Stoppt das Greenwashing auf den Kapitalmärkten

118,000,000,000,000 US-Dollar

betrug das weltweite Finanzanlagenvolumen 2018. 118 Billionen! Davon werden nach offiziellen Angaben bisher etwa 17% in nachhaltige Projekte und Unternehmen investiert. Aber ist das wirklich so? Laut der Deutschen Bank werden im Jahr 2020 die Hälfte aller verkauften neuen Produkte den Verbraucher*innen als „nachhaltig“, „ökologisch“ oder „grün“ verkauft. Doch was schon heute unter dem Namen „Green Investments“ läuft, ist oft alles andere als grün und nachhaltig. Das Problem ist, dass die Begriffe weder geschützt, noch mit klaren Kriterien für Nachhaltigkeit hinterlegt sind. So können Banken, Pensionsfonds und Holdings legal ungehindert unter dem Label „nachhaltig“ naturzerstörerisches Wirtschaftswachstum mit Investitionen in Großunternehmen, wie etwa Mineralöl-, Atomkraft- und Braunkohlekonzerne unterstützen. Die Investitionen in umweltschädliche Praktiken wie z.B. der Entwaldung durch Landwirtschaft übersteigen das Budget von Umwelt- und Naturschutz um ein Vielfaches. Solange in die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen gewinnbringend investiert wird, sind viele Bemühungen für mehr Nachhaltigkeit zum Scheitern verurteilt.

Investitionen in Umweltzerstörung!

Allein in Deutschland haben über die Hälfte der 30 wichtigsten Wirtschaftsunternehmen (Dax-Index) keine positive Wirkung auf Umwelt, Klima und Gesundheit. Darunter sind der Kohlekonzern RWE, Automobilhersteller VW, Stahlproduzent Thyssen Krupp und der Energiekonzern Shell. Trotz hoher Schadstoff-Emissionen, Umweltzerstörung, hohem Energiebedarf, Dieselskandal oder verschleppter Mobilitätswende werden diese Unternehmen mit Milliarden Investitionen und Subventionen überhäuft und sichern das Fortbestehen der Geschäftspraktiken. Das liegt vor allem daran, dass Fondsverwalter*innen komplette Freiheit haben, wenn es darum geht was unter "Nachhaltigkeit" zu verstehen ist. Es fehlen sogenannte ESG-Kriterien (Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards) sowie bindende Bewertungsmethoden.

Obwohl die Unterstützung aus der Bevölkerung für mehr Engagement für den Klima- und Naturschutz stetig wächst, ist die Green investment-Politik mehr eine Verkaufsstrategie als eine klar mit Kriterien hinterlegte Regelung für die Finanzbranche. Schwammige Aktionspläne und unverbindliche Handlungsempfehlungen werden jedoch nicht dazu führen, Finanz- und Wirtschaftstätigkeiten langfristig auf dringend notwendige Klimaziele auszurichten.

Die EU als Vorreiter in Sachen nachhaltiger Investitionen

Nun will die EU mit einer Verordnung zur sogenannten Taxonomie endlich handeln: Sie will wissenschaftliche Kriterien zur Bewertung ökologischer Nachhaltigkeit erlassen, an die sich Banken gesetzlich halten müssen. Zudem soll garantiert werden, das für jede(n) Geldanleger*in das Recht besteht, über die eigene Geldanlage informiert zu werden. Das heißt, bei einem nachhaltigen Investment muss die Sicherheit für den Kunden gegeben sein, dass ein Geldinstitut nicht zum Schaden der Umwelt investieren darf und kann. Neben Informationen zum Geldfluss, ist auch die Analysepraxis und die Vergabeentscheidung transparent zu machen. Die Verordnung ist daher der Versuch, Greenwashing auf den Kapitalmärkten zu unterbinden und eine nachhaltige Wirtschaft zu fördern – eine einzigartige Chance, die heute so wichtig ist wie nie zuvor! Doch ein Großteil der Wirtschaftslobby versucht mit geballter Kraft den Gesetzesentwurf aufzuweichen und seine Einführung zu verzögern!

Für ein Ende des Greenwashings auf den Kapitalmärkten unterstützt die Deutsche Umwelthilfe die Einführung der EU-Regelung zur Taxonomie. Zusammen mit 37 europäischen Organisationen fordert die DUH Frau von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, auf, die Verordnung Anfang 2020 umzusetzen. Auch von der deutschen Politik erwarten wir ein klares Votum für Nachhaltigkeit und Transparenz! Unsere fünf Forderungen hierzu:

  1. Umfängliche Transparenz- und Offenlegungspflichten | Artikel 1 und Artikel 4 des Gesetzes müssen weiter formuliert werden, so dass alle Kapitalmarktteilnehmenden und Investitionen der Transparenz- und Offenlegungspflicht hinsichtlich des Ausmaßes der Konformität mit den Kriterien der ökologischen Nachhaltigkeit unterliegen. Der Verkauf von Finanzprodukten als „nachhaltig“ muss vollständig unterbunden werden, sofern diese nicht den Taxonomie-Kriterien der EU gerecht werden.
  2. Einführungsdatum | Aufgrund der Dringlichkeit der Klimakrise muss sichergestellt werden, dass die Regelungen noch vor Ende des Jahres 2020 in Kraft treten. Wir können uns eine Verzögerung nicht leisten, da Investitionen in „grüne“ Projekte und Unternehmen dringend benötigt werden.
  3. Soziale Mindeststandards | Investitionen müssen zudem soziale Mindeststandards erfüllen. Aus diesem Grund möchten wir auf die Änderung des Artikel 13 drängen, um sicherzustellen, dass die Kommission dazu verpflichtet ist, einen delegierten Rechtsakt zu verabschieden, welcher Regelungen für die Erfüllung sozialer Mindeststandards festschreibt.
  4. Wissenschaftliche Kriterien, keine politischen Interventionen | Wir fordern, dass die Kriterien für die ökologische Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Aktivitäten und deren Grenzwerte auf Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse beruhen und nicht durch politische oder wirtschaftliche Interessen beeinflusst werden. Daher fordern wir, dass die Festlegung der wirtschaftlichen Aktivitäten und Grenzwerte als delegierte Rechtsakte der EU anstatt durch Umsetzungsgesetze auf Ebene der Nationalstaaten vorgenommen wird.
  5. Vollständige Taxonomie | Um Transparenz hinsichtlich des Grades an Nachhaltigkeit zu garantieren, sollte die Taxonomie wirtschaftliche Schlüsselaktivitäten anhand einer Skala von der nachhaltigsten zu der am wenigsten nachhaltigen Maßnahme kategorisieren können, wie dies bereits bei dem EU-Energieeffizienzlabel der Fall ist.

Zusammen mit SumOfUs haben wir einen Brief an EU-Minister*innen und EU-Parlamentarier*innen verfasst, und fordern das Ende von Greenwashing auf den Kapitalmärkten. Doch für einen nachhaltigen Kapitalmarkt und das Ende eines falschen "grünen Versprechens" brauchen wir auch Ihre Unterschrift!

Unterschreiben Sie jetzt unseren Brief

Kontakt

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Sascha Müller-Kraenner
Bundesgeschäftsführer
Tel.: 030 2400867-14
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