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100% Elektromobilität auf der Schiene bis 2035

Für Klimaschutz und Verkehrswende braucht Deutschland endlich einen verbindlichen Fahrplan für 100 Prozent Elektromobilität auf der Schiene

Wenn in Deutschland von Elektromobilität gesprochen wird, geht es meist um Elektroautos auf der Straße. Dabei ist die Schiene die effizienteste Form des elektrischen Verkehrs. Trotzdem kommt die Elektrifizierung des Schienennetzes kaum voran: Nur 62,5 Prozent des bundeseigenen Schienennetzes sind elektrifiziert. 2024 wurden auf der Schiene laut Umweltbundesamt noch immer mehr als 340.000 Tonnen Dieselkraftstoff verbraucht – genug, um rund acht Millionen Diesel-Autos vollzutanken. Währenddessen ist die Schweiz bereits seit der Jahrtausendwende vollständig elektrisch auf der Schiene unterwegs. 

DUH-Kampagne „Lückenschluss“

Wir setzen uns dafür ein, dass die deutsche Bundesregierung ein Elektrifizierungskonzept mit jährlichen Zwischenzielen verabschiedet und mit ausreichend finanziellen Mitteln absichert. Nur so kann die Abhängigkeit vom Diesel auf der Schiene beendet und das Schienennetz gleichzeitig klimafreundlicher, leistungsfähiger und resilienter gemacht werden.

Unsere „Lückenschluss“-Strecken zeigen beispielhaft, wo im deutschen Schienennetz Elektrifizierung notwendig ist. Einige dieser Elektrifizierungslücken sind besonders wichtig für den grenzüberschreitenden Verkehr, etwa die Verbindung von Dresden über Görlitz nach Polen. Andere zeigen die Notwendigkeit der Elektrifizierung in der Fläche, etwa der 86 km lange Abschnitt Gau-Algesheim – Neubrücke auf der insgesamt 180 km langen, wichtigen Strecke Mainz – Saarbrücken. Auf Stichstrecken kann auch der Batteriebetrieb eine sinnvolle und schnell umsetzbare Alternative sein, etwa im Nürnberger Dieselnetz zwischen Wassertrüdingen und Gunzenhausen.

  • Bodenseegürtelbahn: Radolfzell – Friedrichshafen
  • Ostbahn: Berlin – Küstrin (Grenze Deutschland/Polen)
  • Münster – Gronau (Grenze Deutschland/Niederlande)
  • Dieselnetz Nürnberg
  • Schönebeck-Bad Salzelmen – Blankenheim
  • Oldenburg – Osnabrück
  • Nahetalbahn: Gau-Algesheim – Neubrücke
  • Dresden – Görlitz (Grenze Deutschland/Polen) – Horka
  • Cottbus – Forst (Lausitz) (Grenze Deutschland/Polen)
  • Zollernalbbahn: Tübingen – Sigmaringen

Vier unserer Lückenschluss-Strecken führen an Grenzen. Das ist kein Zufall, denn dort ist die Lage besonders kritisch. Nach Polen und Tschechien sind nur drei der insgesamt 24 Grenzübergänge elektrifiziert. Solche Abschnitte ohne Oberleitung, sogenannte Dieselinseln, verhindern durchgehende Verbindungen und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit des Schienenverkehrs. Infolgedessen verlagert sich Verkehr auf die Straße – das sorgt für mehr Flächenverbrauch und mehr Emissionen.

Was bringt eine Elektrifizierung?

Ein vollständig elektrifiziertes Schienennetz ist ein zentraler Baustein für Klimaschutz, saubere Luft und eine starke Bahn. Nicht elektrifizierte Strecken werden mit Dieselzügen betrieben. Die Umstellung auf elektrischen Schienenverkehr verbessert daher unmittelbar die Luftqualität.

Die derzeitige Umstellung auf HVO 100 löst die Probleme der Dieselinseln hingegen nicht. Der aus pflanzlichen oder tierischen Ölen und Fetten hergestellte Treibstoff wird von der DUH als keineswegs klimafreundlich eingestuft. Zudem ist HVO 100 dem elektrischen Antrieb hinsichtlich Effizienz, Leistungsfähigkeit und Betriebskosten genauso unterlegen wie fossiler Diesel und ersetzt dementsprechend keine Oberleitung.

Elektrische Züge sind leistungsfähiger, effizienter und im Betrieb günstiger. Nebenstrecken unter Oberleitung schaffen zusätzliche Ausweichrouten und machen das Netz resilienter. Das wiederum reduziert Zugausfälle und Verspätungen und stärkt die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene.

Kontakt

Copyright: © Finke / DUH

Robin Kulpa
Bereichsleitung Verkehr und Luftreinhaltung
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