Pressemitteilung

Nach Feuerwerks-Entscheidung von Bund und Ländern: Deutsche Umwelthilfe fordert Städte zu flächendeckenden Böller-Verbotszonen und den Handel zum Verkaufsstopp von Pyrotechnik auf

Mittwoch, 25.11.2020

• DUH-Bundesgeschäftsführer Resch: „Bund und Länder wälzen das auch von ihnen als notwendig betrachtete Silvester-Böllerverbot auf Städte und Gemeinden ab,“

• Immer mehr Ärzteverbände und Klinikchefs und 64 Prozent der Bundesbürger unterstützen die Forderung der DUH nach einem flächendeckenden Verbot

• Deutsche Umwelthilfe hat alle größeren Handelsketten aufgefordert, bis Freitag zu erklären, ob sie die Empfehlung der Bundesregierung ernst nehmen und entscheiden, keine Pyrotechnik zu verkaufen

© Volker Schlichting/Fotolia

Berlin, 25.11.2020: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die laut Medienberichten gefallene Entscheidung von Bund und Ländern, Silvesterfeuerwerk nur auf belebten Straßen und Plätzen zu untersagen und ansonsten nur den Verzicht auf Böller zu empfehlen, anstatt Pyrotechnik klar bundesweit zu verbieten.

Dazu Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Bund und Länder haben heute versäumt, für die Saubere Luft und zum Schutz der Rettungskräfte und des medizinischen Personals ein klares Verkaufs- und Anwendungsverbot von Silvesterknallern und Raketen zu beschließen. Das ist mutlos und schwach. Und es ist umso unverständlicher, als zwei Drittel der Bundesbürger ein solches Verbot unterstützen und immer mehr Klinikchefs und Unfallärzteverbände dies fordern. Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten wälzen ihre Verantwortung einfach auf andere ab.“

Denn in der Folge müssen sich nun 11.092 Städte und Gemeinden mit dem Thema beschäftigen. Sie sollen laut Beschluss offenbar entscheiden, auf welchen „belebten“ Straßen und Plätzen ein Verbot gelten soll. Die DUH fordert nun alle Kommunen auf, Klarheit und Sicherheit zu schaffen und direkt flächendeckende Böllerverbote in Städten und Gemeinden umzusetzen. Gleichzeitig fordert die DUH von den Handelsunternehmen, der Verzichtsempfehlung der Regierung durch einen Verkaufsstopp für Silvesterraketen und Böller zu folgen.

„Es ist bedauerlich, dass die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten nicht selbst stark agieren. Aber mit der klaren Empfehlung zum Verzicht ruft sie andere auf, zu handeln. Erste Städte wie Regensburg, Berlin und Frankfurt am Main haben bereits kommunale Verbote auf den Weg gebracht. Die DUH fordert nun die verbliebenen mehr als 11.000 Städte und Gemeinden auf, diesen Beispielen zu folgen und flächendeckende Verbote auszusprechen. Den Handel rufen wir dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und kein Feuerwerk zu verkaufen. Eine Überlastung des medizinischen Personals durch die zahlreichen Verletzten durch Pyrotechnik und die Belastung der Atemluft mit gesundheitsschädlichem Feinstaub gilt es in der Corona-Pandemie unbedingt zu vermeiden“
, so Resch weiter.

Zahlreiche Politiker, Ärzte und nach einer aktuellen Umfrage 64 Prozent der Bürger unterstützen die DUH-Forderung nach einem Böllerverbot. Zum Jahreswechsel droht nach Ansicht der DUH, von Klinikchefs und Unfallchirurgen vielerorts ansonsten eine Überlastung von Kliniken und medizinischem Personal aufgrund der jährlich vielen tausend teils schweren Verletzungen durch Pyrotechnik bei gleichzeitig hoher Belegungsrate mit Covid-19-Patienten.

Positive Entwicklungen zeigt die bereits seit Herbst laufende Kampagne der DUH, Handelsunternehmen zu einem freiwilligen Verkaufsverbot zu bewegen. Neben einzelnen Rewe- und Edeka-Händlern haben sich Baumarktketten wie Hornbach und Anfang dieser Woche nun auch Bauhaus dazu bekannt, in diesem Jahr in ihren Filialen keine Feuerwerkskörper zu verkaufen. Die DUH hat nach Verständigung aller Bundesländer, den Bürgern ein Verzicht auf Silvesterfeuerwerke zu empfehlen, die großen Handelsunternehmen nochmals angeschrieben und wird an diesem Freitag den 27. November eine aktualisierte Übersicht über das Verhalten der Handelsunternehmen veröffentlichen.

In der vergangenen Woche hatte die DUH bei Bundesinnenminister Seehofer und Bundesgesundheitsminister Spahn formell beantragt, ein umfassendes Verbot von Pyrotechnik zum Jahreswechsel 2020/21 auszusprechen.

Hintergrund:

Die DUH hatte im Herbst dieses Jahres den Einzelhandel dazu aufgerufen, auf den Verkauf von Pyrotechnik zu Silvester zu verzichten. Von den mehr als 50 angesprochenen Handelsketten (Baumärkte, Discounter und Einzelhändler) haben erfreulicherweise zwischenzeitlich acht erklärt, keine Pyrotechnik zu verkaufen. Sie erhalten von der DUH dafür die ‚Grüne Karte‘. Dazu zählen die Baumarktketten Hornbach, Bauhaus, die Raiffeisen Waren GmbH und K + K Klaas & Kock sowie Agravis Baustoffhandel, tedox KG, Landfuxx und der Stabilo Werkzeugfachmarkt.

Von Seiten der Politik, des Gesundheitswesens und der Gesellschaft erhält die DUH eine immer breitere Unterstützung. So haben sich Politiker wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Herbert Reul, CDU-Innenminister von Nordrhein-Westfalen der DUH-Forderung nach einem Böllerverbot angeschlossen. Eine starke Unterstützung kommt gerade von den beiden besonders betroffenen Unfallärzte-Fachverbänden: der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Kuffer und die Partei Bündnis 90/die Grünen in Berlin fordern diesen Schritt. Erst diese Woche haben sich zudem Chefärzte aus Essen und Dortmund für ein Verbot der Silvester-Böllerei ausgesprochen, um Kliniken und Personal zu entlasten.

Seit Jahren ist bekannt, dass am ersten Tag des neuen Jahres die Luftbelastung mit gesundheitsgefährdendem Feinstaub vielerorts so hoch ist wie sonst im ganzen Jahr nicht. An keinem anderen Tag im Jahr überschreiten so viele Messstationen in Deutschland die Tagesmittelwerte von 50 µg/m³. Dass gerade dieses Jahr die Luftqualität von entscheidender Bedeutung ist, machen Studien u.a. des Max-Plancks-Instituts deutlich. Die Forscher und Forscherinnen stellen einen klaren Zusammenhang zwischen Luftbelastung insbesondere mit Feinstaub und einem erhöhten Sterberisiko im Falle einer Covid-19-Infektion her.

Links:

Kontakt:

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de

DUH-Pressestelle:

Matthias Walter, Marlen Bachmann, Thomas Grafe
030 2400867-20, presse@duh.de

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