Modellkommune Stadt Borkum

Als „emissionsfreie Nordseeinsel“ hat sich die Gemeinde Borkum das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 keinerlei CO2-Emissionen mehr auszustoßen. Die 5.205 Einwohner zählende Gemeinde, die zu Ferienzeiten tourismusbedingt über 20.000 „Einwohner“ hat, bietet ganz besondere Voraussetzungen. Viele Gebäude, insbesondere die der städtischen Gesellschaft Nordseeheilbad Borkum GmbH, werden nur saisonal betrieben, was den Einsatz von Automationstechnik besonders interessant und lohnenswert macht. Borkum betreibt ein engagiertes Umweltmanagement, hinter dem Bürgermeister Georg Lübben steht. Die Gemeinde will zeigen, was für den Klimaschutz getan werden kann, und anderen Kommunen als Vorbild dienen. Und nebenbei ausloten, welches Einsparpotenzial in der modernen Automatisierungstechnologie steckt. Die kommunalen Liegenschaften haben bisher einen relativ geringen Automatisierungsgrad – somit ist Borkum ein gutes Beispiel für erste Schritte. Folgende drei Gebäude werden im Rahmen von SmartRathaus genauer betrachtet:

Die Modell-Gebäude in Borkum

Rathaus

© Matthias Süßen, Lizenz CC BY-SA

Das Borkumer Rathaus wurde 1910 erbaut und steht komplett unter Denkmalschutz. In den sechziger Jahren erfolgte ein umfangreicher Umbau. Ab 2015 wurden die Fenster zum Teil erneuert und zum Teil restauriert. Das Gebäude hat eine schlechte Isolierung und ist nachträglich schwer zu isolieren, was Automationsmaßnahmen besonders interessant macht. Aktuell wird es über einen Gaskessel mit nur einem Heizkreis beheizt. Sämtliche Heizungen und Beleuchtungen werden manuell bedient. Grundlegende Empfehlungen sind, die Heizpumpen durch automatisch geregelte zu ersetzen sowie in Fluren und Büros Präsenzmelder zur Licht- und Heizungssteuerung einzusetzen.

Daten & Fakten
Adresse Neue Straße 1, 26757 Borkum
Baujahr 1910
Letzte größere Sanierung Umbau 1965, neue Fenster ab 2015
Automationsgrad nach DIN EN 15232 C
Nutzfläche 312 m²
Jährlicher Strombedarf 28.000 kWh/a
Jährlicher Wärmebedarf 56.200 kWh/a
Besonderheiten Denkmalschutz

Grundschule Borkum

© Simon Mößinger, DUH

Die Grundschule Borkum ist ein Gebäude mit traditioneller Klinkerfassade. Wie auch das Rathaus steht die Schule unter Denkmalschutz. Das ursprüngliche Grundschulgebäude wurde 1927 errichtet. Weitere Anbauten erfolgten 1934 und 2001. Aktuell bestehen Planungen zur Einrichtung einer (offenen) Ganztagsschule.  Im Falle der Umsetzung der Planungen muss der gesamte Gebäudekomplex umfassend saniert werden.
Die Heizanlage wird über einen Gaskessel mit zentraler Steuerung betrieben. Heizung und Beleuchtung werden in Klassenräumen und in den Gängen manuell bedient. Bewegungsmelder zur Beleuchtungssteuerung sind ausschließlich auf den Toiletten vorhanden. Aktuell werden in einem Klassenraum automatische Bluetooth-gesteuerte Thermostate getestet. In allen Klassenräumen werden Smartboards eingesetzt; diese können jeweils mit einem Schalter vom Stromnetz getrennt werden.

Daten & Fakten
Adresse Wilhelm-Bakker-Straße 3, 26757 Borkumn
Baujahr 1927
Letzte größere Sanierung
Automationsgrad nach DIN EN 15232 C-D
Nutzfläche 1.429 m²
Jährlicher Strombedarf 13.400 kWh
Jährlicher Wärmebedarf 100.000 kWh

Börkumer Kinnertune

© Simon Mößinger, DUH

Die Börkumer Kinnertune bietet Platz für 150 Inselkinder. 1999 wurde das Gebäude des ehemaligen Kinder-Kurheims von der Stadt Borkum übernommen und zur Kita umgewidmet. 2011 wurden eine Krippe und ein Multiraum angebaut. Das Gebäude wird über einen Gaskessel beheizt und verfügt über automatisch geregelte Heizungspumpen. Die Vorlauftemperatur wird bedarfsorientiert automatisch gesteuert. Beleuchtung und Heizungen werden noch manuell bedient; es sind keine Bewegungs- oder Präsenzsensoren vorhanden.

Daten & Fakten
Adresse Süderstraße 64, 26757 Borkum
Baujahr 1980
Letzte größere Sanierung 2011: Anbau von Krippe und Multiraum
Automationsgrad nach DIN EN 15232 C
Nutzfläche 1.530 m²
Jährlicher Strombedarf 28.400 kWh
Jährlicher Wärmebedarf 110.800 kWh
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