Entsorgungsproblem Teppichboden

Schluss mit der Verbrennung

Teppichböden werden in Deutschland in der Regel verbrannt. Eine ganze Branche schläft und setzt den Gedanken der Abfallvermeidung und des Recyclings nicht um - mit fatalen Folgen für die Umwelt.

Am Ende ins Feuer – so sieht die Realität für bis zu 400.000 Tonnen Teppichböden aus, die jedes Jahr in Deutschland entsorgt werden. Dadurch entstehen nicht nur giftige Abfälle und klimabelastende Gase, sondern es gehen auch hochwertige Kunststofffasern verloren, die eigentlich sinnvoll recycelt werden könnten. Die Teppichindustrie interessiert Ressourcenschonung scheinbar wenig. Das Klima entlasten und die Umwelt schützen? Diese Ambitionen sucht man hier vergeblich. Die DUH setzt sich dafür ein, dass Teppiche recyclingfähig sind, getrennt gesammelt, wiederverwendet und recycelt werden.

Gemäß der fünfstufigen Abfallhierarchie im Kreislaufwirtschaftsgesetz sollten Teppichböden zuallererst aufbereitet, wiederverwendet und nach dem Produktlebensende recycelt werden. Die Verbrennung ist diesen Schritten nachgeordnet und gilt nicht als Recycling. Weil in Deutschland bei der Abfallverbrennung erhebliche Überkapazitäten bestehen, d.h. mehr verbrannt werden kann als nötig, werden gut brennbare Teppichböden gerne verfeuert. Durch die Verbrennung gehen allerdings die Ressourcen unwiederbringlich verloren. Zwar wird eine Teilmenge an Energie zur Strom- oder Wärmeerzeugung genutzt. Sie steht allerdings in keinem Verhältnis zu der Energie, die für die Produktion der Teppiche aufgewendet wurde. Zudem bleiben nach der Verbrennung giftige Schlacken und Aschen zurück, die Dioxine und Schwermetalle enthalten können.

Die meisten Teppichböden werden verbrannt© Will Rose

Kaum Rücknahmesysteme

Nach Recherchen der DUH gibt es für Teppichbesitzer derzeit keine größeren Rücknahmesysteme im deutschen Handel, auf die sie zurückgreifen können. Bei Elektroaltgeräten, Batterien und Leuchtmitteln haben Verbraucher und Verbraucherinnen bereits mehr Möglichkeiten diese im Handel abzugeben. Durch verbraucherfreundliche Rücknahme-Systeme könnten Teppiche professionell auf Wiederverwendung geprüft oder umweltfreundlich recycelt werden.

Besseres Öko-Design notwendig

Auch beim Recycling ist die Teppichindustrie wenig fortschrittlich. Viele Teppiche bestehen aus einer Mischung mehrerer Materialien, die sich kaum voneinander trennen lassen und nur schlecht recycelt werden können. Hier muss die Industrie bereits bei der Konzeption von Teppichen auf deren Recyclingfähigkeit achten. Bisher werden nur rund drei Prozent der Teppiche auf dem deutschen Markt recycelt. Allerdings geht die DUH davon aus, dass selbst dieser kleine Anteil recycelter Teppichböden zu minderwertigen Produkten, wie zum Beispiel zu Eimern oder Blumentöpfen downgecycelt wird. Das bedeutet: Aus einst hochwertigen Materialien werden am Ende minderwertige Produkte.

Schädliche Chemikalien

Die Recyclingfähigkeit fängt bei den Fasern an.© Will Rose

Teppiche sollen weich, fleckenresistent und gerne auch mal farbig sein. Damit sie diese Ansprüche erfüllen, werden sie mit Chemikalien behandelt. Eine neue Studie im Auftrag von Changing Markets zum Einsatz von Chemikalien in Teppichböden belegt die Verwendung von insgesamt 59 verschiedenen Verbindungen. Für mindestens 37 von ihnen gibt es nach EU-Recht keine Beschränkungen oder Verbote. Verbraucher werden dadurch einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Durch den direkten Kontakt mit den Teppichen können vor allem Kinder beeinträchtigt werden. Deshalb empfehlen wir auf den Blauen Engel zu achten – dem Siegel liegen die strengsten Anforderungen beim Einsatz von Chemikalien zu Grunde.

Was ist beim Kauf von Teppichböden zu beachten?

  • Kaufen Sie Teppichfliesen statt Meterware, damit einzelne Fliesen - falls notwendig - ersetzt werden können.
  • Bevorzugen Sie Teppichböden aus Recyclingmaterial und verzichten Sie auf Mischmaterialien. Fragen Sie im Handel außerdem nach der Recyclingfähigkeit.
  • Greifen Sie zu Teppichen, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind. Diese Zertifizierung setzt die strengsten Auflagen beim Einsatz von Chemikalien. Das GUT-Siegel legt geringere Standards zu Grunde.
  • Verlegen Sie Teppichböden ohne Kleber. Falls Sie doch Klebstoffe verwenden, sollten diese ein problemloses Ablösen der Auslegware vom Boden garantieren.
  • Kaufen Sie gestempelte Ware, d.h. dass die verwendeten Materialien auf der Teppichrückseite angegeben werden. Das erleichtert den Recyclingprozess.
  • Fragen Sie gezielt nach Rückgabemöglichkeiten im Handel für ein Recycling der Auslegware.

Unsere Forderungen

Um das Entsorgungsproblem von Teppichböden zu lösen und einen Wiederverwendungs- und Recycling-Kreislauf aufzubauen, sind vor allem Hersteller, Händler und die Politik gefordert. 

  • Hersteller müssen ihre Produkte so gestalten, dass sie recyclingfähig sind. So sollten keine gesundheitsschädlichen Chemikalien verwendet werden, möglichst auf den Einsatz von Fasern aus einem Materialtyp geachtet oder eine leichte Trennbarkeit bei mehreren Materialien sichergestellt werden.
  • Handel und Hersteller müssen Teppichkunden bundesweit die Rückgabe alter Teppichböden beim Neukauf ermöglichen. Damit diese Take-Back-Systeme genutzt werden, sollten Rabatte oder Gutscheine zum Einsatz kommen. Der Handel sollte verbraucherfreundliche Informationen und Hinweise zur Rückgabe bereitstellen.
  • Um Recycling wirklich betreiben zu können, braucht es entsprechende Recyclinganlagen. In Deutschland gibt es jedoch keine größeren Werke zur stofflichen Nutzung. Für die jährlich in Deutschland 400.000 Tonnen anfallenden Teppichböden müssen Recyclingkapazitäten geschaffen werden.
  • Das Prinzip der Produktverantwortung muss auch für Teppichböden eingeführt werden. Hersteller müssen Verantwortung für die Entsorgung ihrer Produkte übernehmen, Rücknahmesysteme und Recyclinganlagen aufbauen sowie finanzieren.
  • Mindeststandards zur Recyclingfähigkeit von Teppichböden sollten für alle Hersteller verbindlich festgelegt werden.
  • Eine Wiederverwendungsquote und der Einsatz von Recyclingmaterial sollten gesetzlich vorgegeben werden.
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