Die Tricks bei der Fahrwiderstandsmessung auf der Teststrecke

Trick 1: Maximale Gewichtsreduzierung

Testlauf extrem: Nur die nötigste Ausstattung und in warmem Klima. © Anja Götz / Fotolia

Die Fahrzeuge werden in der leichtesten Ausstattungsvariante ausgewählt und zusätzlich durch den Ausbau nicht unbedingt erforderlicher Teile “gewichtsoptimiert“. Somit kann das gemessene Fahrzeug deutlich leichter sein als das Serienfahrzeug.

Trick 2: Maximaler Reifendruck

Die Reifen werden weit über das im Handbuch empfohlene Maß hinaus häufig auf 4 bar und mehr aufgepumpt, um einen möglichst geringen Rollwiderstand zu erreichen.

Trick 3: Rollwiderstandsarme Reifen

Die serienmäßig montierten Reifen sind in der Regel breiter und schwerer und haben insgesamt einen höheren Roll- und Luftwiderstand als die rollwiderstandsoptimierten schmalen Reifen, die für den Test verwendet werden.

Trick 4: Ausrichtung der Räder

In einem Fahrzeug, das im Straßenverkehr genutzt wird, gibt es einen Zielkonflikt zwischen einer Einstellung, die ein gutes Handling und eine gute Straßenlage ermöglicht, und einer Einstellung, die das Ausrollen optimiert. Eine auf den Ausrollwert hin optimierte Einstellung der Räder kann den Rollwiderstand um 20 Prozent verringern, was zu einer Absenkung des Gesamtresultats beim Verbrauchswert um etwa 3 Prozent führt.

Trick 5: Verwendung von Hochleistungsschmierstoffen

© kelpfish / Fotolia

Für die optimale Reibungsminimierung werden teure Spezial-Öle verwendet, die bei Serienfahrzeugen in der Regel nicht zum Einsatz kommen.

Trick 6: Verbesserung der Aerodynamik

Der Luftwiderstand kann dadurch verringert werden, dass beispielsweise der Kühlergrill oder die Türschlitze mit Klebeband geglättet werden. Auch diese fragwürdige Methode ist nicht auf den realen Betrieb übertragbar.

Trick 7: Gut eingefahrene Fahrzeuge

Ein gut eingefahrenes Fahrzeug rollt weiter aus. Die Bedingungen sehen vor, dass das zu testende Fahrzeug „normal“ eingefahren und mindestens 3.000 km weit gefahren sein soll. Einige Hersteller jedoch nehmen Fahrzeuge, die deutlich länger eingefahren sind. Nach Expertenangaben kann damit ein Vorteil von etwa 5 Prozent beim gemessenen Kraftstoffverbrauch erwirkt werden.

Trick 8: Glatte und leicht abschüssige Teststrecke

Die gesetzlichen Vorgaben zum Ausrolltest erlauben ein Gefälle von bis zu 1,5 Prozent. Zwar sollen zwei Ausrollversuche in entgegengesetzter Richtung durchgeführt werden, um den möglichen Einfluss von Wind auszugleichen. Es ist aber nicht festgelegt, dass die Fahrt in entgegengesetzter Richtung auf exakt derselben Strecke durchgeführt werden muss. Eine Abschüssigkeit von bis zu 1,5 Prozent ist demnach in beide Richtungen möglich. Zudem verwenden die Anbieter von Teststrecken für diese Zwecke besonders reibungsarme, glatte Beläge, die es im realen Straßenraum so nicht oder kaum gibt.

Trick 9: Höhergelegene Teststrecke in milderem Klima

Niedriger Luftdruck und höhere Temperaturen beeinflussen den Fahrwiderstand positiv, weshalb der Großteil der europäischen Ausrolltests in Spanien durchgeführt wird.

Trick 10: Toleranz beim gemessenen Fahrwiderstand

Der Fahrwiderstandswert in Newton, der später für die Programmierung des Prüfstandes verwendet wird, darf in den höheren Geschwindigkeitsbereichen bis zu 5 Prozent und in niedrigeren Geschwindigkeitsbereichen bis zu 1 Prozent von den im Ausrolltest gemessenen Werten abweichen.

Hier sehen Sie, mit welchen Tricks die Autoindustrie auf dem Prüfstand arbeitet.

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