Heizen mit Holz

Heizen mit Holz: Ein Problem für Gesundheit und Klima

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Copyright: © Steffen Holzmann

Patrick Huth
Projektmanager Verkehr & Luftreinhaltung
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Clean Heat

Um den wachsenden Anteil gesundheits- und umweltschädlicher Partikel aus den Holzöfen und -kesseln privater Haushalte zu senken, haben DUH und der Danish Ecological Council  die europäische Kampagne „Clean Heat“ gestartet. Dazu informieren wir Verbraucher und beteiligen uns daran, technische und politische Lösungen voranzubringen.

Holz kann als nachwachsender Brennstoff eine gute Alternative zu Wärme aus Erdöl, Gas und Kohle sein. Verbrennt man Holz, werden allerdings auch große Mengen von gesundheitsschädlichen Ruß- und Feinstaubpartikeln freigesetzt. Falsche Bedienung und veraltete Ofentechnik verschärfen das Problem. Vor allem kleine Anlagen wie Kaminöfen tragen überproportional zur Feinstaubbelastung bei. Heizen mit Holz ist daher nur mit Anlagen sinnvoll, die einen ähnlich niedrigen Feinstaubausstoß wie andere Heizquellen aufweisen.

Rund 90 Prozent der Partikel, die bei der Holzverbrennung entstehen, sind sogar kleiner als 1 Mikrometer. Diese dringen besonders tief in die Lunge und den Blutkreislauf ein. Feinstaub und die darin enthaltenen Rußpartikel machen krank. Ruß gilt zudem nach CO2 als der zweitgrößte Klimatreiber. In Europa verursachen Feuerungsanlagen in Haushalten weit mehr Ruß als der Straßenverkehr.

© DUH, basierend auf Daten von IIASA (Gains-Modell 2014)
Wir möchten:
    • Verbraucher und Politiker auf das Problem aufmerksam machen
    • Ambitionierte gesetzliche Vorgaben auf den Weg bringen
    • Emissionen durch Informationen zum richtigen Betrieb von Öfen senken
    • Alternativen zum Heizen mit Holz aufzeigen und fördern
    • Entwicklung von Anlagen mit geringeren Emissionen anstoßen
    • Aussagekräftige Label und Messverfahren voranbringen, die saubere Anlagen kennzeichnen

    Häufige Fragen zum Heizen mit Holz

    Das Heizen mit Holz verursacht in Deutschland mittlerweile deutlich mehr Feinstaub als die Motoren von Pkw, Lkw und Bussen zusammen. Über 60.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr werden hierzulande mit Feinstaub in Verbindung gebracht. Gesundheitlich besonders relevant sind der darin enthaltene Ruß sowie ultrafeine Partikel. 80 bis 90 Prozent der Partikel aus Holzöfen und -kesseln haben eine Größe von unter einem Mikrometer: Sie können besonders tief in den Körper eindringen und Herz- und Kreislauferkrankungen, Lungenerkrankungen sowie Krebs auslösen oder verstärken. Hinzu kommen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzo(a)pyren (BaP), die ebenfalls krebserzeugend sind.

    Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es keine Erkenntnisse dazu, dass Partikel aus der häuslichen Verbrennung von Biomasse weniger schädlich sein könnten als jene aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Verbrennungsprozesse – ob nun Diesel oder Holz genutzt wird – verursachen in der Regel viele ultrafeine Partikel, die besonders gesundheitsrelevant sind. Der Unterschied: Bei Dieselfahrzeugen gehören Partikelfilter, die mehr als 99,9% der Partikel aus dem Abgas entfernen, mittlerweile zum Standard – bei Holzfeuerungsanlagen hingegen nicht.

    Heizen mit Holz gilt als klimaneutral, weil bei der vollständigen Verbrennung nur so viel Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird wie der Baum während seiner gesamten Lebenszeit absorbiert hat. Dadurch kann das Heizen mit Holz einen Beitrag zur Wärmewende leisten und fossile Brennstoffe wie Öl und Gas ersetzen. Voraussetzung ist jedoch, dass der Brennstoff Holz effizient genutzt und wirksame Emissionsminderungstechnik eingesetzt wird.  

    Bei der Verbrennung von Holz entstehen so genannte kurzlebige Klimaschadstoffe  — am relevantesten ist hierbei Ruß. Rußpartikel absorbieren das Sonnenlicht und erwärmen so direkt die unmittelbare Umgebung. In der Arktis und in den Alpen sind sie beispielsweise dafür mitverantwortlich, dass das Eis schneller schmilzt. Außerdem wird Methan freigesetzt, das ebenfalls stark klimawirksam ist. Falls die Wiederaufforstung nicht mit dem wachsenden Bedarf an Brennholz Schritt hält, führt Holzfeuerung zudem zu einem Anstieg von CO2 in der Atmosphäre. Der Brennstoff sollte also aus einer nachhaltigen Quelle stammen. Darüber hinaus ist es ratsam, Holz aus der Region zu verwenden: So werden lange Transportwege und damit einhergehende CO2-Emissionen vermieden.

    Wir stehen hierbei vor zwei Herausforderungen: Auf der einen Seite müssen die CO2-Emissionen aus dem Wärmesektor drastisch reduziert werden, auf der anderen Seite muss aber auch die Luftqualität deutlich verbessert werden. Generell steht fest: Die Wärmewende kann nur gelingen, wenn der Wärmebedarf reduziert und erneuerbare Energien eingesetzt werden. Neben Solar- und Geothermie zählt hierzu auch (feste) Biomasse – also Holz. Holz ist jedoch nur dann eine sinnvolle Alternative, wenn auch in diesem Bereich wirksame Emissionsminderungstechnik (sprich: Filter/Abscheider) zum Standard wird. Es muss sichergestellt werden, dass die Anzahl ultrafeiner Partikel deutlich gemindert und die Empfehlungen der WHO eingehalten werden.

    Es gibt derzeit in Deutschland etwa 11 Mio. Öfen und rund 700.000 Holzheizkessel (Pellets, Hackschnitzel, Scheitholz) – letztere beheizen nicht nur einzelne Räume, sondern ein oder mehrere Gebäude. Im Vergleich zu Holzheizkesseln und Pelletöfen tragen Scheitholzöfen wie z.B. die beliebten Kaminöfen überproportional zur Partikel-Belastung bei. Bei ihnen klafft eine große Lücke zwischen den Herstellerangaben und den tatsächlichen Emissionen. Ursache für den hohen Schadstoffausstoß in der Praxis ist insbesondere die Ofentechnik selbst. Oftmals kommen schlechte Brennholzqualität und unsachgemäße Bedienung hinzu. Die derzeit marktüblichen Kaminöfen sind somit aus Gesundheits- und Umweltsicht nicht empfehlenswert. Die Deutsche Umwelthilfe hat deshalb eine Initiative zur Entwicklung eines Umweltzeichens für Kaminöfen gestartet, damit diese deutlich emissionsärmer werden. 

    Im Gegensatz zu Stickstoffdioxid gibt es an den offiziellen Messstellen gegenwärtig nahezu keine Überschreitungen der gesetzlichen Vorgaben aufgrund von Feinstaub. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Luft sauber ist: Die europäischen Grenzwerte für Feinstaub in der Außenluft sind sehr lax – insbesondere im Vergleich zu den Empfehlungen der WHO. So ist beispielsweise der in der EU erlaubte Jahresmittelwert für PM2,5 mit 25 µg/m3 mehr als doppelt so hoch wie die Empfehlung der WHO (10 µg/m3). Die EU-Vorgabe erlaubt 35 Überschreitungen des PM10-Tagesgrenzwertes pro Jahr; die WHO hält maximal 3 Überschreitungen pro Jahr für tolerabel. Das erschwert es für die DUH momentan erheblich, weitergehende Maßnahmen (auf rechtlichem Wege) durchzusetzen. Wir fordern schon seit langem, dass sich die EU-Vorgaben für Feinstaub an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation orientieren sollten. Außerdem fehlen Grenzwerte für die gesundheitlich besonders relevanten ultrafeinen Partikel.

    • Informieren Sie sich und Ihr Umfeld – wir bieten eine große Anzahl von Infomaterialien an.
    • Wenden Sie sich an den Stadt-/Gemeinderat bzw. an die Parteien vor Ort. Auf unserer Internetseite finden Sie Maßnahmen auf lokaler Ebene und unser Rechtsgutachten zu möglichen Beschränkungen der Holzfeuerung, die Sie politischen Entscheidungsträgern vor Ort schicken können. 
    • Wenden Sie sich mit dem Thema an die lokale Presse. Wir stehen gerne für ein Interview oder Statement zur Verfügung.
    • Suchen Sie Verbündete und gründen Sie eine Bürgerinitiative (beispielhaft: http://www.feinstaub-esslingen.de)
    • Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Holzfeuerung in der Nachbarschaft haben wir hier zusammengetragen. 

    Feinstaub lässt sich leider nicht mit einfachen Mitteln präzise messen. Die günstigen Feinstaub-Messgeräte von privaten Messinitiativen können zwar Hinweise zur Luftbelastung geben. Sie sind jedoch nach unserem Kenntnisstand bei weitem nicht so genau wie professionelle Messgeräte bzw. die offiziellen Messstationen. Die Messungen dieser Initiativen sind daher nicht gerichtsfest und leider auch nicht zur Begründung von Maßnahmen in einem Luftreinhalteplan geeignet. Sowohl die offiziellen Messstationen als auch die günstigen Feinstaub-Messgeräte erfassen keine ultrafeinen Partikel. Hierzu müsste aus Sicht der DUH ein offizielles Messnetz aufgebaut werden, dass insbesondere auch die Belastung in Wohngebieten ermittelt.

    Bundesländer und Städte haben die Möglichkeit, strengere Vorgaben zur Holzfeuerung auch für Gebiete zu erlassen, in denen die laxen EU-Vorgaben zur Feinstaubbelastung eingehalten werden. So kann beispielsweise festgelegt werden, dass bestimmte Brennstoffe nicht genutzt werden dürfen oder nur Anlagen mit einer technischen Mindestausstattung wie einem Filter erlaubt sind. Eine Übersicht sinnvoller Maßnahmen und ein Rechtsgutachten zu Handlungsmöglichkeiten auf lokaler Ebene sind hier verfügbar. 

    Selbst bei richtiger Bedienung stoßen Öfen vergleichsweise viel Feinstaub, Ruß und Kohlenwasserstoffe aus; bei falscher Handhabung können die Emissionen nochmals drastisch ansteigen. Die DUH hat alle wesentlichen Tipps für Betreiber*innen von Kaminöfen zusammengetragen

    Die DUH informiert Verbraucher und Entscheidungsträger im Rahmen des Projektes Clean Heat über die Umweltwirkungen des Heizens mit Holz. Das Vorhaben wird von der EU gefördert und umfasst folgende Aktivitäten:

    • Informationen für Verbraucher (Flyer, Ausstellung, Kurzfilm).
    • Pressearbeit (u.a. mit Beiträgen bei ZDF WISO, Report Mainz, DIE ZEIT, Welt am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung).
    • Fachgespräche (u.a. zur Erarbeitung eines neuen Umweltzeichens für Öfen).
    • Fachvorträge auf nationaler und europäischer Ebene.
    • Bereitstellung von Hintergrundinformationen für Entscheidungsträger und Beteiligung an öffentlichen Konsultationen zu Luftreinhalteplänen und Luftreinhalteprogrammen (in Deutschland und in anderen Mitgliedsstaaten).
    • Punktuelle Messungen (in Wohngebieten).

    Die derzeit marktüblichen Kaminöfen, die mit Scheitholz betrieben werden, sind aus Gesundheits- und Umweltsicht nicht empfehlenswert. Wirksame Emissionsminderungstechnik muss zum Standard werden – insbesondere bei Kaminöfen sollte (in belasteten Gebieten) der Betrieb nur erlaubt sein, wenn die Anlage mit einem Filter bzw. Abscheider ausgestattet ist und die Verbrennungsluftzufuhr automatisch geregelt wird. Damit Kaminöfen emissionsärmer und Partikelabscheider (Filter) zum Standard werden, hat die Deutsche Umwelthilfe eine Initiative zur Entwicklung eines neuen Blauen Engels für Kaminöfen gestartet. Die entsprechenden Anforderungen werden derzeit in einem Forschungsvorhaben erarbeitet und könnten künftig den Mindeststandard in belasteten Gebieten definieren Pelletöfen sowie Scheitholzöfen mit Holzvergasertechnik sind in der Regel emissionsärmer als typische Kaminöfen. Dennoch ist auch hier eine zusätzliche Abgasreinigung geboten.

    • Wärmepumpen (Geothermie): Durch mit erneuerbarem Strom betriebene Wärmepumpen lassen sich erhebliche Mengen CO2 im Vergleich zu Öl- und Gasheizungen einsparen.
    • Solarenergie (Photovoltaik/Solarthermie): Nutzung der Sonnenenergie auf dem eigenen Dach.
    • Versorgung über Nah- und Fernwärmenetze auf Basis erneuerbarer Energien oder industrieller Abwärme.

    Die drei wichtigsten Maßnahmen zur Minderung von Schadstoffen aus der Holzfeuerung sind aus unserer Sicht:

    • Umsetzung der WHO-Empfehlungen zur Luftqualität und Einführung von Vorgaben zur maximal zulässigen Anzahl ultrafeiner Partikel in der Außenluft in der EU.
    • Anpassung der Emissionsstandards für Holzöfen und -kessel an den Stand der Technik (wirksame Emissionsminderungstechnik als Standard). Einführung eines realitätsnäheren Messverfahrens bei der Typprüfung, bei dem auch die Partikelanzahl berücksichtigt wird.
    • Strengere Vorgaben für Altanlagen: Drastische Reduktion der Ausnahmetatbestände bei gesetzlicher Pflicht zur Stilllegung/Nachrüstung (auf Basis der 1. BImSchV).
    • Weitere zentrale Forderungen können hier nachgelesen werden.

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