Denkanstöße, wie nachhaltiges Gärtnern gestaltet werden kann, geben unsere beiden Beteiligungs-Projekte Gärten für die Zukunft und Grüne Schulhöfe. Anhand von Modellgärten und Workshops zeigen wir zum Beispiel auf, wie auf künstlichen Stickstoffdünger verzichtet werden kann.

Weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die naturverträgliche Landnutzung, die negative Auswirkungen auf Biodiversiät und Klima minimiert. Darüber hinaus wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Landwirte, die eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt fördern und damit auf Erträge verzichten, einen finanziellen Ausgleich brauchen. Mit unserem Projekt Agora Natura wollen wir einen Marktplatz für solche Ökosystemleistungen schaffen.

Mit unserem langjährigen Partner Bodensee-Stiftung beziehen wir die Landwirte aktiv in den Schutz der Bienen ein: Auf direktem Wege mit der Initiative Bauernbienen, dem Projekt Grünland, Milch und Honig und der Ausbildung von Blühbotschaftern sowie indirekt mit dem Bildungsprojekt Bienen machen Schule und Lerneinheiten zum Thema „Bienen und Artenvielfalt“.

Mit unseren 8 Garten-Tipps können Sie selbst aktiv werden und den Bienen helfen. Verwandeln Sie Ihren Garten oder Balkon zu einem Paradies für diese kleinen Naturschützer. Alle Tipps finden Sie in unserem Mini-Ratgeber.

Werden Sie jetzt Bienen-Pate!

Kämpfen Sie mit uns für den Schutz der Bestäuber.

Mini-Ratgeber mit Gartentipps

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Kontakt

Copyright: © Steffen Holzmann

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
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