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„Wenn wir die Zeichen der Zeit erkennen, können wir aus dem Sommer 2018 eine Chance für Natur- und Klimaschutz machen.“

Mittwoch, 01.08.2018

Sonne satt: Deutschland leidet aktuell unter einer Hitzewelle. Der Rekordsommer kann ein Startschuss für eine entschlossene Klimapolitik sein – ein Kommentar von Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

© John Smith / Fotolia

„Der Sommer 2018 ist der heißeste und trockenste seit Menschengedenken. Der Klimawandel ist nun nicht nur in unserer Nachbarschaft, in den Trockenzonen Nordafrikas oder des Nahen Ostens, angekommen, sondern auch in Deutschland. Auf Sommer wie diesen müssen wir uns auch in Zukunft einstellen. Die Frage ist, wie wir auf höhere Temperaturen, lange Trockenperioden, extreme Gewitter und Waldbrände reagieren. Wenn wir die Zeichen der Zeit erkennen, können wir aus dem Sommer 2018 eine Chance für Natur- und Klimaschutz machen.

Das Hitzejahr 2018 muss der Startschuss für eine entschlossene Klimapolitik sein. Auch wenn die Kohlekommission der Bundesregierung gerade Sommerpause macht, so hat sie ab Herbst die Chance, entschlossen den Abschied aus der Verbrennung fossiler Energieträger – zuerst der Braun- und Steinkohle – einzuleiten. Der Sommer 2018 zeigt, dass entschlossene Klimapolitik nicht warten kann und dass die Herausforderungen des Strukturwandels keine Ausrede für faule Kompromisse beim Kohleausstieg sein dürfen. Auch unsere Nachbarn in Frankreich müssen bei ihrer Stromversorgung umdenken. Die Temperatur großer französischer Flüsse, die des Rheins, der Loire oder der Rhone, liegt inzwischen so hoch und der Pegelstand so niedrig, dass ihr Wasser nicht mehr zum Kühlen der meist dort angesiedelten Atomkraftwerke genutzt werden kann. Zum Glück können die Franzosen über den europäischen Binnenmarkt ihren Strombedarf aus deutschen Wind- und Solaranlagen decken. Denn diese produzieren Überschüsse wie noch nie. Ein weiteres Zeichen an die deutsche Energiepolitik, noch entschlossener als bisher den Ausbau der Erneuerbaren und der Übertragungsnetze voranzutreiben.

Besonders die Landwirtschaft leidet unter Rekordtemperaturen und Trockenheit. Schon werden Rufe nach Milliardenhilfen aus Steuermitteln für die Ernteverluste der Bauern laut. Dabei hat die Intensivierung der Landwirtschaft, wie sie Politik und Branche in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben, das Ihrige beigetragen, dass die Lage sich heute so zuspitzt. Für den Ausbau von Mais und Raps als Futtermittel und Bioenergie wurde wasserspeicherndes Grünland umgebrochen. Traditionelle Fruchtfolgen wurden aufgegeben. Der Futtermittelbedarf der intensiven Tierhaltung kann bei anhaltender Trockenheit nur noch durch teure Zukäufe und Importe gedeckt werden. Die Antwort darauf wäre eine an regionaler Wertschöpfung orientierte und vielfältige Landwirtschaft, die weniger nahe am Weltmarkt und näher an der Natur wirtschaftet.

Das Bild, mit dem die Hitzewelle des Sommers sich besonders in die Köpfe eingeprägt hat, waren die apokalyptischen Waldbrände in Griechenland und anderen Teilen Südeuropas. Auch in Brandenburg standen große Flächen Forst in Brand – sogar die Autobahn München-Berlin musste zeitweise gesperrt werden. Die Wälder, die dort in Brand stehen, sind jedoch die forstwirtschaftlichen Sünden der Vergangenheit. Naturwaldexperten sagen ganz offen: Die besten Freunde der naturnahen Waldverjüngung sind Waldbrände und der Borkenkäfer. Sie erlauben den Aufbau eines gemischten naturnahen Bestandes, der dann auch weniger feueranfällig ist als die Brandenburger Kiefernplantagen, die nicht nur aussehen wie Zündhölzer, sondern auch so brennen.

Irgendwann wird es auch im Norden Deutschlands wieder regnen. Dann aber wahrscheinlich gewitterartig. Überschwemmungen, überforderte Kanalisationssysteme und die damit einhergehenden Schäden an Hab und Gut werden die Folge sein. Deswegen ist der Sommer des Klimawandels 2018 auch ein Fanal für einen anderen Städtebau. Wir brauchen weniger Versiegelung, mehr Stadtgrün und Versickerungsflächen. Gerade in Zeiten, in denen der Bau neuer Wohnungen und Infrastruktur absolute politische Priorität genießen, müssen wir lernen, unsere Städte mit der Natur und nicht gegen sie zu bauen.

Allen diesen Herausforderungen widmet sich auch die Deutsche Umwelthilfe mit ihren Projekten und Programmen. Die Hitzekrise des Sommers 2018 ist eine Chance, die wir nicht verstreichen lassen dürfen, um für eine bessere nachhaltige und klimagerechte Wirtschaftsweise in Stadt und Land zu werben.“

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