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Unsichtbares Gift – wie Pestizide auf unsere Umwelt wirken

Pestizide sind aus unserer modernen konventionellen Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Diese Chemikalien wirken auf verschiedenste Weisen- aber immer mit einem Ziel: Die landwirtschaftliche Ernte vor Schadorganismen wie Pilzen, Insekten oder Milben zu schützen. 

Auch Unkrautvernichter wie der bekannte Wirkstoff Glyphosat zählen zu den Pestiziden. Auf der einen Seite sorgen sie für makellose Lebensmittel, auf der anderen Seite dezimieren sie aber nachweislich die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft. Die Verbraucher*innen profitieren von der Verwendung von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft, denn reiche Ernten sorgen für günstige Lebensmittelpreise. Obwohl auch in der Bio-Landwirtschaft einige Spritzmittel erlaubt sind, ist der Einsatz insgesamt weit geringer. 2017 wurden für jeden Hektar Fläche in Deutschland durchschnittlich 2,8 kg Pestizide abgegeben. Pro Einwohner weit über ein Kilogramm. Deswegen sorgen sich viele Menschen auch um die Gesundheitsfolgen der chemischen Hilfsmittel, deren Rückstände sich in vielen Lebensmitteln finden lassen. Wir setzen uns ein für eine Landwirtschaft, die ohne massiven Chemieeinsatz wertvolle Lebensmittel produziert. Diese erfordert neben einem Umdenken bei den Bürgerinnen und Bürgern auch ein starkes Umsteuern bei der Agrarpolitik in der EU.

Die Landwirtschaft besitzt mit 51,6 Prozent den größten Flächenanteil in Deutschland und ist zunehmend industriell geprägt. Große, leichter zu bewirtschaftende Monokulturen prägen das Bild. Feldraine mit Wildkräutern und Hecken in der Flur sind oft schon vor Jahren der sogenannten Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Der Verlust von Brachen, Grünland und der oft übermäßige Einsatz von Düngern und Pestiziden haben einen erheblichen negativen Einfluss auf die biologische Vielfalt auf den Wiesen und Äckern Mitteleuropas.

Besonders die Artengruppe der Insekten ist in den letzten Jahren in den Fokus gerückt. Rückgange von mehr als 75% bei den Fluginsekten konnten verzeichnet werden. Das Fehlen der Insekten wirkt sich indirekt über die Nahrungskette auch auf andere Lebewesen aus, denn Insekten sind wichtige Nahrung für Vögel und Säugetiere. Verschiedene Studien stellen deshalb einen indirekten Zusammenhang zwischen der Pestizidverwendung in der Umwelt und z.B. schwindenden Vogelzahlen fest. 

DUH fordert ein Pestizidreduktionsprogramm auf nationaler Ebene

© Dusko / Fotolia


Das Problem des Artenschwundes lässt sich jedoch nicht nur durch ein Verbot einzelner toxischer Wirkstoffe erreichen – wie bisher geschehen – es braucht vor allem eine Agrarwende hin zu einer naturnahen Landwirtschaft. Wir brauchen ein umfassendes Pestizidreduktions-Programm für Deutschland. Der Pestizidbedarf muss radikal eingeschränkt werden. Maßnahmen, wie ein Anwendungsverbot von Glyphosat  für sensible Flächen, ein Komplettverbot von Neonicotinoiden, aber auch ein verbessertes Zulassungsverfahren für neue Pestizide mit einer ausgeweiteten Prüfung der Toxizität auf unterschiedliche Artengruppen und die Bedingungen im Freiland, müssen Teil des Programms sein. Agrarsubventionen sollten nur noch gegen ökologische und andere gesellschaftliche Leistungen gewährt werden und nicht mehr an die Fläche gebunden sein.

Neonicotinoide sind eine Gruppe von hochwirksamen Pestiziden aus der Untergruppe der Insektizide. Sie alle sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die als Blattbehandlung, als Beizmittel und zur Bodenbehandlung eingesetzt werden, um den Befall von Nutzpflanzen durch Schädlinge zu verhindern. Bei Aufnahme wirken sie als Nervengift, binden sich an die Rezeptoren der Nervenzellen und stören hier die Weiterleitung von Nervenreizen. Ihr Einsatz soll vor allem den hohen Ertrag an landwirtschaftlichen Produkten sichern, ihre Nebenwirkungen stellen sich aktuell jedoch als fatal heraus. Denn die Wirkstoffe der Neonicotinoide haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, sind hochkonzentriert und wirken so bereits in kleinsten Mengen. Sie durchdringen die ganze Pflanze bis in die Blüten und Pollen. Hier werden sie insbesondere von Bestäuber-Insekten aufgenommen, schädigen als Nervengift den Geruchs- und Orientierungssinn der Tiere oder führen zu eingeschränkter Nahrungsaufnahme. Sie haben zusätzlich eine weitere schädigende Eigenschaft: sie sind wasserlöslich. Das führt dazu, dass die Gifte auch in den Boden gespült werden. Hier bauen sie sich mit einer Verweildauer von bis zu drei Jahren wesentlich langsamer ab als bisher angenommen und gelangen so unkontrolliert in Nachbar-Ökosysteme. Auf diese Weise kann auch ein Blütenparadies jenseits der Felder zur Todesfalle werden. Betroffen sind u.a. Gewässer, Ackerrandstreifen und Naturschutzgebiete. Hier schaden sie direkt auch zahlreichen höher entwickelten Arten, darunter Fische und Säugetiere.

Efsa-Studie bestätigt Gefährlichkeit der Neonicotinoide

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) bestätigte im Februar 2018 mit ihren Untersuchungen zu neonicotinoidhaltigen Pestiziden, wovor Umweltverbände, wie die Deutsche Umwelthilfe, schon lange warnen: Insekten, vor allem Bestäuber wie Hummeln, Bienen und Schmetterlinge sind durch Pestizide – hier vor allem durch die Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam – stark gefährdet. Mit der Auswertung von über 700 Studien konnte die aus 2013 bereits durchgeführte Risikobewertung nun abgeschlossen werden. Die Ergebnisse verstärken den Handlungsdruck auf die Politik, Neonicotinoide neu zu bewerten. Die EU-Kommission und auch die Mitgliedsstaaten hatten unlängst Entscheidungen zu möglichen Teilverboten vertagt.

Am 27.04.2018 haben die EU-Länder ein Teilverbot von Neonikotinoiden beschlossen. Das ist ein ganz wichtiger erster Schritt. Aber wir müssen dranbleiben, damit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ihre Versprechen wirklich hält und jetzt nicht aufhört, sich für Schmetterlinge, Bienen und Co. stark zu machen. Schreiben Sie deshalb jetzt Ihre Protestmail an Julia Klöckner und nehmen Sie die Ministerin beim Wort!

E-Mail-Aktion für Schmetterlinge

Aktion: Schluss mit giftigen Pestiziden!

Schützt unsere Schmetterlinge vor der Vergiftung!

Jetzt Protestmail schreiben!

Kontakt

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Peer Cyriacks
Stellvertretender Leiter Naturschutz
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Urkunde und Samentütchen für Schmetterlingspaten
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