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Der Baummarder: Goldkehlchen im Pelz

Sein Revier sind die Baumkronen, er ist ein Raubtier und sein Fell war einmal sehr begehrt: der Baummarder.© benno hansen - Fotolia

Autos und Menschen sind dem Baummarder fremd. Im Gegenteil: Sein Revier liegt außerhalb menschlicher Siedlungen – er lebt ausschließlich in ausgedehnten Wäldern mit viel totem Holz und Höhlenbäumen. Sein festes Revier durchstreift er meist als Einzelgänger und vererbt es weiter. Im Gegensatz zum Steinmarder, der seine Kämpfe schon mal im Motorraum eines Autos austrägt, finden die Revierkämpfe der Baummarder –der Name lässt es erahnen– vor allem in Bäumen statt.

Akrobat der Bäume

Hochbeiniger und leichter gebaut als sein gedrungener Verwandter, klettert der Baummarder sehr behände Bäume hinauf und hinunter. Auch Sprünge von bis zu vier Metern sind keine Seltenheit. Der lange Schwanz hilft ihm, seine akrobatischen Luftsprünge zu steuern. Dabei jagt er bevorzugt in der Dämmerung und Dunkelheit kleine Säugetiere, stiehlt Eier und verschmäht auch keine Beeren oder Wurzeln. Auf sogenannten Marderpässen kann er nachts bis zu sieben Kilometer zurücklegen. Sie werden von ihm regelmäßig markiert. Auf seinen Revierstreifzügen bewegt sich der Marder in verschiedenen Gangarten: Ist er auf der Flucht oder auf der Jagd, hüpft er mit langen Paarsprüngen vorwärts – zuerst mit den Vorderläufen springend, setzt er dann die Hinterläufe an die gleiche Stelle. Ist er entspannt, hüpft er in kurzen Dreisprüngen durch die Landschaft.

Vieles an ihm ist dreieckig: der spitze Kopf, der ihm ein wildes Aussehen verleiht, die Ohren und auch die braune Nase. Der Kehlfleck ist gelblich. Wegen seines Winterfells wurde er viele Jahrhunderte gejagt und fast ausgerottet. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Edelmarder. Der Versuch, die Tiere zu züchten, scheiterte: Sie bekommen in Gefangenschaft nur wenig Nachwuchs, fressen aber viel.

Winterruhe kennt der Allesfresser nicht – sein dickes Fell isoliert den Köper. Auch ist in dieser Jahreszeit der Tisch reich gedeckt: Seine Beutetiere kommen im Schnee nur langsam vorwärts.

Copyright: Silvio Heidler© Silvio Heidler

Warten auf bessere Zeiten

Mit zwei Jahren werden die Baummarder geschlechtsreif. Sie paaren sich in der sogenannten Ranzzeit – im Sommer. Dabei toben sie mit lauten Schreien nachts durch die Baumkronen. Um die Jungen unter günstigen Bedingungen aufziehen zu können, versetzt die Natur bei den Weibchen das befruchtete Ei in eine Keimruhe: Dabei ruht es sechs bis sieben Monate und entwickelt sich dann bis zum nächsten Frühjahr zu einem Embryo. Zwischen März und April bringen die Weibchen in alten Baumhöhlen – sehr beliebt sind Eichhörnchenkobel – oder verlassenen Vogelnestern drei bis fünf blinde und fast nackte Junge zur Welt. Nach fünf Wochen öffnen die Jungtiere ihre Augen und sind mit drei Monaten selbstständig. Baummarder können in der Wildnis bis zu zehn Jahre alt werden – werden sie gezähmt, erreichen sie auch ein Lebensalter von bis zu 16 Jahren.

Steckbrief

Name: Baummarder (Martes martes)

Verwandtschaft: Der Baummarder gehört zur Familie der Marder. Der Steinmarder ist mit ihm verwandt, lebt aber in der Nähe der Menschen. Auch Fischotter, Iltis, Dachs und Wiesel gehören zur Familie.

Aussehen und Größe: Kopf ist schlank und dreieckig, die Ohren sind dreieckig und gelb gerändert, die Nase braun, das Fell ist dunkelbraun, der Kehlfleck ist gelblich. Das Tier hat eine Körperlänge von 45 bis 58 Zentimetern, wobei die Fähe etwas kleiner ist als das Männchen. Ein Baummarder kann zwischen 800 bis 1800 Gramm auf die Waage bringen, seine Schwanzlänge misst 16 bis 28 Zentimeter.

Lebensraum und Lebensweise: Weite Teile Europas (mit Ausnahme von Island) und Westasiens sind Verbreitungsgebiete des Baummarders. Als Einzelgänger lebt er in Baumhöhlen und verlassenen Greifvogelnestern und ist dämmerungs- und nachtaktiv. Der Allesfresser ernährt sich von Eichhörnchen, Vögeln, Eiern, Insekten, Beeren, Obst und Waldfrüchten.

Verbreitung: Das Revier befindet sich vor allem in Misch- und Nadelwäldern mit hohem Totholzanteil. Ausgedehnte und zusammenhängende Flächen sind dafür nötig, da sonst die Baumkronen zu weit auseinander liegen und Äste für die akrobatischen Sprünge fehlen.

Gefährdung: Natürliche Feinde sind allenfalls Adler, für die Jungtiere auch andere Greifvögel wie der Habicht. Früher wurden Baummarder gejagt wegen des Pelzes. Heute leidet die Art vor allem daran, dass ihre Lebensräume durch intensive Forstwirtschaft schrumpfen und dass der Straßenverkehr zunimmt. Die Art steht bundesweit als gefährdet auf der Roten Liste. In Nordrhein-Westfalen ist er stark gefährdet.

Copyright Navigationsbild: Thorsten Schier - Fotolia
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