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Heizen mit Holz: Ein Problem für Gesundheit und Klima

Clean Heat

Das Heizen mit Holz ist in Deutschland und ganz Europa eine der Hauptquellen von Feinstaub und Ruß. 80 bis 90 Prozent der Partikel aus Holzöfen und Holzheizkesseln haben eine Größe von unter einem Mikrometer – ein großer Teil der Partikel ist sogar kleiner als 0,1 Mikrometer (PM0,1). Diese ultrafeinen Partikel sind gesundheitlich besonders relevant, weil sie sehr tief in den Körper eindringen. Zudem sind kleine Feuerungsanlagen für den überwiegenden Teil der EU-weiten Emissionen von krebserregendem Benzo(a)pyren verantwortlich.

Ruß ist nicht nur ein Luft- sondern auch ein Klimaschadstoff: Sein Treibhauspotenzial liegt nach Schätzung des Weltklimarates (IPCC) beim bis zu 3.200-fachen von CO2. Aktuelle Untersuchungen und Schätzungen kommen zu dem Schluss, dass Scheitholzöfen eine ähnlich schlechte oder gar schlechtere Klimabilanz als Gasheizungen aufweisen können.

Für saubere Wärme und Klimaschutz im Gebäudesektor ist eine deutlich gesteigerte Sanierungsrate und der Umstieg auf klima- und umweltfreundlichere Alternativen – also insbesondere Wärmepumpen und Solarthermie – absolut zentral. Wenn solche Heizungsalternativen im Einzelfall nicht in Frage kommen, ist die Holzfeuerung nur dann eine akzeptable Lösung, wenn es sich um Brennstoff aus nachhaltiger Bewirtschaftung oder Restholz handelt und ein Filter oder Staubabscheider eingesetzt wird. Grundsätzlich sollte Holz jedoch in erster Linie in langlebigen Gütern zum Beispiel zum Bau von Gebäuden oder Möbeln genutzt und nicht verbrannt werden.

Um gesundheits- und klimaschädliche Partikel aus der Holzfeuerung zu senken, arbeitet die DUH im Rahmen der Informationskampagne „Clean Heat“ mit Umweltschutzorganisationen aus anderen EU-Mitgliedstaaten zusammen. Clean Heat wurde von Herbst 2015 bis Ende 2019 durch das LIFE-Programm der Europäischen Kommission gefördert. Dabei konnte die DUH unter anderem einen neuen und strengeren Standard für Kaminöfen, den „Blauen Engel für Kaminöfen“ initiieren, der einen Staubabscheider oder Filter „ab Werk“ vorsieht. Des Weiteren wurde die politische Debatte zu strengeren Vorgaben für Holzfeuerungsanlagen angestoßen.

Auch nach Ende der Förderung durch die EU wird die Kampagne fortgesetzt. Die DUH wird weiterhin Informationen für Bürgerinnen und Bürger bereitstellen sowie mit Nachdruck technische und politische Lösungen voranbringen.

Wir möchten:
    • Politik und die breite Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam machen
    • Strenge gesetzliche Vorgaben zu Schadstoffgrenzwerten sowie realitätsnähere Messverfahren auf den Weg bringen
    • Alternativen zum Heizen mit Holz aufzeigen und fördern
    • Anlagen mit wirksamer Abgasreinigung zum Standard machen und ambitionierte Umweltzeichen vorantreiben
    • Informationen für Personen bereitstellen, die bereits einen Ofen besitzen

    Kontakt

    Copyright: © Steffen Holzmann

    Patrick Huth
    Projektmanager Verkehr & Luftreinhaltung
    E-Mail: Mail schreiben

    Häufige Fragen zum Heizen mit Holz

    Mit der Kampagne „Kein Ofen ohne Filter“ wollen wir Städte und Gemeinden dazu bewegen, endlich Filter oder Staubabscheider für Holzöfen vorzuschreiben. Bei Anlagen mit dem Umweltzeichen „Blauen Engel für Kaminöfen“ ist dies bereits der Fall. Zum Schutz von Gesundheit und Klima sind Filter beziehungsweise Staubabscheider dringend notwendig (siehe Frage 2 und 3).

    Hierfür haben wir ein Online-Tool entwickelt, mit dem jede und jeder einen Bürgerantrag an die eigene Stadt oder Gemeinde stellen kann, damit das Thema vor Ort auf die politische Agenda kommt. Hier müssen einfach die entsprechende Stadt oder Gemeinde ausgewählt und weitere Angaben ergänzt werden. Danach erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer per E-Mail ihren personalisierten Bürgerantrag. Dieser kann dann entweder per E-Mail oder mit Postadresse als Brief an die Bürgermeisterin oder den Bürgermeister gesendet werden.

    Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Behörden sind in Deutschland stets gehalten, sich mit Anträgen von Bürgerinnen, Bürgern und Organisationen zu befassen. Sie sind nicht dazu verpflichtet dem Ansinnen zu folgen, müssen aber gute Gründe darlegen, wenn sie es nicht tun. In dem Bürgerantrag werden gewichtige Argumente für eine Beschränkung des Betriebs von Holzöfen auf Anlagen mit Filter oder Staubabscheider genannt. Daher sind wir gespannt, welche Gegenargumente es geben sollte, diese höchst sinnvolle Maßnahme infrage zu stellen.

    Die DUH wird die Kampagne kontinuierlich mit Pressearbeit begleiten und parallel auswerten, wo besonders viele Bürgeranträge gestellt und eine hohe Belastung berichtet wird. Darauf aufbauend ist geplant, öffentlichkeitswirksam eigene Feinstaub- beziehungsweise Rußmessungen in ausgewählten Städten und Gemeinden vorzunehmen und den Dialog mit diesen Kommunen zu intensivieren, um eine Filterpflicht für Holzöfen voranzutreiben.

    Das Heizen mit Holz verursacht in Deutschland laut Umweltbundesamt (UBA) mittlerweile deutlich mehr Feinstaub als die Motoren von Pkw, Lkw und Bussen zusammen. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EEA) werden hierzulande mehr als 53.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr mit Feinstaub in Verbindung gebracht. Gesundheitlich besonders relevant sind der darin enthaltene Ruß sowie ultrafeine Partikel.

    80 bis 90 Prozent der Partikel aus Holzöfen und -kesseln haben eine Größe von unter einem Mikrometer. Sie können besonders tief in den Körper eindringen und Herz- und Kreislauferkrankungen, Lungenerkrankungen sowie Krebs auslösen oder verstärken. Das UBA geht davon aus, dass Ruß aus der Holzverbrennung dieselben Gesundheitsrisiken mit sich bringt wie Dieselruß.

    Hinzu kommen Kohlenwasserstoffe wie Benzo(a)pyren (BaP). Diese sind ebenfalls krebserzeugend und stammen in der Europäischen Union nach Angaben der EEA mehrheitlich aus kleinen Feuerungsanlagen wie Kaminöfen.

    Heizen mit Holz wird oft fälschlicherweise als klimaneutral oder klimafreundlich dargestellt. Hintergrund ist die Annahme, dass bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird wie der Baum während seiner gesamten Lebenszeit aufgenommen hat. Dabei werden aber folgende Punkte nicht berücksichtigt:

    • Jedes verbrannte Stück Holz setzt unmittelbar das gespeicherte CO2 frei, welches durch den Baum im Wald oder bei einer Nutzung als Baumaterial noch sehr lange gebunden gewesen wäre. Es dauert Jahrzehnte, um durch Aufforstung das in wenigen Minuten freigesetzte CO2 wieder zu binden.
    • Bei der Verbrennung von Holz entstehen neben CO2 weitere Klimaschadstoffe – insbesondere Ruß und Methan. Das Treibhauspotenzial (GWP20) von Ruß liegt nach Schätzung des Weltklimarates (IPCC) beim bis zu 3.200-fachen von CO2. Die feinen Rußpartikel können tausende Kilometer weit getragen werden. Sie absorbieren das Sonnenlicht und erwärmen so direkt die unmittelbare Umgebung. In der Arktis und in den Alpen sind sie beispielsweise dafür mitverantwortlich, dass das Eis schneller schmilzt.
    • Hinzu kommt der CO2-Ausstoß, der durch den möglichen Transport oder Weiterverarbeitung des Holzbrennstoffes entsteht.

    Nach Angaben des Schornsteinfegerhandwerks gibt es in Deutschland derzeit etwa 11 Millionen Öfen und rund 1 Millionen Heizkessel für feste Brennstoffe – also in erster Linie Scheitholz, Holzpellets und Holzhackschnitzel. Im Gegensatz zu Heizkesseln, die als Zentralheizung für ein ganzes Haus oder mehrere Häuser dienen, werden mit Öfen nur einzelne Räume beheizt. Zu Holzöfen zählen unter anderem Kamin- und Kachelöfen.

    Schaut man genauer hin, welche Anlagen für den größten Teil des Feinstaubes aus der Holzfeuerung verantwortlich sind, ergibt sich laut einer Studie des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) folgendes Bild: Nahezu 80 Prozent des Feinstaubes aus dem Verbrennen von Holz ist auf Holzöfen zurückzuführen. Nicht nur deren schiere Anzahl ist problematisch: Neue Öfen dürfen nach Berechnung der Air Quality Expert Group noch immer deutlich mehr Feinstaub und Ruß ausstoßen als ein 20 Jahre altes Dieselauto, das die Abgasnorm Euro 3 erfüllt. Das gilt wohlgemerkt auf dem Prüfstand – in der Praxis liegt der Schadstoffausstoß von Öfen in der Regel um ein Vielfaches über den Herstellerangaben. Natürlich spielen in der Praxis die Betriebsweise und die Qualität des Brennstoffes eine Rolle. Der Hauptgrund für den hohen Schadstoffausstoß ist jedoch, dass ein wirksamer Filter oder Staubabscheider aufgrund der laschen gesetzlichen Emissionsgrenzwerte bislang nicht erforderlich ist. Das muss sich ändern!

    Um die Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen, müssen wir weg von Öl und Gas. Bereits jetzt werden laut UBA mehr als 60 Prozent der erneuerbaren Wärme durch das Verbrennen von fester Biomasse – also in erster Linie Holz – bereitgestellt. Die Menge von nachhaltig beziehbarem Holz ist jedoch begrenzt und Wald übernimmt eine wichtige Rolle als CO2-Senke (siehe Frage 3). Wenn Holz genutzt wird, dann sollte dies möglichst in langlebigen Gütern (u.a. Häuser, Möbel) geschehen anstatt es zu verbrennen.

    Für den Klimaschutz im Gebäudesektor ist eine deutlich gesteigerte Sanierungsrate und der Umstieg auf klima- und umweltfreundlichere Alternativen – also insbesondere Wärmepumpen und Solarthermie – absolut zentral. Wenn solche Heizungsalternativen im Einzelfall nicht in Frage kommen, ist die Holzfeuerung nur dann eine akzeptable Lösung, wenn es sich um Brennstoff aus nachhaltiger Bewirtschaftung oder Restholz handelt und ein Filter oder Staubabscheider eingesetzt wird (siehe Frage 6).

    Wirksame Technik zur Minderung von Schadstoffen muss sowohl bei Holzöfen als auch bei Holzheizkesseln zur Pflicht werden. Es ist dringend notwendig, den Ausstoß von Feinstaub- und Rußpartikeln dieser Anlagen um mindestens 90 Prozent zu senken. Hierfür ist der Einsatz von Filtern beziehungsweise Staubabscheidern zentral. Diese sind auf dem Markt verfügbar, erprobt und werden entweder im Schornstein oder auf dem Schornstein installiert. Aufgrund der laschen Feinstaubgrenzwerte und des realitätsfernen Testverfahrens bei der Typprüfung werden Staubabscheider aber insbesondere bei Holzöfen bislang nicht „ab Werk“ eingesetzt.

    Eine Ausnahme bilden Öfen mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel für Kaminöfen“: Im Vergleich zur gesetzlich vorgeschriebenen Typprüfung müssen diese Öfen ein realitätsnäheres Testverfahren durchlaufen. Erstmalig wird dabei auch die Partikelanzahl gemessen. Damit werden ultrafeine Partikel erfasst, die besonders gesundheitsgefährdend sind, da sie tief in den Körper eindringen. Die Staubgrenzwerte sind deutlich strenger als der Gesetzgeber vorsieht und erfordern den Einsatz eines Staubabscheiders oder Filters. Dadurch wird die Anzahl der besonders kleinen Partikel um mehr als 90 Prozent reduziert. Um Fehler beim Betrieb des Ofens zu vermeiden, ist zum Beispiel eine automatische Verbrennungsluftregelung vorgeschrieben. Erste Ofenmodelle mit dem Umweltzeichen sind bereits verfügbar. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich das Angebot künftig weiter verbessert und auch die Preise dieser Anlagen bei steigenden Stückzahlen sinken.

    Aus Sicht der DUH müssen die Anforderungen des Blauen Engels für alle neuen Holzöfen und zeitnah auch für bestehende Anlagen zur Pflicht werden. Für bestehende Anlagen ist derzeit ein Umweltzeichen für nachrüstbare Staubabscheider in Arbeit.

    Derzeit gibt es für uns als klageberechtigen Umweltverband keine Möglichkeit, auf rechtlichem Weg gegen die Holzfeuerung und die damit verbundene Feinstaubbelastung vorzugehen. Grund sind die laxen EU-Grenzwerte für Feinstaub in der Außenluft, welche nahezu an allen offiziellen Messstellen eingehalten werden.

    Die EU-Grenzwerte entsprechen allerdings nicht dem Stand der Wissenschaft und sind viel zu lasch, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Angesichts der deutlich strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation müssen sie dringend überarbeitet werden: So erlauben die EU-Vorgaben derzeit im Jahresschnitt eine fünfmal so hohe Feinstaubbelastung (PM2,5) wie die WHO als Grenzwert empfiehlt. Auch bei der Anzahl der Überschreitungen der Tagesgrenzwerte (PM10) liegt der EU-Grenzwert mit 35 Tagen bei mehr als dem Zehnfachen der WHO-Empfehlung (max. 3-4 Überschreitungstage pro Jahr). Neben deutlich strengeren Grenzwerten für Feinstaub (PM10/PM2,5) sind zudem ein Messnetz und Vorgaben für die gesundheitlich besonders relevanten ultrafeinen Partikel notwendig (PM0,1), die in der Gesetzgebung bislang überhaupt nicht berücksichtigt werden.

    Über die aktuellen EU-rechtlichen Mindestanforderungen hinaus, können und müssen Städte und Gemeinden aus DUH-Sicht bereits jetzt tätig werden und das Heizen mit Holz auf Anlagen mit Filter oder Staubabscheider beschränken (siehe Frage 10).

    Die DUH informiert Bürgerinnen und Bürger sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im Rahmen der Informationskampagne Clean Heat über die Umweltwirkungen des Heizens mit Holz und setzt sich für erheblich strengere Vorschriften ein. Die Kampagne wurde bis Ende 2019 von der EU gefördert – die Aktivitäten werden weiter fortgesetzt:

    • Informationen für Bürgerinnen und Bürger (Flyer, Ausstellung, Kurzfilm)
    • Pressearbeit (u.a. mit Beiträgen bei ZDF WISO, Report Mainz, DIE ZEIT, Welt am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
    • Fachgespräche (u.a. zur Erarbeitung eines neuen Umweltzeichens für Öfen)
    • Fachvorträge auf nationaler und europäischer Ebene (z.B. bei EU Green Week 2021)
    • Bereitstellung von Hintergrundinformationen für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger und Stellungnahmen zu öffentlichen Konsultationen zu Luftreinhalteplänen und Luftreinhalteprogrammen (in Deutschland und in anderen Mitgliedsstaaten)
    • Feinstaub- bzw. Rußmessungen in Wohngebieten, in Innenräumen und im Abgas von Anlagen

    Die vier wichtigsten Maßnahmen zur Minderung von Schadstoffen aus der Holzfeuerung sind aus unserer Sicht:

    • Erheblich strengere Luftqualitätsstandards: Umsetzung der WHO-Empfehlungen zur Luftqualität und Einführung von Vorgaben zur maximal zulässigen Anzahl ultrafeiner Partikel in der Außenluft.
    • Deutlich verschärfte Emissionsgrenzwerte für neue Holzöfen und Holzheizkessel, die einen Filter oder Staubabscheider zur Pflicht machen. Zugleich ist ein realitätsnäheres Messverfahren bei der Typprüfung erforderlich, bei dem auch die Partikelanzahl berücksichtigt wird sowie regelmäßige Kontrollmessungen im Praxisbetrieb.
    • Strengere Vorgaben für bestehende Anlagen: Bestehende Holzöfen und Holzheizkessel müssen zeitnah mit einem Filter oder Staubabscheider nachgerüstet oder stillgelegt werden.
    • Lokale Beschränkungen: Städte und Gemeinden müssen bereits jetzt die Anforderungen des Blauen Engels für Kaminöfen zum Standard machen, damit nur noch Holzöfen mit Filter zum Einsatz kommen. Bund und Länder sind angehalten, Kommunen diesbezüglich mit weitergehenden rechtlichen Handlungsoptionen auszustatten.
    • Weitere zentrale Forderungen können hier nachgelesen werden.

    Die DUH hat in einem Rechtsgutachten prüfen lassen, welche Möglichkeiten Bundesländer und Städte haben, strengere Anforderungen wie jene des „Blauen Engels für Kaminöfen“ verpflichtend einzuführen. Die nachfolgenden gesetzgeberischen Spielräume gelten ausdrücklich auch für Gebiete, in denen die laxen EU-Grenzwerte für Feinstaub in der Außenluft eingehalten werden:

    • Im Zuge von Bebauungsplänen können Kommunen anlagenspezifische Anforderungen auf Grundlage von § 9 Abs. 1 Nr. 24 (BauGB) für Neuanlagen festschreiben.
    • Auf Grundlage eines Landesimmissionsschutzgesetzes können lokale Brennstoffverordnungen erlassen werden, die strenge Vorgaben für Bestands- und Neuanlagen beinhalten. Ein Landesemissionsschutzgesetz existiert bereits in den Ländern Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.
    • Bei der Veräußerung von kommunalen Grundstücken können Städte und Gemeinden privatrechtliche Vorgaben für den Betrieb von Holzfeuerungsanlagen machen.

    Auch die noch 2021 amtierende Bundesumweltministerin Svenja Schulze erwähnt im Zusammenhang mit dem „Blauen Engel für Kaminöfen“ die Möglichkeit lokaler Vorgaben (UBA-Pressemitteilung vom 13.12.2019): „Gerade in Regionen, wo das Heizen mit Holz besonders beliebt ist, können die Behörden somit effektiver gegen die Feinstaubbelastung vorgehen, indem beispielsweise nur noch der Betrieb von Anlagen mit dem Umweltzeichen erlaubt wird.“ Das Land Berlin hat in seinem aktuellen Luftreinhalteplan bereits angekündigt, die Anforderungen des Blauen Engels für Kaminöfen zum Mindeststandard machen zu wollen – eine entsprechende Umsetzung steht noch aus.

    Städte und Gemeinden können also bereits jetzt tätig werden. Es müssen jedoch noch weitere Möglichkeiten geschaffen werden, um Holzfeuerung vor Ort beschränken zu können. Hierzu zählen die Weiterentwicklung der Bundes- und Landesimmissionsschutzgesetzgebung sowie landesrechtliche Verordnungen für „schutzbedürftige Gebiete“ auf Grundlage von § 49 Abs. 1 BImSchG, zu denen laut Gutachten auch Wohngebiete gehören.

    Zur juristischem Durchsetzung von zusätzlichen Maßnahmen für Saubere Luft, sind die Messwerte von offiziellen Messstellen ausschlaggebend (siehe Frage 7). Diese offiziellen Messstellen sind jedoch üblicherweise verkehrsnah platziert und nicht in Wohngebieten vorzufinden, wo die Belastung durch Kaminöfen und andere Holzfeuerungsanlagen besonders hoch ist. Deshalb ist es wichtig, Politikerinnen und Politiker, Behörden und die Presse auf die Luftverschmutzung durch das Heizen mit Holz aufmerksam zu machen.

    Einige Personen und Initiativen nutzen bereits einfache Messgeräte mit günstigen Feinstaubsensoren, um die Luftbelastung in ihrer Nachbarschaft zu ermitteln. Diese Geräte sind jedoch nicht sonderlich präzise und können allenfalls grobe Hinweise auf die Feinstaubbelastung geben. Professionelle und zuverlässige Messgeräte für Feinstaub und Ruß kosten in der Regel mehrere Tausend Euro. Ein präzises und erschwingliches Messgerät zur Erfassung von Rußpartikeln ist derzeit in Arbeit. Sobald dieses für Messungen zur Verfügung steht, werden wir hier weitere Informationen bereitstellen.

    Auch beim Grillen entsteht – insbesondere wenn Holzkohle verwendet wird – eine Vielzahl von hochproblematischen Schadstoffen wie Feinstaub, Rußpartikel und Kohlenwasserstoffe. Gerade bei dichter Bebauung sorgt der Rauch und die mit dem Grillen verbundenen Gerüche für Nachbarschaftskonflikte. Daher sollte das Grillen mit Holzkohle auf ein Minimum beschränkt und auf Alternativen wie Gas- und Elektrogrills zurückgegriffen werden.

    Feuerschalen oder andere offene Feuer, die rein dem Ambiente dienen, sind aus Sicht der DUH noch kritischer zu werten – hier sollten Kommunen durch lokale Satzungen den Betrieb auf ein absolutes Minimum reduzieren beziehungsweise verbieten. Die bestehenden Regelungen – auch für die Verbrennung von Gartenabfällen – sind lokal sehr unterschiedlich. Diese können beim zuständigen Umweltamt erfragt werden.

    Wenn Sie sich durch Feuerschalen, (gewerbliche) Holzkohlegrills oder andere Formen der Holzfeuerung belastet fühlen, schauen Sie gern bei unseren Hinweisen zur Holzfeuerung in der Nachbarschaft vorbei. Die Vorgehensweise und Zuständigkeiten sind bei allen Formen der Holzfeuerung vergleichbar, bei gewerblichen Anlagen wird lediglich zusätzlich die Gewerbeaufsicht einbezogen.

    • Machen Sie bei unserer Kampagne „Kein Ofen ohne Filter“ mit und erstellen Sie mit unserem Online-Tool einen Bürgerantrag.
    • Informieren Sie sich und Ihr Umfeld – wir bieten eine große Anzahl von Infomaterialien an.
    • Wenden Sie sich an den Stadt-/Gemeinderat bzw. an die Parteien vor Ort. Auf unserer Internetseite finden Sie Maßnahmen auf lokaler Ebene und unser Rechtsgutachten zu möglichen Beschränkungen der Holzfeuerung, die Sie politischen Entscheidungsträgern vor Ort schicken können.
    • Wenden Sie sich mit dem Thema an die lokale Presse. Wir stehen gerne für ein Interview oder Statement zur Verfügung.
    • Suchen Sie Verbündete und gründen Sie eine Bürgerinitiative (beispielhaft: www.feinstaub-deutschland.de)
    • Die wichtigsten Fragen und Antworten, falls Sie direkt durch Schadstoffe und Gerüche von Holzöfen oder anderen Holzheizungen in der Nachbarschaft betroffen sind, haben wir hier zusammengetragen.

    Sogar bei richtiger Bedienung stoßen selbst neue Öfen viel Feinstaub, Ruß und Kohlenwasserstoffe aus; bei falscher Handhabung steigen die Emissionen noch einmal drastisch an. Wenn Sie einen Ofen besitzen, dann können Sie folgende Dinge tun:

    • Nutzen Sie den Ofen möglichst selten – vor allem, wenn umweltfreundliche Alternativen zur Wärmeversorgung vorhanden sind.
    • Achten Sie auf hochwertige Brennstoffe, die richtige Bedienung des Ofens und die regelmäßige Wartung. Details hierzu finden Sie auf unserer gesonderten Webseite.
    • Steigen Sie auf einen Ofen mit Blauen Engel um (siehe Frage 6) oder rüsten Sie Ihren Ofen mit einem Filter bzw. Staubabscheider nach. Voraussichtlich ab 2022 werden hierfür Modelle zur Verfügung stehen, die ebenfalls mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ ausgezeichnet sind.

    Clean Heat wurde von Herbst 2015 bis Ende 2019 durch das LIFE-Programm der Europäischen Kommission gefördert.

     

     

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