Den Fischen in den europäischen Meeren geht es schlecht, denn viele Fischpopulationen sind überfischt. Sind unsere Fische bedroht, ist auch die Gesundheit der Meere massiv bedroht. Wir brauchen gesunde Meere, um die Erderwärmung aufzuhalten. Die Politik tut zu wenig für eine nachhaltige Fischerei! Gerade vor dem Hintergrund der Klima- und Biodiversitätskrise muss der Überfischung endlich ein Ende gesetzt werden. Das Jahr 2020 ist entscheidend für unsere Meere und unsere Fische. Die Deutsche Umwelthilfe kämpft gemeinsam mit anderen Organisationen dafür, dass sich in der EU und in Deutschland etwas bewegt. 

Beenden wir die Überfischung, schützen wir unsere Meere und das Klima!

Die Meere bedecken 70 Prozent der Erdoberfläche und produzieren die Hälfte des Sauerstoffes, den wir atmen. Sie sind ein entscheidender Akteur im weltweiten Klimageschehen und somit enorm wichtig im Kampf gegen die Auswirkungen der Klimakrise. Weltweit haben unsere Meere in den letzten 50 Jahren 30 Prozent des Kohlenstoffdioxids aus der Luft aufgenommen und 90 Prozent der Wärme absorbiert, die aus dem menschengemachten Klimawandel resultierte. Um eine solche Leistung weiter erbringen zu können, müssten die Meere gesund und im Gleichgewicht sein. Der fortschreitende Klimawandel verändert auch unsere Meere. Sie werden wärmer, saurer, sauerstoff- und salzärmer. Zusätzliche Stressfaktoren wie Verschmutzung und Überfischung verschärfen die Lage enorm. Zerstörerische Fischereipraktiken haben den größten negativen Einfluss auf unsere Meeresökosysteme. Zusammen mit den Auswirkungen der Klimakrise hat das enorme Konsequenzen für unsere Meere.

Schon heute können wir in den Meeren vor unserer eigenen Haustür die Auswirkungen der Klimakrise besonders deutlich sehen. Durch die fortschreitende Erwärmung weiten sich sogenannte Todeszonen - Meeresbecken ohne Sauerstoff und damit ohne höheres Leben - in der Ostsee aus, Fische wandern in nördlichere Meeresgebiete und die Produktivität in den Meeren nimmt ab.  Ein Ende der Überfischung ist eine Möglichkeit, schnell etwas für den Klimaschutz zu tun. Denn ein nachhaltiges Fischereimanagement trägt dazu bei, dass sich Fischpopulationen erholen, Meeresökosysteme sich regenerieren und widerstandfähiger werden können. So haben sie eine Chance, sich an die verändernden Umweltbedingungen anzupassen. Denn nur intakte und gesunde Meeresökosysteme können dazu beitragen, dass die Ozeane weiterhin die Folgen des Klimawandels abmildern und uns Nahrung bereitstellen.

In Deutschland ist Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner verantwortlich für die Fischerei. Sie kann dazu beitragen, dass die Überfischung endlich ein Ende hat. Deshalb helfen Sie unseren Meeren und schreiben Sie eine Protestmail an Landwirtschafts- und Fischereiministerin Julia Klöckner!

Briefing: Überfischung beenden – eine Maßnahme für den Klimaschutz

Überfischung in Nord- und Ostsee

Die EU-Fischereiminister sind durch die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) gesetzlich dazu verpflichtet, die Überfischung in den europäischen Meeren bis spätestens 2020 zu beenden. Dennoch haben sie am 15. Oktober 2019 für fünf von zehn Fischbestände in der Ostsee die Fangquoten erneut höher angesetzt als von der Wissenschaft empfohlen wurde. Zu viele der für die  Nordsee und den Nordostatlantik vom Ministerrat im vergangenen Dezember festgelegten Fangquoten sind nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen Empfehlungen. Somit wird die Überfischung auch in der Nordsee für zu viele Bestände fortgesetzt. Die EU-Mitgliedstaaten verstoßen mit der Fortführung der Überfischung gegen die rechtlich verbindliche Frist der GFP. Die Deutsche Umwelthilfe und die Initiative Our Fish kritisieren die Entscheidung als verantwortungs- und rücksichtslos im Hinblick auf den kritischen Zustand, in dem sich unsere Meere und einige Fischpopulationen befinden.

Die wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) bilden den Auftakt im Prozess zur Festlegung der Fangquoten. Sie liefern die wissenschaftliche Grundlage für den Vorschlag der EU-Kommission und für die anschließenden Beratungen des EU-Ministerrates (Agrifish Council) über die zulässigen Gesamtfangmengen, die Total Allowable Catches (TAC), in der Nord- und Ostsee. Der Ministerrat legt die Fangmöglichkeiten für die Nord- und Ostsee auf seinen jährlichen Ministerratstreffen im Oktober bzw. Dezember fest. Diese Verhandlungen finden hinter verschlossenen Türen statt. Das macht es für die Öffentlichkeit beinahe unmöglich, nachzuvollziehen, welcher EU-Staat die Überfischung weiter vorantreibt. Die wissenschaftlichen Empfehlungen wurden bei der Festlegung der Fangquoten in der Vergangenheit oft überschritten. Für 2020 wurden die Fanggrenzen in der Ostsee wieder für fünf von zehn Fischbeständen oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen festgelegt. Und das vor dem Hintergrund, dass die gesetzlich verbindliche Pflicht besteht, die Überfischung bis Ende 2020 zu beenden.

© BalticSea2020

Als die reformierte GFP im Jahr 2014 in Kraft trat, waren die meisten kommerziell genutzten europäischen Fischbestände überfischt. Fanggrenzen wurden regelmäßig zu hoch angesetzt, sodass die Fischbestände sich nicht kontinuierlich wieder selbst regenerieren konnten. Viele Fische in den europäischen Gewässern, insbesondere aus gemischten Fischereien mit mehreren Arten, wurden ungewollt Teil des Fangs und anschließend tonnenweise tot oder sterbend über Bord geworfen. Auch viele Jungfische teilten dieses Schicksal, was dazu führte, dass sie nicht selbst für neuen Nachwuchs sorgen konnten.

Mit der Reform der GFP gab es Grund zur Hoffnung, dass die Fischerei nachhaltiger werden könnte. Eine Reihe neuer Regelungen traten in Kraft, die die Auswirkungen der Fischerei auf unsere Meeresumwelt minimieren sollten. Die GFP verpflichtet die Mitgliedstaaten, alle kommerziellen Fischbestände so zu bewirtschaften, dass der höchstmögliche Dauerertrag (maximum sustainable yield, MSY) für jeden einzelnen Bestand bis spätestens 2020 erreicht wird.

Außerdem wurde durch die sogenannte Anlandeverpflichtung das Rückwurfverbot eingeführt. Damit müssen alle Fische, für die eine Fangmengenbegrenzung oder eine Mindestgröße gilt, mit an Land gebracht werden. Das betrifft auch zu kleine Fische, die nicht auf unseren Tellern landen dürfen oder ungewollte, z. B. geschützte Arten. Diese werden mit an Land gebracht und werden auf die Fangquoten eines jeden Schiffes angerechnet. Sie dürfen nicht für den menschlichen Konsum verkauft werden, sondern werden zu Fischmehl oder -öl verarbeitet.

Der Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsausschuss für Fischerei der EU (STECF) kommt zu dem Schluss, dass die Anlandeverpflichtung in den Mitgliedsstaaten nur unzureichend umgesetzt wird. Offiziell ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für die Kontrollen dieser Verpflichtung zuständig. Jedoch werden nur rund 1 Prozent der Fangfahrten auf der Nord- und Ostsee tatsächlich von Kontrolleuren begutachtet. Viel zu wenig! Logbucheinträge der Beifangmengen weichen stark von den errechneten Beifangschätzungen der Wissenschaftler*innen ab. Offenbar reichen eine eigenverantwortliche Dokumentation der Fischerei und traditionelle Kontrollen auf See nicht aus. Wo es keine Kontrollen gibt, gibt es auch keine Konsequenzen.Doch um vertrauenswürdig Bestandschätzungen der Fischbestände in Nord- und Ostsee abgeben zu können, benötigen Wissenschaftler*innen ausreichend unabhängige Daten zu den einzelnen Fischarten und ausreichend Wissen über deren Biologie. Denn eine verlässliche Einschätzung tatsächlicher Bestandsgrößen ist extrem wichtig, um nachhaltige Fangquoten festlegen zu können, damit die Fischbestände nicht weiter über ein erträgliches Maß hinaus befischt werden. 

  • Nachhaltige Fangquotenfestlegungen basierend auf wissenschaftlichen Empfehlungen
  • Gerechteres Quotensystem mit Vorteilen für Fischer*innen, die nachhaltig fischen und die Gesetze nachweislich befolgen
  • Unterstützung der Entwicklung selektiver Fanggeräte, damit marine Lebensräume und das Leben darin geschont werden
  • Vollständige Dokumentation aller Fischfänge, damit man endlich weiß, wie viel Fisch tatsächlich aus den Meeren geholt wird, um ein nachhaltigeres Management der Fischbestände zu garantieren

Dies entspricht alles den Regelungen der GFP, auf die sich alle Mitgliedstaaten der EU geeinigt haben. Nun müssen sie ihre eigenen Regeln endlich umsetzen!

Starke Aktionen gegen Überfischung:

Bei unserer Arbeit wurden wir in den vergangenen Jahren von vielen engagierten Menschen unterstützt. Für unsere Stoppt-Rückwürfe-Kampagne sprangen u.a. Politiker*innen und Vertreter*innen aus dem Einzelhandel für unseren Fisch ins Wasser.

Unterstützung kam auch von prominenten Schauspielerinnen und Schauspielern mit einer bildstarken Aktion innerhalb der weltweiten Foto-Kampagne „Fishlove“: Benno Fürmann, Nina Hoss, Vicky Krieps, Christiane Paul, Katja Riemann und Tom Wlaschiha ließen sich nackt mit einem Fisch ablichten und protestieren so gemeinsam mit der DUH und Our Fish für eine nachhaltige Fischereipolitik.

© Fishlove / Olaf Becker
© Fishlove / Olaf Becker
© Fishlove / Olaf Becker
© Fishlove / Alan Gelati
© Fishlove / Alan Gelati
© Fishlove / Alan Gelati
E-Mail-Aktion gegen Rückwürfe

Stoppt Überfischung und Rückwürfe!

Für eine verantwortungsvolle Fischerei.

Jetzt Protestmail schreiben!

Helfen Sie jetzt!

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit für lebendige Meere mit Ihrer Spende oder Meerespatenschaft.

Jetzt helfen

Kontakt

Copyright: © Steffen Holzmann

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
E-Mail: Mail schreiben

Dr. Katja Hockun
Projektmanagerin Meeresnaturschutz
E-Mail: Mail schreiben

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