Modellkommune Böblingen

Die Stadt Böblingen ist mit knapp 50.000 Einwohnern die größte der SmartRathaus Modellkommunen. Als wirtschaftsstarke Kreisstadt in der Region Stuttgart bewirtschaftet die Kommune 185 Gebäude mit einer besonderen Altersstruktur: Aufgrund großer Kriegsschäden wurden die meisten Gebäude in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erbaut. Insbesondere in den 1960er-1980er Jahren entstanden zahlreiche öffentliche Gebäude. In dieser Zeit war der schonende Umgang mit Energie und Ressourcen noch kein Schwerpunkt des Planens und Bauens. Da viele dieser Gebäude nur bedingt energetisch sanierbar sind, resultieren zahlreiche  Anwendungsmöglichkeiten um mittels Gebäudeautomation Energie zu sparen. Aktuell liegt in den Böblinger Liegenschaften ein großer Sanierungsbedarf vor – der richtige Zeitpunkt für den Start eines Gebäudeeffizienzprogrammes.
Aus den Ergebnissen von SmartRathaus sollen exemplarische Leitlinien erarbeitet werden, welche als Muster für nachfolgende Sanierungen dienen. Dahinter steht Bürgermeister Dr. Stefan Belz, der den Klimaschutz in Böblingen weiter voran treibt und Gebäudeautomation als Bestandteil einer modernen, dynamischen und attraktiven Stadt sieht. Böblingen hat dabei eine gute Grundlage: Zwei Energiemanager arbeiten an der Reduzierung des Energiebedarfs der Liegenschaften. In knapp 100 Gebäuden ist bereits ein Energiemonitoring installiert. Zudem kommen in verschiedenen Gebäuden bereits nutzungsabhängige Anlagensteuerungen und digitale Gebäudetechnik zum Einsatz.

Die Modell-Gebäude in Böblingen

Rathaus

© Peter Albig

Das Böblinger Rathaus ist ein Komplex aus zwei Gebäudeteilen verschiedener Epochen: das historische Rathaus von 1952 sowie das neue Rathaus von 1982Eine energetische Verbesserung der vorhandenen Sandsteinfassade ist nicht zielführend, daher werden Energieeinsparungen über eine Verbesserung der Regelungstechnik angestrebt. Für das neue Rathaus wurde ein Sanierungsprogramm von über 12 Mio. Euro beschlossen, bei dem Digitalisierung und Energieeffizienz eine große Rolle spielen werden. Erste Umbaumaßnahmen sollen im Oktober 2019 beginnen. Ausgangspunkt ist ein  Zweckbau aus den 1970ern mit einem relativ geringen Automationsgrad: Die Beleuchtung in Gängen und Toiletten wird noch manuell geschaltet, ebenso wie die Heizungen in den Büros und die Jalousien zur Verschattung. Geheizt wird das Gebäude  über eine Gaskesselanlage mit automatisch geregelten Heizungspumpen. Über ein kleines Nahwärmenetz sindweitere kommunale Gebäude und Teil einer Wohnbebauung an die Heizanlage des Rathauses angeschlossen. Ein Anschluss an ein neues industriegespeistes Fernwärmenetz ist zusammen mit den Stadtwerken Böblingen in Planung. Aktuell testet die Stadtverwaltung einzelne Automatisierungstechniken: in rund 20 Prozent der Büros werden neue Arbeitsplatzlampen eingesetzt, die sich automatisch tageslichtabhängig dimmen; auf Ebene 9 werden selbstregelnde Heizungsthermostate mit Präsenzmelder getestet.

Daten & Fakten
Adresse Marktplatz 16, 71032 Böblingen
Baujahr 1952 Altes Rathaus / 1982 Neues Rathaus
Letzte größere Sanierung 2015 Fenstersanierung Altes Rathaus
Automationsgrad nach DIN EN 15232 C
Nutzfläche 6640 m²
Jährlicher Strombedarf 85 MWh/a
Jährlicher Wärmebedarf 800 MWh/a

Albert-Einstein-Gymnasium

© J.S. Photography

Das Albert-Einstein-Gymnasium ist ein energetischer Problemfall: unbeheizt kühlt es innerhalb von zwei Stunden deutlich ab, da wenig Speichermasse vorhanden ist. Die großflächig verglaste Fassade ist schlecht gedämmt und lässt eine nachträgliche energetische Sanierung kaum zu. Die Steuerung der technischen Anlagen wurden vor ca. 15 Jahren auf damals fortschrittlichem Niveau von einem Dienstleister eingesetzt und werden heute immer noch von diesem betrieben. Nun will die Verwaltung sowohl die Effizienz steigern als auch mit der Benutzung von offenen Standards dienstleisterunabhängig werden.
Geheizt wird das Gebäude über zwei  Gaskessel mit zuschaltbarem Ölkessel. Alle Sensorik wird zentral erfasst und an den Dienstleister übermittelt, der Fehlermeldungen auslesen und zentrale Funktionen steuern kann. Präsenzmelder für die Beleuchtung sind in den Fluren vorhanden. In den Klassenräumen werden Beleuchtung und Heizung manuell gesteuert. Das Nutzungsszenarium ist variabel; abends finden Elternabende in verschiedenen Räumen statt. Es besteht die Möglichkeit, Elternabende auf Räume im gleichen Heizkreis zu legen, sodass alle anderen Heizkreise außerhalb der Schulzeit abgeregelt werden können.

Daten & Fakten
Adresse Zeppelinstraße 50, 71032 Böblingen
Baujahr Schule 1964 / Turnhalle I 1964 / Turnhalle
Letzte größere Sanierung Kesselsanierung 2016/2017
Automationsgrad nach DIN EN 15232 C
Nutzfläche Schule 5367,2 qm2 / Hallen 1831,25 qm2
Jährlicher Strombedarf 200 MWh/a
Jährlicher Wärmebedarf 1400 MWh/a

KITA Goethestraße

© Technisches Gebäudemanagement Böblingen

Als vollautomatisiertes Gebäude im Passivhausstandard sollte die Kita in der Goethestraße eigentlich ein Musterbeispiel an energetischer Effizienz sein. Die Beleuchtung wird in allen Räumen tageslichtabhängig automatisch geregelt, ebenso gibt es eine automatische Lüftungsanlage, die Luftqualität und Temperatur in den Räumen regelt. Derzeit ist jedoch sowohl der Energieverbrauch als auch die Nutzererfahrung inakzeptabel – dies zeigt, wie wichtig eine integrative Planung und Inbetriebnahme eines automatisierten Gebäudes sind. Integrativ in dem Falle heißt, dass Heizungs- und Lüftungsbauer im Planungsprozess zusammen arbeiten und ihre Gewerke aufeinander abstimmen. So wird z. B. über die Fußbodenheizung in der Krippe dem Gebäude zusätzlich Wärme zugeführt, was eigentlich für ein Passivhaus nicht vorgesehen ist. Als Folge überhitzt das Gebäude dauerhaft und lässt die Lüftungsanlage auf vollen Touren laufen. Aktuell wird versucht, alle Gewerke des Hauses miteinander abzustimmen. Ziel ist es, die Gewerke auch intelligent miteinander zu vernetzen um dadurch ein Maximum an Komfort mit einem Minimum an Energieeinsatz zu erreichen.

Daten & Fakten
Adresse Goethestr. 60, 76744 Wörth am Rhein
Baujahr 2014
Letzte größere Sanierung -
Automationsgrad nach DIN EN 15232 B-C
Nutzfläche 1089 m²
Jährlicher Strombedarf 17 MWh/a
Jährlicher Wärmebedarf 95 MWh/a
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