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Manche Ökosysteme werden auf lange Sicht verloren sein

Dienstag, 14.01.2020

Buschfeuer sind in der Hochsommersaison in Australien normal, doch seit Monaten wüten Brände, die als weiteres Warnsignal des schon im vollen Gange befindlichen Klimawandels gelten müssen. Eine Fläche so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen ist bereits abgebrannt, über eine Milliarde Tiere sind verendet, tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Ein Gespräch mit Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, über die Ursachen, Auswirkungen und Lösungen dieser menschengemachten Klimakatastrophe.

© Andras Deak
Koala joey hugs a tree branch

Wie sind die Brände entstanden?

Wir haben in Australien Brände von historischem Ausmaß. Wir beobachten eine historische Hitzewelle und Trockenheit, die eine besondere Anfälligkeit der Busch- und Waldökosysteme hervorruft. Natürlich auftretende Feuer werden dadurch in ihrer Wirkung verstärkt.

Die obligatorische Frage: Ist es das Wetter oder der Klimawandel?

Die Feuerkatastrophe in Australien hat natürlich auch mit dem Klimawandel zu tun. Dort, wie auch im Rest der Welt, haben wir einen klaren, seit Jahrzehnten andauernden Temperaturtrend nach oben. Gerade in Australien werden die Sommer immer heißer und trockener. Besonders in der Landwirtschaft ist dieser Trend spürbar: Flüsse tragen nicht mehr so viel Wasser, Wasserläufe versiegen. Das macht die ausgetrockneten Ökosysteme noch anfälliger für Waldbrände.

Was bedeuten die Feuer für die Tiere und die Artenvielfalt?

Es gibt ganz direkte Auswirkungen auf die Wälder und die Savannenlandschaften. Immense Flächen an Wald sind verloren gegangen und damit die dort lebenden Tiere und Pflanzen. Gerade für die charismatischen Säugetierarten Australiens, wie die unterschiedlichen Känguruarten oder den Koala, die nur in Australien und den angrenzenden Inseln leben, bedeutet das eine reale Bedrohung ihres Bestandes.

Wann wird sich die Natur von den Bränden erholt haben?

Erholen wird sich die Natur nur sehr langsam. Manche Ökosysteme werden auf lange Sicht verloren sein. Sie werden voraussichtlich ersetzt durch andere artenärmere Ökosysteme; weniger Wald- und mehr Trockengebiete, eine weniger vielfältige Landschaft. Nicht nur die biologische Vielfalt geht verloren, durch den Waldverlust schwindet auch die Kohlenstoffspeicherungskapazität, die bisher in den australischen Naturwäldern steckte, und unser Klima stabilisiert.

Was kann gegen solche Katastrophen getan werden?

Die australische Regierung setzt immer noch massiv auf die Kohleförderung. Das Land ist der größte Kohleexporteur der Welt. Man kann nur hoffen, dass die Brände ein Warnsignal für die australische Regierung sowie Bevölkerung sind, dass es kein nachhaltiger Weg ist, die Wirtschaft auf fossilem Wege und der Ausbeutung von Rohstoffen aufzubauen. Das gilt auch für andere Länder wie Deutschland, die Kohle aus Australien importieren. Der Ausstieg aus der Kohlewirtschaft muss weltweit konsequent umgesetzt werden.

Der Weltkonzern Siemens will trotz heftiger Kritik ein Geschäft im Rahmen eines umstrittenen Kohleminen-Projekts in Australien ausführen. Was erwartet die Deutsche Umwelthilfe von Siemens?

Siemens hat sich als globales Unternehmen zum Ziel gesetzt, treibhausgasneutral zu werden. Das bedeutet, dass Siemens die eigenen Investitionen, Geschäfte und Beteiligungen darauf prüfen muss. Die Realität sieht jedoch anders aus: Der Weltkonzern will Signaltechnik für eine Zugverbindung liefern, die Kohle von der geplanten Mine zum Hafen transportieren soll. Die Carmichael Kohlemine im Westen Australiens hat allerdings nicht nur negative Auswirkungen auf das Klima, sondern auch auf das Grundwasser. Durch den Schiffstransport der Kohle leidet auch das Große Barriereriff, das größte Korallenriff der Welt. Dieses geschäftliche Handeln ist mit den klimapolitischen Ankündigungen von Siemens nicht vereinbar. Wir fordern einen Weltkonzern wie Siemens dazu auf, sich gegen kurzfristigen Gewinninteressen und für langfristige Nachhaltigkeit zu entscheiden. Die Klimarisiken, die in allen Kohleinvestitionen stecken, sind schon lange bekannt. Jeder Vertrag beinhaltet die Möglichkeit gegen die entsprechenden Konventionalstrafen aus dem Vertrag auszusteigen – das sollte Siemens in diesem Fall tun. Ein Weltunternehmen wie Siemens, das bis 2030 klimaneutral sein will, muss im Sinne des Klimaschutzes auf diese Geschäfte verzichten und hier eine Vorbildfunktion einnehmen.

Bitte unterstützen Sie jetzt unsere politische Arbeit für mehr Klimaschutz in Deutschland und weltweit! 

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