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Futter bei die Fische

Unsere Meere sind überfischt. Gleichzeitig wächst das weltweite Verlangen nach Meeresfrüchten beständig. Aquakultur scheint die Lösung zu sein und ist aktuell einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige der Nahrungsmittelerzeugung weltweit. Leider trägt die Aquakultur einen großen Teil zur Überfischung der Meere bei, denn jeder fünfte gefangene Wildfisch endet derzeit in Aquakultur-Futtermitteln.

Als Vermittelnde zwischen den Aquakulturproduzenten und der Öffentlichkeit sind Supermärkte die wohl mächtigsten Akteure auf dem Markt. Werden sie dieser verantwortungsvollen Rolle gerecht? Dieser Frage geht die Deutsche Umwelthilfe in ihrem neuen Projekt „Futter bei die Fische“ nach.  

Fast ein Fünftel der weltweiten Fischanlandungen werden derzeit zu Fischmehl und Fischöl (FMFO) verarbeitet

Aquakultur ist die Zucht von Fischen und Schalentieren an Land oder im Meer. Ist deren Produktion nachhaltig, kann durch sie eine gesunde Proteinquelle geschaffen werden, ohne dass ökologische Grenzen überschritten werden. Doch leider ist die Aquakultur oft nicht so unabhängig von der Fischerei, wie es scheint. Zwei der größten Abnehmer weltweit für Wildfische, wie Sardinen, Hering oder Sardellen, sind die Aquakultur- und Agrarindustrie. Fast ein Fünftel der weltweiten Fischanlandungen werden derzeit zu Fischmehl und Fischöl (FMFO) verarbeitet, mit dem wiederum die industrielle Viehzucht und Aquakultur beliefert werden. Die Nachfrage nach FMFO steigt im gleichen Maße, in dem die Aquakulturindustrie expandiert – rasant. 

Ein Arbeiter entlädt “Abfallfische” im Hafen von Ullal in Karnataka, Indien© Changing Markets
Verladung von “Abfallfischen” eines Hochsee-Fischereifahrzeugs in Vietnam, die später zu Fischmehl verarbeitet werden© Changing Markets
Ein Mann steht auf Triggerfisch-Beifang in einem Hafen in Mangalore (Indien)© Changing Markets
 

Verbraucher sind sich der Herkunft ihrer fischigen Mahlzeiten meist nicht bewusst – weder der Tatsache, dass die von ihnen verspeisten Fische aus Aquakulturen stammen, noch womit sie gefüttert wurden. Im Vereinigten Königreich etwa konsumierten Verbraucher im Jahr 2019 insgesamt 103.000 Tonnen der sechs meistverkauften Meeresfrüchte-Arten (nach Volumen) aus Aquakulturen. Was ihnen nicht bewusst war: Gleichzeitig verzehrten sie indirekt auch 177.000 Tonnen Wildfisch, der in Form von FMFO ins Futter gelangte. 

In Deutschland wird der meiste Fisch als Tiefkühlware, Konserve oder Marinade im Supermarkt verkauft. Supermärkte haben damit eine enorme Macht, das Verlangen und die Kauflust der Öffentlichkeit zu beeinflussen. Ebenso haben sie die Möglichkeit, Verbraucher über die Auswirkungen verschiedener Arten des Fisch- und Meeresfrüchtekonsums aufzuklären, und können dafür sorgen, dass die Standards für die Lebensmittel- und Fischfutterproduktion in ihren Lieferketten gewahrt werden. Ihnen kommt damit eine entscheidende Rolle zu, eine Vorreiterrolle beim Einsatz für gesunde Meere zu übernehmen.

Nicht ohne Berücksichtigung von Umweltstandards und Menschenrechten

In ihrem neuen Projekt „Futter bei die Fische“ untersucht die Deutsche Umwelthilfe, inwieweit die größten deutschen Supermarktketten dieser Verantwortung nachkommen. Anhand von umfassenden Interviews, eigenen Recherchearbeiten und Marktbesuchen bewerten wir, wie transparent und nachhaltig die Lieferketten der Aquakulturprodukte und deren Futtermittel tatsächlich sind. Insbesondere vor dem Hintergrund des zukünftigen Lieferkettengesetzes, das dafür sorgen soll, dass große Unternehmen nicht ohne Berücksichtigung von Umweltstandards und Menschenrechten wirtschaften können, ist es essentiell, dass hier ein guter Wissensstand herrscht. Aquakulturen können nachhaltig sein. Unabdingbar ist hierfür eine Entkopplung der Aquakultur von der Wildfischerei. Unter den aktuell vorherrschenden Gegebenheiten sind sie allerdings mehr Fluch als Segen für die Meere und stellen eine inakzeptable Belastung für Wildfische und die Menschen dar, die von gesunden marinen Ökosystemen abhängig sind. Im Angesicht von Klimawandel und menschgemachter Ökosystemzerstörung, die unsere Ernährungssicherheit bedrohen, sowie einem zunehmenden Fokus auf verantwortungsbewusster und gesunder Ernährung, können es sich Einzelhändler nicht mehr leisten, vor dieser Problematik die Augen zu verschließen.

Kontakt

Copyright: © M. Krag

Dr. Katharina Fietz
Projektmanagerin Meeresnaturschutz
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