Kaminöfen und Co. sind Feinstaub- und Rußquelle Nr. 1: Was kann man dagegen tun?

Interview mit Patrick Huth, Projektmanager „Clean Heat“, bei der DUH

Mittwoch, 19.10.2016
© Marggraf - DUH
Patrick Huth im Interview


19. Oktober 2016

Kaminöfen sorgen für eine behagliche Atmosphäre, für die Luftqualität sind sie jedoch alles andere als förderlich. Der unsachgemäße Betrieb der Öfen verschärft das Problem. Und der entstehende Rauch und Gestank führt häufig zu Nachbarschaftskonflikten. Doch das muss nicht sein: Mit der richtigen Bedienung und einer besseren Technik lassen sich die Feinstaub- und Rußemissionen verringern.

Warum ist das Heizen mit Holz ein Problem?

In Deutschland gibt es etwa elf Millionen Öfen und Heizkessel, die beispielweise mit Scheitholz oder Holzpellets befeuert werden. Diese Kleinfeuerungsanlagen stoßen europaweit mehr als 150-mal so viele Rußpartikel aus wie alle großen Kraftwerke zusammen. Und auch den Straßenverkehr haben sie mittlerweile als Hauptquelle von Feinstaub und Ruß abgelöst.

Die feinen Partikel können bis tief in die Lunge und den Blutkreislauf dringen und schwere Erkrankungen verursachen. Ruß gilt zudem nach Kohlenstoffdioxid, also CO2, als der zweitgrößte Klimatreiber.

Wissen Ofenbesitzer über diese Schadstoffquelle in ihrem Haus Bescheid?

Nein, viele Ofenbesitzer sind über die negativen Effekte des Heizens mit Holz noch nicht ausreichend informiert. Hier wollen wir mit unserer Kampagne Clean Heat gegensteuern, technische Lösungen und Wege zum richtigen Heizen mit Holz aufzeigen.

Was muss man beachten, um mit Holz „richtig“ zu heizen?

Zunächst einmal muss man sich im Klaren darüber sein, dass ein typischer Kaminofen seine Nutzer fordert: Das Scheitholz sollte trocken und sauber gelagert werden. Die optimale Menge Holz muss regelmäßig nachgelegt und die Luftzufuhr richtig eingestellt werden. Wenn der Brennraum überladen und die Luftregler zu weit geschlossen werden, entsteht ein Schwelbrand mit extrem hohen Emissionen und entsprechender Rauchentwicklung. Auf unserer Webseite kann man alle Tipps im Detail nachlesen.

Was können Betroffene tun, die unter Rauch und Gestank durch Kaminöfen in ihrer Nachbarschaft leiden?

Geruch und starke Rauchentwicklung sind bei sachgemäßer Nutzung der Anlage nicht üblich und müssen nicht hingenommen werden. Betroffene sollten zunächst versuchen, den Ofenbesitzer auf das Problem anzusprechen. Falls dies nicht hilft, sollte die Luftbelastung dokumentiert und die zuständigen Behörden eingeschaltet werden. Die wichtigsten Fragen zum Thema Nachbarschaftskonflikte haben wir auf unserer Webseite zusammengefasst.

Wie sind die gesetzlichen Anforderungen an Öfen zu bewerten?

Die gesetzlichen Vorgaben für Kleinfeuerungsanlagen in Deutschland sind im europäischen Vergleich relativ streng und beziehen auch Bestandsanlagen mit ein. Bei jedem Kaminofen, der zugelassen wird, werden vorher die Emissionen im Labor ermittelt. In der Realität sind die Öfen aber deutlich schmutziger als angegeben, weil das Messverfahren im Labor äußerst realitätsfern ist. Beispielsweise wird das Anheizen nicht berücksichtigt, obwohl gerade hierbei viele Schadstoffe entstehen. So kommt es, dass die Schadstoff-Grenzwerte im Labor ohne weitere technische Maßnahmen eingehalten werden.

Was gibt es denn für technische Lösungen, um die Öfen sauberer zu machen?

Bei Dieselfahrzeugen gehören inzwischen Partikelfilter zum Standard. Dadurch wird der Feinstaub- und Rußausstoß effektiv gesenkt. Im Bereich der Kleinfeuerungsanlagen sind Filter oder andere emissionsmindernde Maßnahmen hingegen immer noch sehr selten, obwohl es auch hier wirksame Technik zur Reinigung der Abgase gibt.

Auch eine elektronische Regelung der Verbrennungsluftzufuhr findet man derzeit nur in wenigen Kaminöfen. Sie nimmt dem Nutzer Arbeit ab und hilft, Fehler zu vermeiden. Bei Anlagen, die mit Pellets befeuert werden, gehören die elektronische Regelung sowie eine automatisierte Brennstoffzufuhr hingegen zum Standard. Daher sind Pelletöfen und -kessel in der Regel emissionsärmer als typische Kaminöfen, die mit Scheitholz befeuert werden.

Kann die Politik etwas unternehmen?

Absolut, ja. Forschungsinstitute haben bereits Vorschläge für Messverfahren erarbeitet, die deutlich besser den tatsächlichen Schadstoffausstoß von Öfen widerspiegeln. Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass diese Vorschläge in die europaweiten Standards für Öfen und Kessel einfließen. Außerdem sollten realitätsnähere Messverfahren in die Anforderungen von Umwelt-Labeln integriert werden, um Verbrauchern eine bessere Orientierung zu bieten, welche Anlagen wirklich emissionsarm sind. Zugleich könnten Städte und Gemeinden in hoch belasteten Gebieten ein entsprechendes Umwelt-Label als Mindeststandard für Kleinfeuerungsanlagen vorschreiben.

Die Fragen stellte Ann-Kathrin Marggraf.

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