Junge Buchen bringen biologische Vielfalt in den Godesberger Stadtwald

Das Amt für Stadtgrün der Stadt Bonn pflanzt junge Buchen unter alte Fichten. Durch diesen sogenannten Buchenvoranbau soll sich langfristig ein Mischbestand aus der derzeit fichtengeprägten Monokultur entwickeln.

Ergiebige Holzernten haben heute meist Vorrang vor naturnahen Wäldern (Bild: A. Hermsdorf/pixelio.de)

Verglichen mit anderen städtischen Wäldern hat der Bonner Stadtwald in Sachen Naturnähe bereits ordentlich vorgelegt. Hierfür sorgt das Amt für Stadtgrün, das sich engagiert für eine naturnahe Waldwirtschaft mit vielschichtigen Strukturen auf ihren Waldflächen einsetzt. So werden heute schon die 600 Hektar des Bonner Stadtwaldes ökologisch und nachhaltig genutzt. Ein anspruchsvolles Naturlandzertifikat mit regelmäßigen Kontrollen spiegelt diese Bemühungen wider. Auch der Anteil der Laubhölzer liegt mit etwa 75 Prozent ungewöhnlich hoch, ist doch das gewohnte Bild heutiger Wälder von Fichten und Kiefern geprägt. Nadelhölzer eignen sich zwar besser für die maschinelle Holzernte und liefern wichtiges Bauholz, die biologische Vielfalt hat hierbei jedoch oftmals das Nachsehen.

 

Buchen pflanzen für mehr biologische Vielfalt

Auf ihrer bisherigen Starthilfe für die biologische Vielfalt ruht sich die Stadtförsterei Bonn jedoch nicht aus. Stattdessen pflanzt sie derzeit auf einer 2,75 Hektar großen Fläche - mit tatkräftiger Unterstützung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Telekom - rund 4.000 junge Rotbuchen. Die auf der Fläche bestehende Monokultur soll mit dieser Maßnahme aufgebrochen und mit Laubhölzern durchmischt werden. Das Amt für Stadtgrün fördert mit dieser Maßnahme den natürlichen Waldcharakter und schafft Lebensräume für eine reichhaltige Flora und Fauna.

Um dies zu erreichen, müssen vorerst Fichten aus der Fläche entnommen werden – dies ist bereits im Sommer 2011 mit Unterstützung von Mitarbeitern der Telekom erfolgt. Einige alte Bäume wurden dabei stehen gelassen, unter deren Kronen sich die jungen schattenliebenden Buchen entwickeln können. Man nennt dies einen Buchenvoranbau, denn die Buchen wachsen unter dem Kronendach langsam heran und nutzen entstehende Lücken geschickt für ein schnelles Höhenwachstum aus. Durch den Schatten am Boden können die Fichten schlechter keimen und somit bekommen die Buchen zudem einen Wuchsvorsprung.

 

Fleißige Helfer pflanzen die jungen Buchen, die im Schatten der Kronendächer älterer Bäume optimale Aufwuchsbedingungen finden (Bilder: S. Korintenberg)

Die Buche als vorherrschende Baumart gehört der Vergangenheit an

Junge Buchen (Foto: Löwenzahn /pixelio.de)

Die Buche ist die natürlicherweise in Mitteleuropa vorkommende Baumart, das heißt ohne forstwirtschaftliche Eingriffe durch den Menschen wäre sie die häufigste Baumart in unseren Wäldern. Doch die Nutzung unserer Wälder in den vergangenen Jahrhunderten hat deutliche Spuren hinterlassen: So liegt der Laubholzanteil heute nur noch bei etwa 42 Prozent, während der Nadelholzanteil aus wirtschaftlichen Gründen auf 58 Prozent geklettert ist. Und dabei befindet sich der Laubholzanteil derzeit sogar wieder im Aufwärtstrend – in den letzten 50 Jahren konnte dieser bereits wieder um 15 Prozent erhöht werden. Die am weitesten verbreiteten Baumarten der deutschen Wälder sind heute Fichte (28,2 Prozent des Gesamtbestandes), Kiefer (23,3 Prozent), Buche (14,8 Prozent) und Eiche (9,6 Prozent) (Ergebnisse der 2. Bundeswaldinventur 2001/2002).

 

Information der Bevölkerung wird im Bonner Stadtwald groß geschrieben

Neben dem rein praktischen Waldumbau will das Bonner Buchenvoranbauprojekt auch die Bevölkerung erreichen: Eine Informationstafel am Waldweg bringt den hier vorüberwandernden Waldfreunden Hintergrund und Ziele der Maßnahme nahe, und im Waldinformationszentrum "Haus der Natur" finden Spaziergänger Flyer, die das Projekt näher erläutern.

Bereits seit Mai 2008 können Waldspaziergänger auf dem „Bonner Weg der Artenvielfalt“ an neun Erlebnisstationen und 15 Informationstafeln Wissenswertes rund um das Thema Artenvielfalt erhalten.

Umweltbildung und Information gehören im Bonner Stadtforst zum Konzept (Bild: M. Claushallmann)© Michael Claushallmann

 

Wir danken für die Förderung:

Kontakt

Copyright: Steffen Holzmann

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
E-Mail: stoecker@duh.de

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