Energiegewinnung aus der Kraft des fließenden Wassers

Seit Jahrhunderten nutzen Menschen die Kraft der Flüsse und Bäche zur Energiegewinnung. Unerschöpflich, sich immer wieder erneuernd, scheint die Stromerzeugung durch Wasserkraft jene Form von neuer Energie zu sein, die sich alle Umweltschützer wünschen – eine echte Alternative zur Nutzung fossiler Energieträger und damit ein wichtiger Beitrag zur Unabhängigkeit von Kohle und Atom. Und doch hat sich an der Nutzung der Wasserkraft zur Stromgewinnung ein erbitterter Streit zwischen Naturschützern und Wasserkraftlobbyisten entzündet, der bis weit in die Umweltverbände hinein reicht.

Wasserkraftwerk Alfredstal (Foto: E. Reitter)

Wasserkraftanlagen greifen massiv in Flusssysteme ein

Aus Sicht des Naturschutzes stellen insbesondere die über 6.000 kleinen Wasserkraftwerke (< 1 MW Leistung) ein gravierendes Problem dar. Wasserkraftanlagen sind Querbauwerke, die die natürlichen Prozesse in einem Fließgewässer empfindlich stören. Das Abflussverhalten wird verändert, die Wanderungen der Fische und der Transport von Geschiebe behindert. Während Fische und andere Wasserorganismen auf ihrem Weg flussaufwärts die großen Höhenunterschiede, die das Aufstauen des Wassers mit sich bringt, nicht überwinden können, werden sie auf dem umgekehrten Weg bei der Passage durch die Turbinen der Kraftwerke häufig verletzt oder getötet.

Die Unterbrechung der ökologischen Durchgängigkeit hat auch für die Reproduktion bestimmter Arten fatale Folgen: Wandernde Fischarten wie beispielsweise Lachs und Stör gelangen nicht mehr in ihre Laichgewässer im Oberlauf der Flüsse, so dass der Nachwuchs ausbleibt. Dies bedroht die Existenz dieser Arten massiv. Der durch die Querbauwerke ausbleibende oder erschwerte Geschiebetransport sorgt zudem für einen Engpass im Nachschub von lockerem Kies. Kies benötigen aber Arten wie Äsche, Barbe, Nase oder Bachforelle für die Eiablage und Jungenaufzucht.

Strom ohne CO2-Ausstoß, aber mit negativen ökologischen Folgen

Von den Verbänden der Wasserkraftwerke wird in der Auseinandersetzung die Erzeugung von Strom ohne CO2-Ausstoß hervorgehoben, während negative Auswirkungen auf die ökologische Situation der Flüsse und Bäche vehement in Abrede gestellt werden. Die Fronten sind verhärtet.

Betreiber kleiner Wasserkraftwerke bekommen durch das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Möglichkeit, eine um 2 Cent erhöhte Einspeisevergütung zu erhalten, wenn durch bestimmte Maßnahmen eine Verbesserung der ökologischen Situation erreicht wird. Die Umsetzung entsprechender Maßnahmen ist selbstverständlich nur dann effektiv, wenn alle Kraftwerke in einem Fluss- oder Bachabschnitt mitziehen, denn nur dann kann die ökologische Durchgängigkeit, zumindest abschnittsweise, wieder hergestellt werden. Die Bereitschaft der Wasserkraftbetreiber, ihre Anlagen fischfreundlichen zu gestalten, ist jedoch ein schwieriges Feld.

Bei großen Wasserkraftwerken gibt es inzwischen, insbesondere den Fischaufstieg betreffend, positive Ansätze, die auf eine Optimierung der ökologischen Situation unserer Flüsse abzielen. Jedoch ist die Konzipierung wirklich gelungener Lösungen bisher noch nicht geglückt. Derzeit bewegt man sich hier auf einem Niveau vertretbarer Kompromisslösungen. Vor allem auf dem Gebiet des gefahrlosen Fischabstieges sind große Erfolge noch ausgesprochen rar.

Hier die Staumauer des Edersees. (Foto: Rosel Eckstein)

Kontakt

Copyright: Steffen Holzmann

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
E-Mail: stoecker@duh.de

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