Tricksereien bei Spritverbrauchsangaben

Dienstag, 03.03.2015

5 Fragen an Dorothee Saar, Bereichsleiterin Verkehr

© Robert Lehmann
© Robert Lehmann

3. März 2015

Die Hersteller täuschen die Verbraucher mit falschen Spritverbrauchsangaben. Warum werden die Verbräuche runtergerechnet?

Das liegt unter anderem an den EU-Vorgaben: Alle Neuwagen dürfen ab 2015 im Durchschnitt nur maximal 130 Gramm CO2/km ausstoßen. Die Hersteller wollen beziehungsweise müssen also effiziente und klimafreundliche Pkw anbieten, die diesen Vorgaben entsprechen. Gleichzeitig sollen die neuen Modelle aber natürlich auch flott aussehen und Fahrspaß bieten. Außerdem richtet sich die KFZ-Steuer nach dem Spritverbrauch. Weniger Spritverbrauch – weniger Steuern. So ein Argument zieht beim Käufer.  Mit einer Kombination aus niedrigem Spritverbrauch und maximalem Fahrspaß schaffen sich die Hersteller also einen Wettbewerbsvorteil.

Welche Tricks gibt es, um die Verbrauchsangaben zu senken? Und was ist dran an dem Gerücht, dass der Fahrstil daran Schuld ist, wenn die Verbrauchswerte viel höher sind als vom Hersteller angegeben?

Es gibt viele Möglichkeiten, die Verbrauchsangaben nach unten zu drücken. Eine Möglichkeit ist es, auf der Testrecke die Bedingungen zu optimieren. Zum Beispiel in dem man die Autos präpariert - indem man Sitze ausbaut, um sie leichter zu machen oder alle möglichen Schlitze zuklebt, damit die Aerodynamik besser ist. Auf dem Prüfstand gibt es auch mehrere Möglichkeiten, Lücken im offiziellen Testverfahren ausnutzen. Die Lufttemperatur im Labor spielt da eine Rolle oder aber man benutzt teure Spezialöle, die dann allerdings im Alltagsgebrauch nicht mehr zum Einsatz kommen.

Sicher ist es schwierig, Laborbedingungen so zu gestalten, dass sie tatsächlich den unterschiedlichen Fahrgewohnheiten der Nutzer entsprechen. Aber die Leute fahren doch heute eher bewusster als früher und trotzdem steigt der Abstand. In den USA, in denen die Verbrauchsangaben vom Staat kontrolliert werden, beträgt der Abstand zu den Laborwerten etwa 2%, bei uns sind es 38 % bei den aktuellen Top Ten der Pkw-Zulassungen. Dieser Unterschied ist sicher nicht mit unterschiedlichen Fahrgewohnheiten zu erklären.

Wie ist möglich, dass die Konzerne damit durchkommen?

Das liegt daran, dass die Hersteller die Spritverbrauchsangaben selbst ermitteln und die Werte dann an die Behörden geben. Es findet keinerlei Kontrolle, zum Beispiel durch das zuständige Kraftfahrtbundesamt, statt. Die Hersteller sind förmlich dazu eingeladen, zu tricksen, denn sie haben ja nichts zu befürchten.

Was kann der Autofahrer tun, wenn er feststellt, dass der reale Verbrauch deutlich vom angegeben Spritverbrauch des Herstellers abweicht?

Der entscheidende Wert sind 10% mehr Verbrauch als vom Hersteller angegeben. Das hat der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil entschieden. Wenn man als Autofahrer einen solchen oder noch höheren Verbrauch feststellt, kann man vor Gericht ziehen. Wir wissen von Fällen, wo Autofahrer Recht bekommen haben und dann das Auto zurückgeben konnten. Aber daraus werden keine Schlussfolgerungen für den Konzern abgeleitet. Hier lohnt sich ein Blick in die USA: Dort müssen Hersteller wegen falscher Spritverbrauchsangaben an alle Besitzer des Modells eine Entschädigung zahlen und zusätzlich eine Strafe an den Staat entrichten. Die japanischen Hersteller Kia und Hyundai wurden zu Zahlungen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar verurteilt. Das sind Sanktionen, die die zu einem Umlenken führen und die wir uns in Deutschland wünschen.

Was fordert die Deutsche Umwelthilfe, um dem entgegenzuwirken?

Die EU ist gerade dabei, die geltenden Mess- und Zulasungsbestimmungen zu überarbeiten, um die Tests mehr an die Realität anzupassen. Aber auch das neue Verfahren wird nicht alle Schlupflöcher schließen können. Daher ist das wichtigste, dass das Kraftfahrtbundesamt heute und auch unter den neuen Zulassungsbestimmungen, die Herstellerangaben in Tests überprüft und die Zahlen öffentlich macht. Wenn der Verbrauch auf der Straße zu weit von den Herstellerangaben abweicht, müssen diese korrigiert werden, mit allen Konsequenzen. Nur so erzielen wir ehrliche Angaben, auf die sich der Verbraucher beim Autokauf verlassen kann.

Die Fragen stellte Ann-Kathrin Marggraf.

Informationen über die Herstellertricks auf der Teststrecke und auf dem Prüfstand finden Sie auf unserer Website.

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