#böllerfrei: Private Silvesterfeuerwerke verbieten

Der Jahreswechsel wird in Deutschland traditionell mit viel Feuerwerk und Knallerei gefeiert. Innerhalb kürzester Zeit werden nicht nur horrende Geldsummen „verbrannt“: Unmengen an Schwarzpulver werden in die Luft katapultiert und sorgen für einen unmittelbaren und enormen Anstieg der Feinstaubbelastung.

Dieser Feinstaub aus den bunten Raketen, gefährdet die Gesundheit massiv. Private Feuerwerke produzieren außerdem jährlich tausende Tonnen an unnötigem Abfall. Sie belasten die Umwelt, es kommt zum Teil schwerwiegenden Verletzungen auch von Unbeteiligten und zu unzähligen Sachschäden. Für Tiere ist die Silvesternacht ein Albtraum! Der ohrenbetäubende Lärm und die hell leuchtenden Blitze lösen bei ihnen Stress, Angst und Panik aus.

Unsere Forderungen

Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein Verbot von privaten Silvesterfeuerwerken. Angesichts der aktuellen Corona Pandemie verschärft sich die Notwendigkeit und jedem muss klar sein: Es ist wichtiger denn je, dass wir alle vermeidbaren zusätzlichen Belastungen der Luftqualität unterlassen! Luftbelastung ist Ursache für eine Vielzahl von Krankheiten, insbesondere von Atemwegserkrankungen. Dies wirkt sich in Zeiten von Corona besonders negativ aus, denn auch der Virus greift die Atemwege an.
Darüber hinaus sollten wir allen Tieren die Panik zum Jahreswechsel ersparen.

Kommunen und Politik müssen ihrer Verantwortung nachkommen

Städte stehen Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die von einigen auch bereits genutzt werden, indem sie Verbotszonen eingerichtet haben. Immer mehr Städte, wie auch Stuttgart, veranstalten als Alternative zu archaischen Schwarzpulver-Feuerwerken saubere und ungefährliche Licht- und Lasershows.

Daher fordern wir die Kommunen auf, alle bestehenden Möglichkeiten auszuschöpfen, um private Feuerwerke zu verbieten. Zur ihrer Unterstützung hat die DUH ein Rechtsgutachten anfertigen und zusätzlich durch praktische Beispiele ergänzen lassen.  Das Kurzgutachten kann von den Kommunen ohne großen Aufwand als Regelungsvorlage verwendet werden.

Ergänzend fordern wir mit aller Deutlichkeit: Das Innenministerium muss seinen Versprechungen nachkommen und endlich die 1. Sprengstoffverordnung (1. SprengV) hinsichtlich des §24 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 ändern! Mit der geplanten Änderung wird es Städten und Kommunen ermöglicht, erweiterte und gegebenenfalls das gesamte Stadtgebiet umfassende Sperrzonen für Pyrotechnik auszuweisen und damit der Böllerei ein Ende zu setzen.

Wir rufen alle Bürger dazu auf, auf Feuerwerkskörper zu verzichten!

Schon 2019 sprachen sich 57 Prozent der Bevölkerung in einer repräsentativen Umfrage für ein Verbot von Pyrotechnik aus und lediglich 36 Prozent waren dagegen. Handelsunternehmen fordern wir auf, ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst zu nehmen und auf den Verkauf von Pyrotechnik zu verzichten! Durch eine Händlerumfrage haben wir diesen Sommer ermittelt, welche Händler ihrer gemeinschaftlichen Verantwortung bereits nachkommen. Wir freuen uns, dass bereits 2019 erste Handelsunternehmen entschieden haben, Pyrotechnik aus ihrem Handelsangebot zu streichen - darunter die gesamte Baumarktkette Hornbach sowie Einzelhändler von Edeka und Rewe. Weitere Informationen finden Sie in unserer ökologischen Händlerauswertung.

Händlerampel

Was kann ich tun?

  • Verzichten Sie auf den Kauf von Feuerwerkskörpern.
  • Fordern Sie Ihren Händler dazu auf, ebenfalls keine Pyrotechnik mehr zu verkaufen – unser Musterschreiben müssen Sie nur noch unterzeichnen.
  • Hier können Sie unsere Petition gegen private Feuerwerke unterstützen.


Häufig gestellte Fragen

Zum Jahreswechsel werden durch Feuerwerkskörper innerhalb weniger Stunden knapp 5.000* Tonnen Feinstaub freigesetzt. Dies entspricht etwa 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge. Feinstaub ist ein Luftschadstoff mit massivsten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Es gibt keine Unbedenklichkeitsgrenze, darum muss jede Maßnahme ergriffen werden, um die Belastung zu senken. Besonders betroffen sind Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen wie Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen, sowie Schwangere und Kinder.

Je nach Wetterlage ist die Feinstaubkonzentration über viele Stunden hinweg so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Dazu sind toxische Substanzen aus den Feuerwerkskörpern eine zusätzliche Belastung. Der erste Tag im Jahr ist somit vielerorts mit Stundenwerten von über 1000µg PM10/m3 belastet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, zum Schutz der Gesundheit einen Tagesmittelgrenzwert von 50 µg PM10/m3 an höchstens drei Tagen im Jahr zu überschreiten sowie einen Jahresgrenzwert von 20 µg/m3. In Deutschland wird der WHO-Grenzwert in zahlreichen Kommunen überschritten. Darüber hinaus betont die WHO, dass selbst unterhalb des von ihr empfohlenen Jahresmittelgrenzwertes von 20 µg PM10/m3 negative gesundheitliche Wirkungen nachgewiesen werden können. Die Air Quality Guideline der WHO, in welcher Empfehlungen zur Grenzwertbestimmung enthalten sind, wird voraussichtlich 2021 veröffentlicht und der empfohlene Grenzwert für PM10 weiter herabgesetzt.

*Diese Zahl ergibt sich aus den Angaben des Umweltbundesamts, die 2019 von 4.200 Tonnen Feinstaub (PM10) berichten. Plus eine zusätzlich geschätzte Summe, die sich durch die im Ausland gekauften Feuerwerkskörper ergibt.

Egal ob Haus-, Wild- oder Nutztier - für sie kommen das laute, krachende Knallen und die hellen Blitze völlig aus dem Nichts und bedeuten puren Stress. Hunde und Katzen, wie auch viele andere Tiere, haben ein besonders empfindliches Gehör. Für sie ist die Silvesternacht zum Teil sogar traumatisch! Haustierbesitzer bangen jedes Jahr um ihre treuen Begleiter, teilweise müssen Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Fluchttiere wie Kühe und Pferde rennen vor lauter Panik durch Zäune – das ist eine extreme Gefahr auf den Straßen für Tier und Mensch. Auch in Ställen kommt es zu Verletzungen. Wildtiere werden durch den Lärm aus ihrer Winterruhe gerissen und flüchten. Der dadurch entstehende Energieverlust kann für sie zur Lebensbedrohung werden. Vögel sind besonders betroffen, durch den Schreck fliehen sie in die Luft und fliegen teilweise bis zu 1.000 Meter hoch – eine Höhe, die sie normalerweise nicht erreichen.

Die Notaufnahmen sind jedes Jahr zu Silvester voll. Der falsche Umgang mit Böllern und Raketen führt zu teils schweren Verletzungen, oft sind Kinder die Opfer. Aus Angst vor Böller und Raketen, verlassen unzählige Menschen das Haus nicht mehr oder flüchten aus der Stadt.

In einer Studie der Augenfachzeitschrift „Der Ophthalmologe“ werden alarmierende Zahlen einer Umfrage unter Augenfachkliniken bekannt. Danach betreffen 25 Prozent der gemeldeten Fälle Schwerverletzte, davon ist bei 40 Prozent mit dauerhaften Beeinträchtigungen des Sehvermögens zu rechnen. 38 Prozent der Verletzten sind unter 18 Jahre alt. Etwa die Hälfte der Verletzten sind Zuschauer und Passanten. 60 Prozent der verletzten Kinder sind Unbeteiligte. Über die Gesamtzahl der jährlichen Augen- und Handverletzungen ist in Deutschland auch deswegen kaum etwas bekannt, weil – im Gegensatz zu Holland oder Finnland – in Deutschland kein Melderegister für Augenverletzungen existiert. Alarmierend hoch ist auch die Zahl von jährlich 8.000 Menschen mit Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper, die häufig bleibende Schäden hinterlassen, nicht zuletzt, weil lärmverursachte Innenohrschwerhörigkeit bisher nicht geheilt werden kann.

Vor allem das Brandrisiko erhöht sich an Silvester schlagartig. Es kommt zu tausend Feuerwehrweinsätzen wegen Haus- und Wohnungsbränden. Der Tagesspiegel berichtet, dass es in der Neujahrsnacht 2019 allein 400 Bränden in Berlin gab. Doch nicht nur das innerstädtische Risiko ist groß. Durch die zunehmende Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr.

Im Jahr 2019 hat die Deutsche Umwelthilfe an 98 Kommunen Anträge auf „Saubere Luft“ gestellt. Im ersten Schritt hat die Deutsche Umwelthilfe bei 31 Städten mit einer durchschnittlichen Feinstaubbelastung von 20 µg/m3 und mehr im Jahr 2018 ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke in Innenstädten beantragt. Die formalen Anträge richteten sich zunächst an jene Städte, in denen bereits Rechtsverfahren zur „Sauberen Luft“ anhängig sind.

Im zweiten Schritt hat die Deutsche Umwelthilfe einen formalen Antrag auf das Verbot von privaten Silvesterfeuerwerken bei allen weiteren deutschen Kommunen gestellt, die den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwert von 20 µg/m3 für Feinstaub (PM10) im Jahr 2018 nicht eingehalten haben. Diesen Wert hat die WHO bereits 2005 als Grenzwert empfohlen, um die gesundheitsschädigende Wirkung durch Feinstaub zu verringern.

Eine deutliche Mehrheit in Deutschland hat sich für ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke ausgesprochen. Laut einer repräsentativen Umfrage sind knapp 60 Prozent für ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke in deutschen Innenstädten. Dies ergab eine Onlineerhebung von YouGov mit 1273 befragten Personen.

Auch immer mehr Städte folgen den Empfehlungen der DUH und veranstalten zentrale Licht- und Lasershows als umweltfreundliche Alternative zu archaischer Schwarzpulver-Böllerei. Im Juli und Oktober 2019 hatte die DUH insgesamt 98 Städte mit einer innerstädtischen Feinstaubbelastung oberhalb der Empfehlung der WHO von 20 µg/m³ Feinstaub (PM10) im Jahresmittel mit formalen Anträgen kontaktiert. Die DUH hat Rückmeldung zu 92 dieser Städte bekommen. 39 Prozent der besonders unter schlechter Luftqualität leidenden Städten haben erklärt, die umwelt- und gesundheitsbelastende Böllerei in ihrer Stadt einzuschränken bzw. zu verbieten. Dabei haben 36 von den 92 der sich rückgemeldeten Städten Verbotszonen ausgewiesen, einen entsprechenden Beschluss gefasst, sind in der Umsetzung oder begrüßen entsprechende Verbote bzw. fordern von der Bundesregierung entsprechende rechtliche Vereinfachungen für kommunale Regelungen. Davon sind in 23 Kommunen Verbote bereits umgesetzt, in 5 weiteren Kommunen wird derzeit ein Verbot geprüft und 8 weitere Städte begrüßen ein Verbot, wenn die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen auf Bundesebene geschaffen werden.

Unser Ziel ist es, Städten und Ländern, die ohnehin unter einer hohen Luftbelastung leiden, Möglichkeiten aufzeigen, wie sie den Feinstaubausstoß an Silvester verringern können. Ein neu überarbeitetes Rechtsgutachten im Auftrag der DUH belegt, dass juristische Möglichkeiten für Städte und Länder gegeben sind, um in belasteten bzw. gefährdeten Innenstadtbereichen die private Silvester-Böllerei zu verbieten. Das Gutachten mit neuen Beispielen aus Städten, die bereits Verbote eingeführt haben, können Sie hier einsehen.

Zu den bereits gegeben rechtlichen Möglichkeiten fordert die DUH eine Änderung des Bundesimmissionsschutzrechts beziehungsweise Änderungen in der 1. Sprengstoffverordnung, die es den zuständigen Behörden ermöglichen, allgemeine und großräumige Verbote für Knall- und Feuerwerkskörper (pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F2) nach deren Ermessen zu verhängen.

Nein. Denn es gibt tolle Alternativen: Immer mehr Städte gehen zu feinstaubfreien Techniken über - wie etwa Turin, Paris, Graz oder Brüssel. Ohne Lärm und gesundheitsschädlichen Feinstaub werden Lichter an den Himmel gezaubert, die die Menschen begeistern und die richtige Stimmung für eine tier- und menschenfreundliche Silvesternacht bereiten.

Auch in deutschen Städten finden Licht- und Lasershows immer größeren Anklang, wie etwa in Landshut. 2018 wurden jegliche Feuerwerke in der Innenstadt verboten, stattdessen wurde eine Laser- und Lichtshow geboten. Dies ermöglicht auch Menschen, die aus Angst vor Raketen und Böllern die Innenstadt in den Jahren zuvor nicht mehr betreten haben, gemeinsam mit anderen das neue Jahr zu feiern und das Laser- und Lichtspektakel zu bestaunen. Auch weitere Städte, wie beispielsweise München, überlegen zukünftig eine Licht- und Lasershow anzubieten.

Eine weitere innovative Alternative zum klassischen Feuerwerk sind Drohnenshows. Dabei führen Drohnen eine Lichtchoreographie auf und zeichnen Bilder am Himmel. Vor allem in asiatischen Ländern sind die Drohnenshows auf dem Vormarsch. Doch auch in Deutschland gab es bereits erste Aufführungen. So zum Beispiel 2018 in Frankfurt am Main zur Wieder-Einweihung der Altstadt.

In folgenden Städten sind wir bereits aktiv:

Augsburg, Berlin, Bretten, Darmstadt, Duisburg, Essen, Esslingen, Frankfurt, Freiburg, Kassel, Köln, Leipzig, Lübeck, Lünen, Mainz, Mülheim an der Ruhr, Pforzheim, Potsdam, Schiffdorf, Schwerte, Stuttgart, Teltow, Waiblingen, Waldburg

Zu unseren Petitionen

Starten auch Sie eine Petition an Ihre Stadt. So gehts:

Kontakt

Copyright: © DUH / Heidi Scherm

Dorothee Saar
Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
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