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„Mehr Erneuerbare Energien bei Strom, Wärme und Verkehr“

Mittwoch, 26.04.2017

Der jährlich stattfindende Tag der Erneuerbaren Energien ist eine deutschlandweite Initiative, die zum Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl auf eine nachhaltige Energiewirtschaft aufmerksam macht. Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht die Zukunft der Energieversorgung bei den Erneuerbaren Energien. Dazu Peter Ahmels, Leiter für Energie und Klimaschutz bei der DUH im Interview.

© DUH / Heidi Scherm

Herr Ahmels, warum sind die Erneuerbaren Energien Voraussetzung für den Klimaschutz?

Weil nur Erneuerbare Energien das klimaschädliche Kohlendioxid vermeiden, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht. Wir dürfen unserem Zeitalter keine Kohlendioxid-Importe mehr in Form von Kohle oder Öl aus vergangenen Erdzeitaltern hinzufügen. Damit verändern wir das Klima. Nur Energie, die wir aus Sonne, Wasser, Wind und Geothermie und Biomasse gewinnen, ist erlaubt. Bei der Nutzung ist Deutschland seit dem Unglück 1986 deutlich weitergekommen. Waren es damals praktisch nur Wasserkraftwerke, die zwei Prozent erneuerbaren Strom geliefert haben, kommt heute ungefähr ein Drittel des Stroms aus Erneuerbaren Energien. Aber zwei Drittel sind eben auch noch fossil oder atomar.

Und: Wir müssen auch die Energie für die Wärme und den Verkehr erneuerbar machen. Dafür brauchen wir zusätzliche Erneuerbare Energien. Das wird nur gelingen, wenn wir unseren Gesamt-Energieverbrauch ungefähr halbieren.  Erst dann werden wir ihn vollständig mit Energie aus erneuerbaren Quellen abdecken zu können.  Und das alles bis 2050. Das ist sehr, sehr anspruchsvoll. Frankreich und Großbritannien  versprechen deshalb Förderprogramme  für die Gebäudesanierung. In Deutschland gibt es sie bereits, aber von den 2,4 Mrd. Euro für 2016 sind nur 1,6 Mrd. Euro abgerufen worden. Hier muss die Bundesregierung die Gebäudesanierung attraktiver machen. Deutschland als führende Industrienation hat hier eine besondere Verantwortung und kann sich nicht einfach wegducken. Wir können sonst von niemandem auf der Welt erwarten, dass er fossile Energie im Boden lässt.

Die meisten Deutschen sind  für die Energiewende. Geht es jedoch um konkrete Vorhaben, werden die Auswirkungen der Energiewende in unmittelbarer Nachbarschaft nicht einfach hingenommen. Wie bekommen wir dennoch eine Energiewende hin, die von der Mehrheit der Menschen getragen wird?

Viele Menschen, z.B. in der Stadt, sind nicht direkt von Erneuerbaren betroffen. Das erklärt die hohe Zustimmung. Aber die Erneuerbaren brauchen mehr Platz als alle anderen Energien. Auf dem Land sind deshalb mehr Menschen betroffen. Nur wenn diese Menschen frühzeitig an den Planungen beteiligt werden und auch selbst einen Nutzen davon haben, tragen sie die Veränderung ihres Wohnumfeldes mit. Das können eine finanzielle Beteiligung oder günstigere Stromtarife oder eine bessere Infrastruktur (Breitbandanschluss) sein. Da gibt es viele Möglichkeiten.

Neben dem Stichwort Energiewende spricht die DUH auch von der Wärmewende. Was bedeutet das?

Wärmewende bedeutet, fossile Energieträger auch bei der Wärmeerzeugung zu ersetzen. Das kann die direkte Nutzung Erneuerbarer Energien wie Holz sein, sofern die Anlagen nicht zusätzlich zur Luftbelastung beitragen. Oder die indirekte Nutzung von Umweltwärme z.B. über Wärmepumpen.  Auch Wärmenetze, die erneuerbar gespeist werden, gehören dazu. Wärmepumpen brauchen ihrerseits Strom, insofern muss auch hierfür erneuerbarer Strom bereitgestellt werden. Strom bekommt also eine neue Verwendung und muss durch „Sektorenkopplung“  vom Stromsektor zum Wärmesektor übergehen.

Neben dem Wärmesektor spielt auch der Verkehr eine große Rolle bei der Emission klimaschädlicher Treibhausgase. Analog zur Wärmewende hieße das auch eine Verkehrswende. Wie kann der Verkehr zum Klimaschutz beitragen?

Auch im Verkehr kann erneuerbarer Strom die fossilen Energien verdrängen. Schienenfahrzeuge fahren seit Jahrzehnten mit Strom und im Straßenverkehr sind Batteriefahrzeuge möglich. Voraussetzung ist aber auch hier, erst mal den Gesamtstrombedarf zu reduzieren. Das lässt sich durch Verkehrsvermeidung, - verlagerung, - verbesserung und Änderung des Verhaltens erreichen.

Vermieden werden kann Verkehr durch ein anderes urbanes Leitbild, z. B. durch die Stadt „der kurzen Wege“. Dies ermöglicht vermehrt die Nutzung von Rädern oder dem ÖPNV.

Verlagert werden müssen Gütertransporte so weit wie möglich auf die Schiene, weil hier vergleichsweise einfach eine Elektrifizierung möglich ist. Auch der Personentransport auf der Schiene ist sehr energieeffizient.

Verbessert werden kann der Straßenverkehr durch den Abbau klimaschädlicher Subventionen wie der geringeren Steuer auf Diesel und effizientere Fahrzeuge mit emissionsfreien Antrieben.

Durch Verhaltensänderung z.B. durch die Nutzung kombinierter Verkehrssysteme, können Fahrzeuge optimaler und energiesparender eingesetzt werden. Auch Verkehrsleitsysteme tragen dazu bei. 

Was konkret macht die DUH für die Sektorenkopplung?

Wir haben dazu ein Hintergrundpapier veröffentlicht.  Darin steht, welche Optionen sich schon heute ökologisch und ökonomisch darstellen lassen. Und wir geben konkrete Handlungsempfehlungen, was sich ändern muss, damit auch Wärme und Verkehr mit erneuerbarem Strom treibhausgasneutral werden.

Vielen Dank, Herr Ahmels.

Die Fragen stellte Laura Holzäpfel, Redaktion DUH

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