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Schutzloses Schutzgebiet

Dienstag, 20.08.2019

Die Pommersche Bucht ist ein europaweit herausragendes Rast-, Nahrungs- und Mauserhabitat für 1,25 Millionen Seevögel. Auch Schweinswale suchen hier nach Nahrung, allerdings sind sie in der Region bereits als stark gefährdet eingestuft. Die DUH verfolgt den effektiven Schutz der Bucht.

Der Artikel erschien in der DUHwelt 2/19.

In der extrem übernutzten Ostsee hat es der Naturschutz schwer. Zwar trägt eine Fläche von 2.000 Quadratkilometern die Bezeichnung „Meeresschutzgebiet Pommersche Bucht“, doch existieren bisher kaum Schutzmaßnahmen. Das grenzübergreifende Naturschutzgebiet liegt vor der polnischen und vorpommerschen Küste und gehört zur Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Polen und Deutschland.

Für tauchende Seevögel und Schweinswale ist die Fischerei mit Stellnetzen Haupttodesursache und gefährdet die Populationen. Mangels Daten ist auf deutscher Seite bis auf weiteres keine Regulierung vorgesehen, während Polen bereits Vorschläge sogar für fischereifreie Zonen entwickelt hat. Durch die Befreiung von der elektronischen Logbuch-Pflicht und von Schiffsüberwachungssystemen für Fischereiboote unter 12 Metern Länge sowie vielen Ausnahmen für Boote von 12 bis 15 Metern existieren auf Regierungsebene kaum Daten:Die Dimensionen der Fang- und Beifangmengen in der Stellnetzfischerei sind unbekannt. Die DUH will das in enger Kooperation mit polnischen Partner*innen ändern.

DUH startet neues Projekt

Die DUH will zu dem längst notwendigen Stopp der Beifänge im Schutzgebiet beitragen, so dass sich die Populationen von Meeresenten, aber auch der Schweinswale erholen können. Das DUH-Projektteam erfasst belastbare Daten, um auf dieser Grundlage die Schutzbedürftigkeit des Gebiets gegenüber Fischereiinteressen belegen zu können. Dazu werden Befliegungen durchgeführt, um das vermutlich sehr große Ausmaß der Stellnetzfischerei zu dokumentieren. Die ausgewerteten Daten werden dann in einem detaillierten Bericht erfasst. Damit will die DUH dann die zuständigen Behörden überzeugen, effektive Schutzmaßnahmen bis 2021 zu veranlassen. Zum Beispiel könnten sie die Stellnetzfischerei einschränken und stattdessen die Umstellung auf naturverträglichere Fangmethoden anordnen.

In ihrem Projekt strebt die DUH eine Kooperation mit wissenschaftlichen Forschungsinstituten an und plant dazu Veranstaltungen auf politischer Ebene. Weitere Akteur*innen des Meeresschutzes sollen in einem Bündnis zum Schutz der Pommerschen Bucht aktiviert werden. Die Ergebnisse werden medienwirksam präsentiert, um eine breite politische, öffentliche Diskussion anzuregen: Schon lange verdient das Meeresschutzgebiet Pommersche Bucht und seine Tierwelt solch eine Aufmerksamkeit. (ust)    

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