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Pressemitteilung

Gehen Sie mit?

Donnerstag, 15.04.2021

Verpackungen sind ein lukratives Geschäft. Mit Werbetricks machen Plastikkonzerne uns ihre Produkte schmackhaft, die wir gar nicht brauchen. Die Abfallexpert*innen der Deutschen Umwelthilfe decken Greenwashing auf und erklären, wie die verschiedenen Akteure Verpackungsmüll vermeiden können.

© nedomacki - stock.adobe.com

Der Artikel erschien in der DUHwelt 01/2021.

Mit der Produktion von drei Millionen Tonnen Kunststoff ist Coca-Cola der weltweit größte Plastiksünder. Auf den weiteren Plätzen folgen PepsiCo, Nestlé und Danone. Statt Verantwortung für diese gigantischen Abfallmengen zu übernehmen, bieten die Unternehmen Scheinlösungen an: zum Beispiel Einweg-Plastikflaschen aus 100 Prozent Rezyklat. Mit solchen Showprodukten, die häufig nur in geringem Umfang für ein paar Flaggschiff-Marken produziert werden, suggerieren die Konzerne geschlossene Materialkreisläufe. Damit führen sie die Verbraucher*innen in die Irre, denn sie erzählen nicht, dass Verluste beim Recycling entstehen und dem Kreislauf immer neuer Kunststoff hinzugefügt werden muss. Mehrwegflaschen hingegen schonen Umwelt und Klima. Sie werden bis zu 50 Mal wiederverwendet, bevor sie schließlich ins Recycling gehen. Genau aus diesem Grund ist im Verpackungsgesetz eine Mehrwegquote von 70 Prozent für Getränkeverpackungen verankert. „Statt sich von Greenwashing-Produkten blenden zu lassen, muss Umweltministerin Svenja Schulze diese Quote endlich konsequent umsetzen. Eine Verbrauchssteuer auf Einwegverpackungen könnte hierbei helfen“, sagt Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH.

Takeaway-Anbieter und Lieferdienste können umsteigen

Die DUH hat bereits vor vielen Jahren begonnen, die Vermüllung durch Einweg-Kaffeebecher zu thematisieren. Unsere Kampagne „Becherheld*in“ richtet sich vor allem an Verbraucher*innen sowie an Verkaufsstellen in Berlin. Der Erfolg strahlt aus: Hierzulande fragen immer mehr Coffee-to-go-Trinker*innen einen Mehrwegbecher nach oder bringen ihn selbst mit. Betrachtet man die Kund*innen, die ausschließlich zum Mehrwegbecher greifen, so lag ihr Anteil 2018 bei knappen 19 Prozent. Im Jahr 2020 hatte sich der Anteil auf fast 29 Prozent gesteigert.

Auch Essensboxen, Menüschalen und Pizzakartons für den Außer-Haus-Konsum verursachen riesige Müllmengen in unseren Städten. Mehrwegsysteme sind hier ebenso eine praktische Lösung für abfallarmen Genuss. Ob Becher oder Schalen, sie werden von Gastronomiebetrieben gegen ein Pfand ausgegeben und in allen teilnehmenden Verkaufsstellen zurückgenommen.

Immer mehr Anbieter solcher umweltfreundlichen Verpackungen sind am Markt. Besonders interessant sind sie für die sogenannte Systemgastronomie – das sind Restaurant- und Caféketten. Mit dem Projekt „Mehrweg statt Einweg“ setzt sich die DUH im Dialog mit der Systemgastronomie und der Politik für die Förderung und Verbreitung dieser Mehrwegsysteme ein.

Wie wäre es mit Verpackungsfasten?

In der diesjährigen Fastenzeit haben wir wieder zum Verpackungsfasten aufgerufen. Als langjähriger Wegbegleiter der DUH hat auch Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke diese Aktion mit einem Appell unterstützt. An unserem Online-Zähler auf www.duh.de können Sie die eingesparten Einweg-to-go-Verpackungen ablesen. Bis Redaktionsschluss waren es etwa 8.500 Stück. Aber das ganze Jahr über tut es uns allen gut, den „Verpackungsgürtel“ etwas enger zu schnallen.

„Während der Corona-Pandemie haben der Verbrauch von Speisen und Getränken zum Mitnehmen oder das Bestellen über Lieferdienste noch einmal zugelegt. Das ist verständlich. Mehrwegbecher und -boxen können aber trotz Pandemie bedenkenlos verwendet werden“, betont Metz. Der Lebensmittelverband Deutschland hat hierfür mit seinen Hygieneleitfäden Standards geschaffen. Der Spitzenverband, der unter anderem den DEHOGA und den Bundesverband der Systemgastronomie unter seinem Dach vereint, hat sich in der Pandemie mehrfach für die Nutzung von wiederverwendbaren Verpackungen ausgesprochen. Metz sagt: „Lassen Sie sich nicht verunsichern, sondern bringen Sie Ihre eigene Box oder Ihren Mehrwegbecher zum Befüllen mit und weisen Sie Ihr Lieblingscafé oder -restaurant auf die Vorteile von Mehrwegsystemen hin.“

Plastikfreie Städte

Jedes Jahr zahlen Städte und Gemeinden insgesamt 720 Millionen Euro für die Entsorgung von Einwegverpackungsmüll im öffentlichen Raum. „Sie besitzen jedoch Spielräume, die Müllflut zu begrenzen“, erklärt Metz. „Wir haben Bürger*innen dazu aufgerufen, uns Städte zu nennen, die plastikfrei werden sollen. Über 2.000 Hinweise erreichten uns. Wir haben daraufhin in mehr als 120 Kommunen entsprechende Anträge gestellt.“ Hierbei fordert die Umwelthilfe dazu auf, konkrete Schritte zu prüfen: eine kommunale Verbrauchssteuer auf to-go- Einweg-Verpackungen, wie sie Tübingen im Jahr 2022 einführen wird, einen Verzicht von Einweg-Verpackungen in der öffentlichen Beschaffung oder die finanzielle Förderung von Mehrweg-to-go-Systemen. Metz möchte viele Nachahmer finden: „Derzeit stehen wir im intensiven Austausch mit 31 Städten. Und es werden sicher noch mehr werden.“

Förderer: Stiftung Naturschutz Berlin, Trenntstadt Berlin, VNF - Venture and Nature Fund

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