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Billiges Fleisch hat einen hohen Preis

Fleischproduktion ist die Hauptursache für Waldzerstörung in Südamerika

Von Menschen gelegte Waldbrände in Südamerika und ihre verheerende Wirkung auf unser Klima und die Artenvielfalt sind Jahr für Jahr ein Rückschlag für den Umweltschutz. Doch die Schuld an diesen Feuern tragen nicht nur rechts-konservative Staatsführer, wie der brasilianische Präsident Bolsonaro, der seit 2018 die Verfolgung von Umweltvergehen fast zum Erliegen gebracht hat. Es ist auch die industrielle Fleischproduktion hier bei uns in Deutschland, die die Waldbrände anfacht. Zum einen werden in Südamerika auf riesigen Flächen Rinder gehalten, deren Fleisch auch auf den europäischen Markt verkauft wird, zum anderen wird immer mehr Wald für den Sojaanbau vernichtet. Rindfleischproduktion und Sojaanbau sind die beiden Haupttreiber für die Entwaldung in Südamerika.

Soja ist ein unverzichtbarer Treibstoff der Massentierhaltung. Ohne die eiweißreiche Bohne wäre die in deutschen Ställen übliche Turbomast, in der etwa Küken in nur 33 Tagen zur Schlachtreife gemästet werden, nicht denkbar. Soja hat die früher in Deutschland üblichen Eiweißfuttermittel, wie die Ackerbohne, fast in die Bedeutungslosigkeit abgedrängt. Dazu haben auch Handelsabkommen beigetragen, die zu einer großen Menge von zollfrei importierten Soja geführt haben.

Die deutsche Massentierproduktion ist damit im extremen Maße von Sojafuttermittelimporten abhängig. Für die deutsche Tierhaltung wird im Ausland eine Fläche von der ungefähren Größe Mecklenburg-Vorpommerns für den Sojaanbau benötigt. Ein großer Teil dieser Flächen liegt in Südamerika und steht nun für die Menschen dort nicht mehr zur Verfügung. Das bringt viele Konflikte mit sich, denn vom Sojaanbau profitieren nur wenige Großbauern und Agrarhändler, die zum Teil auch vor Schutzgebieten für die einheimische indigene Bevölkerung nicht haltmachen. Zudem geht der Sojaanbau meist mit einem hohen Einsatz an Pestiziden einher, der die Gewässer und die Böden verseucht und viele Menschen krank macht. 

Naturzerstörung für die Fleischproduktion stoppen: Agrarwende in Europa

Billiges Fleisch im Überschuss hat einen hohen Preis. Das Überangebot und der hohe Konsum von Fleisch – und Milchprodukten gefährdet einmalige Lebensräume wie den Amazonas Regenwald oder die Trockenwälder und Savannen des Gran Chaco sowie den Klimaschutz. Aber auch bei uns sind negative Folgen der Massentierhaltung spürbar. Die Massentierhaltung sorgt zwangsläufig für drastische Probleme beim Tierwohl. Außerdem kommt es durch die Überdüngung mit Gülle zur Belastung des Grundwassers und Zerstörung von Ökosystemen sowie gesundheitsschädlicher Luftverschmutzung. Das ist nicht akzeptabel. Die Deutsche Umwelthilfe hält daher folgende Maßnahmen für unverzichtbar:

  • Stopp von Massentierhaltung und Fleischexporten: Wir fordern eine flächengebundene Tierhaltung mit höchstens 1,8 Großvieheinheiten pro Hektar. Das würde die Tierbestände auf ein vertretbares Maß reduzieren.
  • Heimische Futtermittel fördern: Wir brauchen eine Eiweißfutterstrategie in Deutschland, die uns unabhängig macht von Futtermittel aus Übersee.
  • Transparente Lieferketten und verbindliche Sorgfaltspflichten: Bis wir ausreichend heimische Eiweißfutter produzieren, müssen wir die Risiken für Entwaldungen, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in den Lieferketten minimieren. Freiwillige Initiativen von Industrie und Handel sind bisher nur unzureichend. Wir brauchen einen gesetzlichen Rahmen, der verbindliche Transparenz vom Sojafeld bis hin zum Ladenregal sowie verpflichtende Standards und funktionierende Kontrollmechanismen sicherstellt. Freiwillige und gesetzliche Maßnahmen müssen sich gegenseitig ergänzen.
  • Moratorium für das Mercosur-Abkommen: Das geplante Handelsabkommen der EU mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay hätte zur Folge, dass noch mehr billiges Soja und Rindfleisch nach Europa gelangen. Im Gegenzug müssten die Mercosur-Länder zum Beispiel ihre Märkte für europäische Autoimporte öffnen. Damit würde sich der Druck auf die Ökosysteme in Südamerika noch mal erhöhen. Wir fordern eine EU-Handelspolitik, die überprüfbare Mindeststandards für den Umwelt- und Klimaschutz sowie der Menschenrechte festschreibt und ihre Einhaltung sicherstellt.

Gutes Essen statt Überfluss zu Lasten von Klima und Artenvielfalt

Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich ein für eine Agrarwende, weg von globalisierter Umweltzerstörung und schädlichen Subventionen mit der Gießkanne hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, die Bäuerinnen und Bauern ein existenzsicherndes Wirtschaften ermöglicht. Tierproduktion hat einen hohen Preis. Alle Kosten, die für die Tierproduktion für die Gesellschaft entstehen, etwa durch Klimagase, Umweltverschmutzung und Artensterben, müssen sich im Preis für tierische Produkte niederschlagen. Subventionen dürfen nur noch für gesellschaftlich erwünschte Leistungen wie dem Tierschutz, Naturschutz oder die regionale Entwicklung fließen.

Die DUH fördert hier den Dialog mit der Wissenschaft, Politik und Landwirten, um Alternativen zu entwickeln und entsprechende gesetzliche Maßnahmen anzustoßen. Wir nehmen die Lieferketten der Fleischindustrie und des Einzelhandels vom Feld bis zur Currywurst unter die Lupe und machen Druck für verbindliche Sorgfaltspflichten, die Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen sicher ausschließen. Mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen wollen wir auf die negativen Folgen der Massentierhaltung hinweisen und für gutes Essen statt Überfluss zu Lasten anderer werben.

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