Feinstaubbelastung an Silvester

Feuerwerkböllerei in belasteten Städten stoppen

Der Jahreswechsel wird traditionell mit viel Feuerwerk und Knallerei gefeiert. Innerhalb kürzester Zeit werden nicht nur horrende Geldsummen, sondern auch Unmengen an Schwarzpulver in die Luft katapultiert und sorgen für einen unmittelbaren und enormen Anstieg der Feinstaubbelastung in der Umgebungsluft.

In nur wenigen Stunden werden bis zu 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Dies entspricht etwa 16 Prozent der gesamten jährlichen Feinstaubmenge, die im Straßenverkehr entsteht. Je nach Wetterlage ist die Feinstaubkonzentration über viele Stunden hinweg so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Dazu sind toxische Substanzen aus den Feuerwerkskörpern eine zusätzliche Belastung. Der erste Tag im Jahr ist somit vielerorts mit Stundenwerten von über 1000µg PM10/m3 belastet.

„Wir wollen ein Silvester, bei dem alle gemeinsam feiern können – ohne unnötige Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub, Müll und gefährliche private Böllerei.“

Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, zum Schutz der Gesundheit einen Tagesmittelgrenzwert von 50 µg PM10/m3 an höchstens drei Tagen im Jahr zu überschreiten sowie einen Jahresgrenzwert von 20 µg/m3. In Deutschland wird der WHO-Grenzwert in zahlreichen Kommunen überschritten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert deshalb, in Städten mit hoher Feinstaub-Belastung Alternativen zu privatem Feuerwerk festzulegen.

Häufig gestellte Fragen

Im ersten Schritt hat die Deutsche Umwelthilfe bei 31 Städten mit einer durchschnittlichen Feinstaubbelastung von 20 µg/m3 und mehr im Jahr 2018 ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke in Innenstädten beantragt. Die formalen Anträge richteten sich zunächst an jene Städte, in denen bereits Rechtsverfahren zur „Sauberen Luft“ anhängig sind. Im zweiten Schritt hat die Deutsche Umwelthilfe einen formalen Antrag auf das Verbot von privaten Silvesterfeuerwerken bei allen weiteren deutschen Kommunen gestellt, die den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwert von 20 µg/m3 für Feinstaub (PM10) im Jahr 2018 nicht eingehalten haben. Diesen Wert hat die WHO bereits 2005 als Grenzwert empfohlen, um die gesundheitsschädigende Wirkung durch Feinstaub zu verringern.

Zum Jahreswechsel werden durch Feuerwerkskörper innerhalb weniger Stunden knapp 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Dies entspricht etwa 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge. Feinstaub ist ein Luftschadstoff mit massivsten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Besonders betroffen sind Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen wie Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen, sowie Schwangere und Kinder. Die Weltgesundheitsorganisation betont, dass selbst unterhalb des von ihr empfohlenen Jahresmittelgrenzwertes von 20 µg PM10/m3 negative gesundheitliche Wirkungen nachgewiesen werden können. Die Air Quality Guideline der WHO, in welcher Empfehlungen zur Grenzwertbestimmung enthalten sind, wird voraussichtlich 2020 veröffentlicht und der empfohlene Grenzwert für PM10 weiter herabgesetzt.

Eine deutliche Mehrheit in Deutschland hat sich für ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke ausgesprochen. Laut einer Umfrage sind knapp 60 Prozent für ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke in deutschen Innenstädten. Dies ergab eine Onlineerhebung von YouGov mit 1273 befragten Personen.

Weniger dreckige Luft: Es werden weniger schädliche Luftschadstoffe freigesetzt. Feinstaub ist massiv gesundheitsschädlich. Es gibt keine Unbedenklichkeitsgrenze, darum muss jede Maßnahme ergriffen werden, um die Belastung zu senken.

Weniger Müll und damit mehr Umweltschutz: In der Silvesternacht entstehen innerhalb von kürzester Zeit riesige Müllmengen. Allein in den fünf größten deutschen Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main) wurden zum Jahreswechsel 2017 rund 191 Tonnen Silvesterabfall produziert.

Weniger Verletzungen und Unfallrisiken: Die Notaufnahmen sind jedes Jahr zu Silvester voll. Der falsche Umgang mit Böllern und Raketen führt zu teils schweren Verletzungen, oft sind Kinder die Opfer. Aus Angst vor Böller und Raketen, verlassen unzählige Menschen das Haus nicht mehr oder flüchten aus der Stadt.

Weniger Sachschäden: Vor allem das Brandrisiko erhöht sich an Silvester schlagartig. Der Tagesspiegel berichtet, dass es in der Neujahrsnacht 2019 allein 400 Bränden in Berlin gab. Doch nicht nur das innerstädtische Risiko ist groß. Durch die zunehmende Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr.

Weniger Lärm: Viele fühlen sich von dem Lärm rund um den Jahreswechsel stark beeinträchtigt.

Unser Ziel ist es, Städten und Ländern, die ohnehin unter einer hohen Luftbelastung leiden, Möglichkeiten aufzeigen, wie sie den Feinstaubausstoß an Silvester verringern können. Ein Rechtsgutachten im Auftrag der DUH belegt, dass juristische Möglichkeiten für Städte und Länder gegeben sind, um in belasteten bzw. gefährdeten Innenstadtbereichen die private Silvester-Böllerei zu verbieten. Das Gutachten können Sie hier einsehen.

Zu den bereits gegebenen rechtlichen Möglichkeiten fordert die DUH eine Änderung des Bundesimmissionsschutzrechts beziehungsweise Änderungen in der 1. Sprengstoffverordnung, die es den zuständigen Behörden ermöglichen, allgemeine und großräumige Verbote für Knall- und Feuerwerkskörper (pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F2) nach deren Ermessen zu verhängen.

Immer mehr Städte gehen zu ganz anderen feinstaubfreien Techniken über wie etwa Turin, Paris, Graz oder Brüssel. Ohne Lärm und gesundheitsschädlichen Feinstaub werden Lichter an den Himmel gezaubert, die die Menschen begeistern und die richtige Stimmung für eine Silvesternacht bereiten. Auch in deutschen Städten finden Licht- und Lasershows immer größeren Anklang, wie etwa in Landshut. 2018 wurden jegliche Feuerwerke in der Innenstadt verboten, stattdessen wurde eine Laser- und Lichtshow geboten.

Dies ermöglicht auch Menschen, die aus Angst vor Raketen und Böllern die Innenstadt in den Jahren zuvor nicht mehr betreten haben, sich wieder vor die Tür zu trauen, gemeinsam mit anderen das neue Jahr zu feiern und das Laser- und Lichtspektakel zu bestaunen. Auch weitere Städte, wie beispielsweise München, überlegen zukünftig eine Licht- und Lasershow anzubieten.

Auch die Durchführung professioneller und zentral organisierter Feuerwerke beeinträchtigt die Luftqualität wesentlich weniger als die private Böllerei. Wenn Alternativen nicht in Frage kommen, kann ein zentrales und professionelles Feuerwerk für eine schöne Stimmung am Jahreswechsel sorgen. Es ist nicht nur sicherer, sondern belastet die Umwelt auch weniger, da hier ausschließlich professionelle und legale Feuerwerksbatterien zum Einsatz kommen. Auch die anfallende Menge an Abfall ist durch ein zentrales Angebot deutlich geringer.

Laut einer aktuellen Studie des Umweltbundesamts werden 4.500 Tonnen Feinstaub zu Silvester freigesetzt, wenn man sich an den offiziellen Verkaufszahlen orientiert. Die Dunkelziffer liegt angesichts der nicht in Deutschland gekauften, aber gezündeten Feuerwerkskörper wohl deutlich höher, darauf verweist auch das Umweltbundesamt. Daher rechnet die DUH mit 5.000 Tonnen freigesetztem Feinstaub.

Das Feiern von Silvester mit Feuerwerkskörpern und Böllern hinterlässt riesige Mengen an Müll. Allein zum Jahreswechsel 2017 wurden über 38.000 Tonnen an Feuerwerk verkauft. In den fünf größten deutschen Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main) haben kommunale Unternehmen zum Jahreswechsel 2017 rund 191 Tonnen Silvesterabfall entsorgt. Dabei handelt es sich nur um einen Bruchteil der mehreren zehntausend Tonnen Müll, der tatsächlich anfällt. Ein großer Teil der Feuerwerküberreste landet auf Grünflächen, in Gewässern oder Waldgebieten, wo sie entweder gar nicht oder nur mühsam und unvollständig eingesammelt werden.

Neben den Unmengen an Plastik und Pappe – oft bedruckt mit giftigen Druckfarben – sind vor allem die enthaltenen Schwermetalle und Schadstoffe hochproblematisch. Darunter sind viele Stoffe, die eigentlich als Sondermüll entsorgt werden müssten. Beispielsweise wird die Farbe Grün oft mit Bariumnitrat sowie Rot mit Strontium Nitrat erzeugt. Verstärkt werden die Farben immer wieder indem der Kunststoff PVC zugesetzt wird, der bei der Verbrennung – insbesondere in Gegenwart der vorgenannten Metallsalze – wiederum hochgiftige Dioxine freisetzt. Es verbleiben Rückstände des Plastiks in der Umwelt, die als Mikroplastik in die Böden, Wasser- und Nahrungskreisläufe gelangen. Abgebrannte Feuerwerkskörper enthalten zudem diverse Chemikalien, die durch Regenwasser gelöst werden und sich dadurch in Böden und Gewässern festsetzen.

Auch Licht- und Lasershows haben eine Umweltwirkung, beispielsweise durch kurzzeitige Lichtverschmutzung. In vielerlei Hinsicht sind sie aber wesentlich weniger schädlich für die Umwelt sowie Tierwelt und damit die bevorzugte Alternative zu Böllern und Feuerwerken für den Start ins neue Jahr: Allein die Vermeidung des Abfalls und der Rückstände abgebrannter Feuerwerkskörper haben eine positive Auswirkung auf die ökologische Bilanz. Gleichzeitig verringern sich durch Licht- und Lasershows die Lärm- und Luftschadstoffimmissionen stark - ein positiver Effekt für Menschen und Tiere. Der notwendige Stromverbrauch ist bei moderner Laser- und Lichtertechnologie gering und kann aus regenerativen Quellen bezogen werden.

Kommunen haben bereits gewisse Möglichkeiten, um private Feuerwerke einzuschränken oder zu verbieten. Die rechtlichen Möglichkeiten der Einschränkung bzw. des Verbots sind bisher allerdings begrenzt. Zu dieser Sachlage hat die DUH ein Gutachten in Auftrag gegeben, das hier einsehbar ist. Mit den Petitionen wollen wir Menschen die Möglichkeit geben, sich für Einschränkungen bzw. für Verbote von Feuerwerk auf kommunaler Ebene einzusetzen. Dadurch wollen wir gemeinsam mit den Petenten und Petentinnen kommunale Entscheidungsträger erreichen, damit diese sich zum einen für Verbote in ihrer Kommune einsetzen, zum anderen aber auch weitere rechtliche Möglichkeiten auf Bundesebene einfordern, um den Kommunen vor Ort Beschränkungen oder Verbote zu erleichtern.

Ein Movement, übersetzt „Bewegung“, ist eine Art übergeordnete Petition, die Petitionen zum gleichen Thema mit unterschiedlichem, zum Beispiel kommunalem Fokus, bündelt und die Unterschriften aller Einzelpersonen zusammenzählt. In diesem Fall werden alle Unterschriften der einzelnen Petitionen für ein Verbot von Feuerwerk vor der eigenen Haustüre gebündelt und zusammengezählt. Damit erhält das gemeinsame Anliegen ein entsprechendes Gewicht. Am Ende bekommt die Bundesregierung ein Bild davon, wie groß die Unterstützung für die Ausweitung von Feuerwerkverboten in ganz Deutschland ist und damit auch die Notwendigkeit ist, eine Gesetzesänderung auf Bundesebene zu veranlassen, damit die betroffenen Kommunen handlungsfähig werden.

Mit den Petitionen wollen wir den Kommunen, den Ländern und dem Bund aufzeigen, dass eine gemeinsame große Bewegung auf allen Ebenen sich für Feuerwerkverbote einsetzt. Wir fordern, dass Feuerwerke in dicht besiedelten Gebieten gestoppt werden und dass die rechtlichen Möglichkeiten für Kommunen, Feuerwerk einzuschränken oder zu verbieten, ausgedehnt werden.

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