Palmöl, Erdöl & Co. – keine Kerzen mehr auf Kosten der Regenwälder und des Klimas!

Mit Kerzen kann man Feste bereichern, abseits des Alltags zur Ruhe kommen oder auch gedenken. Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern ist jedoch nicht bewusst, dass der Konsum von Kerzen auch zur Abholzung von Regenwäldern beitragen kann. Mit einem Marktcheck bewegen wir die Hersteller und Händler von Kerzen zu mehr Engagement und Transparenz. 

Zu den zentralen Rohstoffen in der Kerzenwachsherstellung gehören Paraffin und Stearin, die umstritten sind: Paraffin ist ein Nebenprodukt aus der Verarbeitung von Erdöl. Wachs aus pflanzlichem Stearin und gehärtetem Pflanzenfett wird meist aus preisgünstigem Palmöl hergestellt, das jedoch aufgrund von Regenwaldrodungen immer wieder in die Schlagzeilen gerät.

Ölpalmen, aus deren Früchten Palmöl gewonnen wird, werden hauptsächlich in Indonesien und Malaysia in Südostasien angebaut. Dort wurden durch die sich ausbreitenden Plantagen über Jahrzehnte hinweg große Teile des tropischen Regenwaldes zerstört und viele seltene Arten, wie der Orang-Utan, bis an den Rand des Aussterbens gebracht. Zudem leidet die lokale Bevölkerung oftmals unter prekären Arbeits- und Lebensbedingungen – ihr wird durch Landraub und Vertreibung teils gewaltsam die Lebensgrundlage genommen.

Alternativ zu den konventionellen Kerzen können Konsumentinnen und Konsumenten beispielsweise auf Kerzen mit Inhaltsstoffen aus zertifiziert nachhaltigem Anbau (z.B. Palmstearin) oder basierend auf Biomasse oder Bienenwachs zurückgreifen. Im Rahmen des DUH-Kerzencheck finden wir für Sie heraus, welche Kerzenanbieter bereits auf die Nachhaltigkeit ihrer Produkte achten und wie verbreitet die Nutzung von nachhaltigem Palmöl in der Kerzenbranche zurzeit ist.

Nachhaltiges Palmöl als Teil der Lösung – Siegel sind jedoch kein Allheilmittel

© Freder / istockphoto

Pflanzenfette werden für die Kerzenherstellung immer wichtiger. Palmöl aus nachhaltigem Anbau stellt dabei eine Alternative zu konventionellem Palmöl dar. Es setzt beispielweise voraus, dass Plantagen nicht auf neu gerodeten Flächen errichtet werden, und dass auf bestehenden Plantagen Arbeits- und Menschenrechte eingehalten sowie Artenvielfalt und Wasserressourcen geschützt werden. Einige Kerzenanbieter sind deshalb bereits auf Palmöl aus nachhaltigem Anbau umgestiegen – dies jedoch häufig ohne eine entsprechende Kennzeichnung der Produkte. Würde alles Palmöl für die Kerzenherstellung nachhaltig eingekauft, könnte Deutschland den Ölpalmanbau auf einer Fläche von bis zu 289 km² positiv beeinflussen – eine Fläche so groß wie die Stadt Dortmund. Ein zentraler Punkt im Zusammenhang mit Zertifizierungen und Siegeln, der hier nicht unerwähnt bleiben soll: Bei der Umsetzung des zertifiziert nachhaltigen Anbaus gibt es Defizite. „Greenwashing“ ist als abfälliger Begriff über Siegel bzw. Zertifizierung längst keine Seltenheit mehr. Die Bundesregierung muss die Verbesserung von Siegeln, sowie weitere politische Maßnahmen parallel vorantreiben und gesetzlich verankern. Dabei wird klar: An erster Stelle muss ein maßvoller Konsum von Kerzen stehen, um Flächen angesichts der weltweiten Nachfrage nach Palmöl – vor allem als Lebensmittel – nicht übermäßig zu beanspruchen.

Ziel der Bundesregierung: Ausschluss nicht-nachhaltigen Palmöls bis Ende 2020

Im Jahr 2017 waren Schätzungen zufolge lediglich 30 % des durch den Konsum von Kerzen in Deutschland verbrauchten Palmöls nachhaltig zertifiziert. Für das Jahr 2020 wird ein nachhaltiger Anteil von etwa 70 % geschätzt – damit würden Kerzenanbieter das erklärte Ziel des Bundeslandwirtschaftsministeriums, bis 2020 vollständig auf nachhaltig zertifiziertes Palmöl umzusteigen, verfehlen. Und das obwohl nachhaltig zertifiziertes Palmöl schon seit Jahren in ausreichender Menge verfügbar ist.

Verbraucherinnen und Verbraucher tappen im Dunkeln

Der Ansatz der Bundesregierung, dass Kerzenanbieter freiwillig nachhaltiges Palmöl einsetzen und mögliche Mehrkosten übernehmen, ist also unzureichend. Verbraucher und Verbraucherinnen nehmen derweil kaum Notiz von der Problematik, dass ein Kerzenkauf Regenwaldrodungen begünstigen kann. Denn auf Gebrauchsgegenständen wie Kerzen gibt es bisher kein Verzeichnis für Inhaltstoffe bzw. zugrundeliegende Rohstoffe. Gesetzliche Vorgaben zum Bezug entwaldungsfreien Palmöls und zur Deklaration könnten dem Debakel ein Ende setzen und ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit und Transparenz bei palmölhaltigen Kerzen sicherstellen.

DUH-Kerzencheck soll Kerzenhersteller anregen, aktiv zu werden

Eine DUH-Umfrage bei Kerzenanbietern im Sommer 2020 soll klären, wie sich die Branche selbst zur Thematik nachhaltiger Rohstoffe positioniert. Der DUH-Kerzencheck im Herbst wird zeigen, welche Kerzenanbieter ihr Engagement steigern wollen – und auf der anderen Seite Unternehmen ausfindig machen, die weder auf nachhaltiges Palmöl und eine entsprechende Kennzeichnung umgestiegen sind, noch Ziele und Maßnahmen dazu bekanntgeben. Die DUH wird Verbraucherinnen und Verbraucher basierend auf den Ergebnissen des Kerzenchecks vor Beginn der Adventszeit zu einem selektiven Boykott ermuntern. Unternehmen, die bis Mitte September 2020 Informationen zur Rohstoffbasis ihres Kerzenangebots bereitstellen und eine Selbstverpflichtung zum Umstieg auf nachhaltiges Palmöl sowie zur verbesserten Deklaration auf ihren Produkten ab 2021 abgeben, können dabei punkten. Eine Chance, die es jetzt zu ergreifen gilt! 

Wir dürfen nicht tatenlos abwarten, bis die Politik ihren Zielen zu 100 % nachhaltigem Palmöl auf dem deutschen Markt gerecht wird. Durch unseren bewussten Konsum können wir einen Unterschied machen:

  • Einige Hersteller nutzen bereits nachhaltige Inhaltsstoffe und machen auf ihren Produkten oder Websites Angaben zu deren Nachhaltigkeit. Durch Ihren gezielten Einkauf gekennzeichneter Kerzen können Sie engagierte Kerzenhersteller unterstützen.
  • Wenn Ihre bislang gekauften Lieblingskerzen von Herstellern stammen, die keine Angaben zu den Inhaltsstoffen bereitstellen, dann kontaktieren Sie den Kundenservice – je mehr Anfragen dort ankommen, desto eher werden die Hersteller einen Umstieg zu nachhaltigen Rohstoffen auch freiwillig vorantreiben.
  • Schauen Sie im Herbst auch in unserem Kerzencheck zu Palmöl nach, von welchen Herstellern Sie bereits Kerzen kaufen können, weil diese sich anhand eines nachhaltigen Einkaufs gegen die Zerstörung von Regenwäldern einsetzen oder zumindest ab 2021 Verbesserungen anhand von öffentlichen Selbstverpflichtungen ankündigen.

Kerzen aus klimaschädlichem Erdöl sowie aus konventionellem Palmöl müssen Geschichte werden! Wir fordern die Bundesregierung dazu auf, die selbst gesetzten Ziele in Bezug auf klimafreundliches, entwaldungsfreies Palmöl zu überprüfen und deren Erreichung durch gesetzliche Maßnahmen sicherzustellen. Für den Schutz des Klimas und den Erhalt der Biodiversität sowie für die Landwirte und Angestellten auf den Plantagen fordert die DUH den sofortigen Umstieg auf 100 % entwaldungsfreie Palmöl-Lieferketten – nicht nur bei Kerzen, sondern auch bei Futtermitteln, Chemieprodukten, Hygiene- und Reinigungsprodukten und Lebensmitteln. Konkret fordert die DUH:

  • Eine gesetzliche Regulierung zum Bezug ausschließlich nachhaltiger, entwaldungsfrei produzierter Agrarrohstoffe wie Palmöl auf Basis ambitionierter verbindlicher Standards (z.B. Marktzugangsbeschränkung für unzertifizierte Ware (Rohstoffe und Endprodukte) und beim Verstoß gegen menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten).
  • Kennzeichnungspflicht für alle palmölbasierten Produkte: Verpflichtende Deklaration von Inhaltsstoffen und deren (nachhaltiger) Herkunft, z.B. auf der Kerze und auf der Website der Hersteller bzw. Händler.
  • Gesetzliche Vorgaben zur Steigerung der Wirksamkeit von Nachhaltigkeits-Gütesiegeln bzw. Zertifizierungssystemen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, um Greenwashing zu bekämpfen. 
  • Deutschland muss sich im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft aktiv für die umfassende Umsetzung des „Green Deals“ einsetzen. Dieser ist ein Maßnahmenpaket, das regelt, wie die EU bis 2050 klimaneutral wird. Der Green Deal beinhaltet auch das Ziel zur Sicherstellung entwaldungsfreier Lieferketten.

Deutschland hat 2015 die Amsterdam-Erklärung unterschrieben und sich damit unter anderem zum Ziel gesetzt, bis Ende 2020 auf 100 % nachhaltig produziertes Palmöl umzusteigen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt das Ziel des vollständigen Umstiegs auf nachhaltig zertifiziertes Palmöl bisher über die freiwillige Initiative „Forum für nachhaltiges Palmöl“ (FONAP). Die Bundesregierung nimmt sich der Thematik der Wald- und Moorzerstörung durch Palmöl zwar an, geht bisher aber noch zu zögerlich mithilfe von freiwilligen Maßnahmen vor.

Bis heute gibt es in Deutschland keine verpflichtenden Importvorgaben für entwaldungsfreies Palmöl oder ähnliche Agrargüter. Auch erfassen Handelsstatistiken den Anteil nachhaltiger Importe – Rohstoffe und Endprodukte – bisher nicht. Dadurch ist der aktuelle Stand zur Erreichung des 100 %-Ziels nicht bekannt. Die Bundesregierung lässt den Anteil nachhaltigen Palmöls jedoch regelmäßig über Studien mithilfe der verfügbaren Daten und Experten erheben. Diese schätzen, dass das Ziel des vollständigen Umstiegs auf nachhaltig zertifiziertes Palmöl bis Ende 2020 von Deutschland nicht erreicht wird. Das Prinzip der freiwilligen Umstellung auf nachhaltigere Rohstoffe stellt sich somit als nicht wirksam heraus.

Indes arbeitet auch die EU-Kommission an Maßnahmen zum Waldschutz und an einer möglichen Verordnung zu unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten, welche neben Menschenrechten auch Kriterien zum Waldschutz und weiteren Umweltthemen enthalten soll. Seit Juli 2020 hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne und dadurch die Chance, den Waldschutz erfolgreich voranzubringen.

Kontakt

Copyright: © Finke / DUH

Peer Cyriacks
Stellvertretender Leiter Naturschutz
E-Mail: Mail schreiben

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Karoline Kickler
Projektmanagerin Naturschutz
Tel.: 030 2400867-896
E-Mail: Mail schreiben

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