Heizen mit Holz

Heizen mit Holz: Ein Problem für Gesundheit und Klima

Clean Heat

Das Heizen mit Holz ist in Deutschland und ganz Europa eine der Hauptquellen von Feinstaub und Ruß (siehe Grafik). 80 bis 90 Prozent der Partikel aus Holzöfen und Holzheizkesseln haben eine Größe von unter einem Mikrometer – ein großer Teil der Partikel ist sogar kleiner als 0,1 Mikrometer (PM0,1). Diese ultrafeinen Partikel sind gesundheitlich besonders relevant, weil sie sehr tief in den Körper eindringen. Zudem sind kleine Feuerungsanlagen für den überwiegenden Teil der EU-weiten Emissionen von krebserregendem Benzo(a)pyren verantwortlich.

© DUH, basierend auf Daten von IIASA (Gains-Modell 2014)


Hinsichtlich der Rußemissionen sind vor allem Scheitholzöfen eine bedeutende Quelle. Ruß gilt als kurzlebiger Klimaschadstoff. Aktuelle Untersuchungen und Abschätzungen kommen zum Schluss, dass Scheitholzöfen dadurch eine ähnlich schlechte oder gar schlechtere Klimabilanz als Gasheizungen aufweisen können.

Das Heizen mit Holz kann grundsätzlich einen Beitrag zur Wärmewende leisten und fossile Brennstoffe wie Öl und Gas ersetzen. Voraussetzung ist jedoch, dass der Brennstoff Holz aus einer nachhaltigen Quelle stammt, effizient genutzt und wirksame Emissionsminderungstechnik eingesetzt wird.

Um gesundheits- und klimaschädliche Partikel aus der Holzfeuerung zu senken, arbeitet die DUH im Rahmen der Informationskampagne „Clean Heat“ mit Umweltschutzorganisationen aus anderen EU-Mitgliedstaaten zusammen. Clean Heat wurde von Herbst 2015 bis Ende 2019 durch das LIFE-Programm der Europäischen Kommission gefördert. Dabei konnte die DUH unter anderem mit dem Blauen Engel für Kaminöfen einen sehr strengen neuen Standard initiieren und hat die politische Debatte über strengere Vorgaben für Holzfeuerungsanlagen angestoßen.

Auch nach Ende der Förderung durch die EU wird die Kampagne fortgesetzt. Die DUH wird weiterhin Informationen für Bürger*innen bereitstellen sowie mit Nachdruck technische und politische Lösungen voranbringen.

Wir möchten:
    • Politik und die breite Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam machen
    • Ambitionierte gesetzliche Vorgaben auf den Weg bringen
    • Emissionen durch Informationen zum richtigen Betrieb von Öfen senken
    • Alternativen zum Heizen mit Holz aufzeigen und fördern
    • Entwicklung von Anlagen mit geringeren Emissionen anstoßen
    • Aussagekräftige Label und Messverfahren voranbringen, die emissionsarme Anlagen kennzeichnen

    Kontakt

    Copyright: © Steffen Holzmann

    Patrick Huth
    Projektmanager Verkehr & Luftreinhaltung
    E-Mail: Mail schreiben

    Häufige Fragen zum Heizen mit Holz

    Das Heizen mit Holz verursacht in Deutschland mittlerweile deutlich mehr Feinstaub als die Motoren von Pkw, Lkw und Bussen zusammen. Nahezu 60.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr werden hierzulande mit Feinstaub in Verbindung gebracht. Gesundheitlich besonders relevant sind der darin enthaltene Ruß sowie ultrafeine Partikel. 80 bis 90 Prozent der Partikel aus Holzöfen und -kesseln haben eine Größe von unter einem Mikrometer: Sie können besonders tief in den Körper eindringen und Herz- und Kreislauferkrankungen, Lungenerkrankungen sowie Krebs auslösen oder verstärken. Hinzu kommen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzo(a)pyren (BaP), die ebenfalls krebserzeugend sind.

    Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es keine Erkenntnisse dazu, dass Partikel aus der häuslichen Verbrennung von Biomasse weniger schädlich sein könnten als jene aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Verbrennungsprozesse – ob nun Diesel oder Holz genutzt wird – verursachen in der Regel viele ultrafeine Partikel, die besonders gesundheitsrelevant sind. Der Unterschied: Bei Dieselfahrzeugen gehören Partikelfilter, die mehr als 99,9% der Partikel aus dem Abgas entfernen, mittlerweile zum Standard – bei Holzfeuerungsanlagen hingegen nicht.

    Heizen mit Holz gilt als klimaneutral bzw. klimafreundlich, weil – theoretisch – bei der vollständigen Verbrennung nur so viel Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird wie der Baum während seiner gesamten Lebenszeit absorbiert hat. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich jedoch, dass Heizen mit Holz keineswegs ohne Wirkung auf das Klima ist (siehe Frage 4). Das Heizen mit Holz kann einen Beitrag zur Wärmewende leisten und fossile Brennstoffe wie Öl und Gas ersetzen. Voraussetzung ist jedoch, dass der Brennstoff Holz aus einer nachhaltigen Quelle stammt, effizient genutzt und wirksame Emissionsminderungstechnik eingesetzt wird.

    Bei der Verbrennung von Holz entstehen so genannte kurzlebige Klimaschadstoffe  — am relevantesten ist hierbei Ruß. Rußpartikel absorbieren das Sonnenlicht und erwärmen so direkt die unmittelbare Umgebung. In der Arktis und in den Alpen sind sie beispielsweise dafür mitverantwortlich, dass das Eis schneller schmilzt. Außerdem wird Methan freigesetzt, das ebenfalls stark klimawirksam ist. Falls die Wiederaufforstung nicht mit dem wachsenden Bedarf an Brennholz Schritt hält, führt Holzfeuerung zudem zu einem Anstieg von CO2 in der Atmosphäre. Der Brennstoff sollte also aus einer nachhaltigen Quelle stammen. Darüber hinaus ist es ratsam, Holz aus der Region zu verwenden: So werden lange Transportwege und damit einhergehende CO2-Emissionen vermieden.

    Wir stehen hierbei vor zwei Herausforderungen: Auf der einen Seite müssen die CO2-Emissionen aus dem Wärmesektor drastisch reduziert werden, auf der anderen Seite muss aber auch die Luftqualität deutlich verbessert werden. Generell steht fest: Die Wärmewende kann nur gelingen, wenn der Wärmebedarf reduziert und erneuerbare Energien eingesetzt werden. Neben Solarthermie und Umweltwärme bzw. Geothermie zählt hierzu auch (feste) Biomasse – also Holz. Holz ist jedoch nur dann eine sinnvolle Alternative, wenn auch in diesem Bereich wirksame Emissionsminderungstechnik (sprich: Filter/Abscheider) zum Standard wird. Es muss sichergestellt werden, dass die Anzahl ultrafeiner Partikel deutlich gemindert und die Empfehlungen der WHO eingehalten werden.

    Es gibt derzeit in Deutschland etwa 11 Mio. Öfen und rund 700.000 Holzheizkessel (Pellets, Hackschnitzel, Scheitholz) – letztere beheizen nicht nur einzelne Räume, sondern ein oder mehrere Gebäude. Im Vergleich zu Holzheizkesseln und Pelletöfen tragen Scheitholzöfen wie z.B. die beliebten Kaminöfen überproportional zur Partikel-Belastung bei. Bei ihnen klafft eine große Lücke zwischen den Herstellerangaben und den tatsächlichen Emissionen. Ursache für den hohen Schadstoffausstoß in der Praxis ist insbesondere die Ofentechnik selbst. Oftmals kommen schlechte Brennholzqualität und unsachgemäße Bedienung hinzu. Die derzeit marktüblichen Kaminöfen sind somit aus Gesundheits- und Umweltsicht nicht empfehlenswert. Wir fordern daher, dass der Blaue Engel für Kaminöfen, der faktisch eine Partikelabscheiderpflicht beinhaltet, Mindeststandard wird!

    Im Gegensatz zu Stickstoffdioxid gibt es an den offiziellen Messstellen gegenwärtig nahezu keine Überschreitungen der gesetzlichen Vorgaben aufgrund von Feinstaub. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Luft sauber ist: Die europäischen Grenzwerte für Feinstaub in der Außenluft sind sehr lax – insbesondere im Vergleich zu den Empfehlungen der WHO. So ist beispielsweise der in der EU erlaubte Jahresmittelwert für PM2,5 mit 25 µg/m3 mehr als doppelt so hoch wie die Empfehlung der WHO (10 µg/m3). Die EU-Vorgabe erlaubt 35 Überschreitungen des PM10-Tagesgrenzwertes pro Jahr; die WHO hält maximal 3 Überschreitungen pro Jahr für tolerabel. Das erschwert es für die DUH momentan erheblich, weitergehende Maßnahmen (auf rechtlichem Wege) durchzusetzen. Wir fordern schon seit langem, dass sich die EU-Vorgaben für Feinstaub an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation orientieren sollten. Außerdem fehlen Grenzwerte für die gesundheitlich besonders relevanten ultrafeinen Partikel.

    • Informieren Sie sich und Ihr Umfeld – wir bieten eine große Anzahl von Infomaterialien an.
    • Wenden Sie sich an den Stadt-/Gemeinderat bzw. an die Parteien vor Ort. Auf unserer Internetseite finden Sie Maßnahmen auf lokaler Ebene und unser Rechtsgutachten zu möglichen Beschränkungen der Holzfeuerung, die Sie politischen Entscheidungsträgern vor Ort schicken können. 
    • Wenden Sie sich mit dem Thema an die lokale Presse. Wir stehen gerne für ein Interview oder Statement zur Verfügung.
    • Suchen Sie Verbündete und gründen Sie eine Bürgerinitiative (beispielhaft: www.feinstaub-deutschland.de)
    • Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Holzfeuerung in der Nachbarschaft haben wir hier zusammengetragen. 

    Feinstaub lässt sich leider nicht mit einfachen Mitteln präzise messen. Die günstigen Feinstaub-Messgeräte von privaten Messinitiativen können zwar Hinweise zur Luftbelastung geben. Sie sind jedoch nach unserem Kenntnisstand bei weitem nicht so genau wie professionelle Messgeräte bzw. die offiziellen Messstationen. Die Messungen dieser Initiativen sind daher nicht gerichtsfest und leider auch nicht zur Begründung von Maßnahmen in einem Luftreinhalteplan geeignet. Sowohl die offiziellen Messstationen als auch die günstigen Feinstaub-Messgeräte erfassen keine ultrafeinen Partikel. Hierzu müsste aus Sicht der DUH ein offizielles Messnetz aufgebaut werden, dass insbesondere auch die Belastung in Wohngebieten ermittelt.

    Bundesländer und Städte haben die Möglichkeit, strengere Vorgaben zur Holzfeuerung auch für Gebiete zu erlassen, in denen die laxen EU-Vorgaben zur Feinstaubbelastung eingehalten werden. So kann beispielsweise festgelegt werden, dass bestimmte Brennstoffe nicht genutzt werden dürfen oder nur Anlagen mit einer technischen Mindestausstattung wie einem Filter erlaubt sind. Eine Übersicht sinnvoller Maßnahmen und ein Rechtsgutachten zu Handlungsmöglichkeiten auf lokaler Ebene sind hier verfügbar. 

    Selbst bei richtiger Bedienung stoßen Öfen vergleichsweise viel Feinstaub, Ruß und Kohlenwasserstoffe aus; bei falscher Handhabung können die Emissionen nochmals drastisch ansteigen. Die DUH hat alle wesentlichen Tipps für Betreiber*innen von Kaminöfen zusammengetragen

    Die DUH informiert Bürger*innen und Entscheidungsträger*innen im Rahmen Informationskampagne Clean Heat über die Umweltwirkungen des Heizens mit Holz. Die Kampagne wurde bis Ende 2019 von der EU gefördert – die Aktivitäten werden jedoch fortgesetzt:

    • Informationen für Verbraucher (Flyer, Ausstellung, Kurzfilm).
    • Pressearbeit (u.a. mit Beiträgen bei ZDF WISO, Report Mainz, DIE ZEIT, Welt am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung).
    • Fachgespräche (u.a. zur Erarbeitung eines neuen Umweltzeichens für Öfen).
    • Fachvorträge auf nationaler und europäischer Ebene.
    • Bereitstellung von Hintergrundinformationen für Entscheidungsträger und Beteiligung an öffentlichen Konsultationen zu Luftreinhalteplänen und Luftreinhalteprogrammen (in Deutschland und in anderen Mitgliedsstaaten).
    • Feinstaubmessungen in Wohngebieten, in Innenräumen und im Abgas von Anlagen.

    Die derzeit marktüblichen Kaminöfen, die mit Scheitholz betrieben werden, sind aus Gesundheits- und Umweltsicht nicht empfehlenswert. Wirksame Emissionsminderungstechnik muss Standard werden! Dies wird durch den Blauen Engel für Kaminöfen gewährleistet: Die Staubgrenzwerte sind deutlich strenger als der Gesetzgeber vorsieht und erfordern den Einsatz eines Partikelabscheiders oder Filters. Im Vergleich zum Typzulassungstest müssen die Öfen zudem ein realitätsnäheres Messverfahren durchlaufen. Erstmalig wird dabei auch die Partikelanzahl gemessen. Damit werden ultrafeine Partikel erfasst, die besonders gesundheitsgefährdend sind, da sie tief in den Körper eindringen. Um Fehler beim Betrieb des Ofens zu vermeiden, werden technische Lösungen wie etwa eine automatische Verbrennungsluftregelung verlangt. Das Land Berlin hat bereits angekündigt, die Anforderung des Blauen Engels für Kaminöfen künftig zum Mindeststandard für Öfen machen zu wollen.

    Mit Blick auf andere Ofentypen gilt: Pelletöfen sowie Scheitholzöfen mit Holzvergasertechnik sind in der Regel emissionsärmer als typische Kaminöfen. Dennoch ist auch hier eine zusätzliche Abgasreinigung geboten.

    • Wärmepumpen (Geothermie bzw. Umweltwärme): Durch mit erneuerbarem Strom betriebene Wärmepumpen lassen sich erhebliche Mengen CO2 im Vergleich zu Öl- und Gasheizungen einsparen.
    • Solarenergie (Photovoltaik/Solarthermie): Nutzung der Sonnenenergie auf dem eigenen Dach.
    • Versorgung über Nah- und Fernwärmenetze auf Basis erneuerbarer Energien oder industrieller Abwärme.

    Die drei wichtigsten Maßnahmen zur Minderung von Schadstoffen aus der Holzfeuerung sind aus unserer Sicht:

    • Umsetzung der WHO-Empfehlungen zur Luftqualität und Einführung von Vorgaben zur maximal zulässigen Anzahl ultrafeiner Partikel in der Außenluft in der EU.
    • Anpassung der Emissionsstandards für Holzöfen und -kessel an den Stand der Technik (wirksame Emissionsminderungstechnik als Standard). Einführung eines realitätsnäheren Messverfahrens bei der Typprüfung, bei dem auch die Partikelanzahl berücksichtigt wird.
    • Strengere Vorgaben für Altanlagen: Drastische Reduktion der Ausnahmetatbestände bei gesetzlicher Pflicht zur Stilllegung/Nachrüstung (auf Basis der 1. BImSchV).
    • Weitere zentrale Forderungen können hier nachgelesen werden.

    Clean Heat wurde von Herbst 2015 bis Ende 2019 durch das LIFE-Programm der Europäischen Kommission gefördert.

     

     

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