Der Verlust der biologischen Vielfalt und damit unserer natürlichen Lebensgrundlagen schreitet weiter voran. Die Politik stößt allerdings immer mehr an ihre Grenzen. Was wir dringend brauchen, sind alternative Wege, um diesen Verlust noch aufzuhalten. Gehen wir es unternehmerisch an!
Der Erhalt der biologischen Vielfalt und Ökosystemleistungen wird von immer mehr Unternehmen als Zukunftsthema erkannt – viele handeln proaktiv und wappnen sich für kommende Herausforderungen: So zeigen eine Vielzahl von Unternehmen beispielsweise durch den Erwerb von Zertifikaten, das Engagement in Naturschutzprojekten und Kooperationen mit Naturschutzorganisationen, dass sie Verantwortung übernehmen und sich auf unterschiedlichen Wegen für den Erhalt der Biodiversität einsetzen wollen.
Im Projekt Contracts2.0 organisiert die DUH die Veranstaltungsreihe Werkstattgespräche Naturschutzengagement 2.0 - CSR Innovation Lab. Die Teilnehmenden erörtern in einem anwenderbezogenen Design-Prozess die Anforderungen an Naturschutzprojekte und Verträge über deren Finanzierung. Das Ziel ist eine Annäherung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen über wirksamen Naturschutz, den Anforderungen der praktischen Umsetzung durch Land- und Forstwirtschaft und den Erwartungen von Unternehmen und CSR-Expert*innen.
Die Ergebnisse fließen in die erste unabhängige, deutschlandweite Vermittlungs- und Vermarktungsplattform für zertifizierte Naturschutzprojekte – den Marktplatz AgoraNatura – ein und helfen allen, die in Deutschland Naturschutzprojekte entwickeln und umsetzen, und allen, die in für sie passende, wirksame Projekte investieren möchten.
Mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft in ganz Europa
Die Erkenntnisse aus dem CSR Innovation Lab werden zudem wissenschaftlich ausgewertet, um in einem europaweiten Vergleich Erfolgsfaktoren mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft aufzuzeigen. Vorschläge dafür gibt es reichlich. Doch wie müssen agrarpolitische Rahmenbedingungen aussehen, damit diese Vorschläge von den Landwirt*innen auch vermehrt umgesetzt werden können?
Laut dem Bundesministerium für Ernährung- und Landwirtschaft (BMEL) hängt die Erreichung der Umweltziele, die in der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik festgelegt wurden, von der Durchsetzung sogenannter Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM), dem ökologischen Landbau sowie Tierschutzmaßnahmen ab.
Ziel des Projektes Contracts2.0 ist es, Landwirt*innen mit innovativen Verträgen dazu zu motivieren, Naturschutzmaßnahmen in ihren Betrieb zu integrieren. Das Projekt will aber auch aufzeigen, wie die zukünftigen Rahmenbedingungen in der Agrarpolitik aussehen müssen, damit die entwickelten Modelle öfter umgesetzt werden können. Die neuen Vertragsmodelle sollen es den landwirtschaftlichen Betrieben erleichtern, Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen zu integrieren und gleichzeitig die Rentabilität zu sichern. Konkret untersuchen die europäischen Partner vier unterschiedliche Vertragsmodelle für Umweltmaßnahmen:
- ergebnisbasierte Umweltzahlungen an Landwirte
- kooperative Vertragsmodelle zwischen mehreren Landwirten
- Umweltmaßnahmen, die an bestimmte Landtitel oder Pachtrechte geknüpft sind
- Vertragsmodelle, welche Akteure über eine nachhaltige Wertschöpfungskette miteinander vernetzen
Hierfür werden in neun verschiedenen Ländern insgesamt 11 sogenannte Contract Innovation Labs (CILs) eingerichtet – drei davon auch in Deutschland.
Der Ansatz der DUH als CIL umfasst die Ausrichtung der Veranstaltungsreihe Werkstattgespräche Naturschutzengagement 2.0 - CSR Innovation Lab, da in AgoraNatura bereits die Vertragsmodalitäten ausgearbeitet sind.
Damit solche Modelle überhaupt umsetzbar sind, werden zusätzlich Policy Innovation Labs (PILs) eingerichtet, die die Umsetzbarkeit der erarbeiteten Vertragslösungen prüfen und Handlungsempfehlungen für die Politik erarbeiten.
Contracts2.0 ist ein Forschungs- und Innovationsvorhaben, gefördert im Rahmen von Horizon2020, mit insgesamt 27 Forschungs- und Praxispartnern aus 12 Ländern. Das Projekt läuft über vier Jahre (bis Mai 2023) und wird koordiniert durch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF).
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Kontakt
Ulrich Stöcker
Teamleiter Wildnis und Naturkapitalungen
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Anne Siegert
Referentin Naturschutz
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