Erdgas made in Germany - Um was geht's?

Das Öl- und Gasunternehmen One-Dyas will nur 500 m vom UNESCO-Weltnaturerbe entfernt nach Erdgas bohren. Das Gasfeld befindet sich je zur Hälfte unter der niederländischen und der deutschen Nordsee. In einer ersten Phase sollen ab frühestens 2024 über 10 bis 35 Jahre bis zu 13 Milliarden Kubikmeter fossiles Gas gefördert werden. Die Ausbeutung weiterer umliegender Gasfelder könnte folgen. Das Unternehmen argumentiert, dass die Förderung die Versorgungssicherheit in Deutschland verbessert. Dabei würde selbst in Spitzenproduktionsjahren deutlich weniger als ein Prozent des Gasverbrauches in Deutschland abgedeckt werden. Demgegenüber stehen massive Umweltauswirkungen und CO2-Emissionen. 

Die Auswirkungen auf das Klima

Bei Verbrennung der geplanten Fördermenge würden ca. 65 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Eine derartige Menge an CO2 würde den Klimawandel anheizen und dazu beitragen, das Ökosystem Wattenmeer durch den Anstieg des Meeresspiegels und der Temperaturen zu zerstören. Erdgas besteht zudem hauptsächlich aus Methan – einem extrem starken Treibhausgas, das durch Leckagen bei Förderung und Transport in die Atmosphäre entweicht. Um die Pariser Klimaziele noch einhalten zu können, dürften laut der Internationalen Energieagentur seit 2021 keine neuen Förderprojekte mehr starten. Eine Überhitzung der Erde über 1,5 Grad hätte verheerende Folgen: steigende Temperaturen, Dürren und Starkregenereignisse weltweit und auch konkret bei uns in Deutschland. Schon jetzt befinden wir uns im größten Artensterben seit 66 Millionen Jahren. Auch in der Nordsee sind bereits einige Arten ausgestorben oder auf der roten Liste. 

Auswirkungen auf Natur und Landschaft

Die Erdgasförderung hätte massive Auswirkungen auf das sensible maritime Ökosystem. One-Dyas möchte das belastete Lagerstättenwasser wieder ins Meer einleiten, wodurch die dort lebenden Arten durch Schwermetalle und andere Toxine regelrecht vergiftet werden. Weiterhin könnte sich der Meeresboden durch die Gasentnahme um mehrere Zentimeter absenken, wodurch Wasser- und Schlickströme zu Schäden an den vorhandenen Riffen führen können, was unvorhersehbare Folgen für diesen wichtigen Lebensraum hätte. Die Bohrungen selbst bergen außerdem das Risiko von Erdbeben. Diese hätten Auswirkungen auf die Insel Borkum und die dortige Trinkwasserblase. Der durch die Bohrungen verursachte Unterwasserlärm beeinträchtigt Tiere bei ihrer Kommunikation, Partnersuche, Navigation und Lokalisierung der Beute. Im schlimmsten Fall können anhaltende und starke Belastungen körperliche Schäden verursachen und sogar zum Tod führen.

Brauchen wir das Gas für die deutsche Energiesicherheit?

Der jährliche Erdgasbedarf in Deutschland betrug zuletzt rund 90 Milliarden m3. Das vor Borkum geförderte Gas, das an Deutschland verkauft werden würde, würde weniger als ein Prozent dieses Bedarfes abdecken. Diese Menge könnte die deutsche Abhängigkeit von anderen Gasimporten also nicht maßgeblich reduzieren und ist deshalb für unsere Energieversorgungssicherheit vollkommen unerheblich. Zudem ist die Gasförderung nicht vor Ende 2024 geplant. Dies ist zu spät, um auf die befürchtete Gasknappheit in diesem und im nächsten Winter reagieren zu können.

Was wir tun

Die DUH und ihre Partnerorganisationen möchten neue Gasbohrungen vor Borkum verhindern.

Für die Gebiete auf niederländischer Seite wurde die notwendige Genehmigung an ONE-Dyas bereits erteilt. Gegen diese haben die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die niederländische Umweltorganisation Mobilisation for the Environment (MOB) und die Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland am 15.07.2022 gemeinsam Klage bei der Rechtbank in Den Haag eingereicht. Diese Klage ist weiterhin anhängig.

Auf deutscher Seite befindet sich der Genehmigungsantrag noch im Planfeststellungsverfahren. Im Zuge der Beteiligung der Öffentlichkeit haben die DUH, MOB, die Bürgerinitiative, die Insel Borkum sowie die Nachbarinseln Einwendungen eingereicht und behalten sich weitere rechtliche Schritte vor.

Abbildung 1: Umweltkarte

Abbildung 2: Projektkarte

Kontakt

Copyright: © Finke/DUH

Constantin Zerger
Leiter Energie und Klimaschutz
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