Fischfangmethoden in der Nordsee
Bis zum Jahr 2020 soll sich die Nordsee, wie auch die anderen europäischen Meere, nach Maßgabe der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie in einem guten Umweltzustand befinden. Doch davon sind wir weit entfernt.
Aktuell wird der deutschen Nordsee und der überwiegenden Mehrheit ihrer einzelnen Merkmale, darunter etwa Lebensräume und Fischbestände, kein gutes Umwelt-Zeugnis ausgestellt. Die negativen Auswirkungen der Fischerei auf die Meeresumwelt hängen stark davon ab, welche Fangtechnik zu welcher Zeit in welchem Gebiet eingesetzt wird.
„Guter Umweltzustand“ der Nordsee durch Reformen
Die jüngste Reform des europäischen Fischereimanagements im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) gilt seit Anfang 2014 und leitet eine dringend notwendige Kehrtwende ein. Mit ihr soll und kann eine Erholung der Fischbestände und eine insgesamt naturschonende Fangpraxis erreicht werden. Mit der konsequenten Umsetzung von EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) und GFP-Reform können zum einen die wirtschaftliche Existenz der Nordseefischerei gesichert und zum anderen die Fischbestände und die reiche Meeresnatur der Nordsee in ihrer Vielfalt bewahrt werden.
Wichtige Zielarten in der Nordseefischerei
In der deutschen Nordseefischerei gehören Krabben (Nordseegarnelen), Seelachs, Kabeljau und Miesmuscheln zu den wichtigsten Zielarten. In der Frischfisch-Fischerei spielt die Fischerei auf Plattfische eine große Rolle. Wichtige Fangmethoden sind die Baumkurren-Fischerei zum Fang von Nordseegarnelen und Plattfischen sowie die Scherbrett-Grundschleppnetzfischerei, z. B. zum Fang von Seelachs. Schwarmfische im freien Wasser wie Hering, Makrele, Stöcker oder Sprotte werden mit pelagischen Schleppnetzen gefangen. Grundstellnetze dienen u. a. zum Fang von Kabeljau und Plattfischen.
Ökologisch problematische Fangmethoden
Viele dieser Fangmethoden sind aus Sicht des Naturschutzes problematisch. Insbesondere wirken sich grundberührende aktive Fanggeräte (Baumkurren und Scherbrett-Grundschleppnetze) mit Kurrbäumen oder Scherbrettern und Scheuchketten oder Rollen nachteilig auf die Flora und Fauna des Meeresbodens aus. Bei diesen Methoden tritt ein hoher Beifang von Fischen (Jungfischen und ungewollt gefangene Fische, sog. Nicht-Zielarten) und Wirbellosen auf. Passive Fangmethoden wie Stellnetze wiederum führen in erheblichem Ausmaß zu Beifang von Seevögeln und Schweinswalen. Insbesondere in den marinen Natura 2000-Gebieten sind die genannten Fangmethoden als problematisch zu bewerten.
Fangmethoden auf dem Weg zu einer guten Praxis in der Fischereitechnik
Jede Fangmethode unterliegt ökonomischen sowie ökologischen Anforderungen. Nur selten gelingt es, alle Anforderungen gleichermaßen zu erfüllen. Alternative Fangmethoden zum Ersatz von Baumkurren und Scherbrett-Grundschleppnetzen, die den Bodenkontakt und damit den Einfluss auf Bodenlebewesen und deren Lebensräume minimieren können, müssen vermehrt eingesetzt und weiterentwickelt werden. Einige Modifikationen grundberührender Fanggeräte werden bereits heute in der Fischerei eingesetzt. Andere befinden sich noch im Versuchsstadium.
In der DUH-Broschüre „Lebendige Nordsee – Beispiele für vorbildliche Fangmethoden und ihre Anwendbarkeit auf den Nordseeraum“ werden verschiedene naturverträglichere Fangmethoden vorgestellt und bewertet, wie beispielsweise das HydroRig, Sumwing, pelagische Scherbretter, die scherbrettlose Grundtuckfischerei, leichteres Netzmaterial, selektivitätssteigernde Maßnahmen wie Siebnetze, Sortiergitter und Fluchtfenster.
Weitere Informationen zur Nordseefischerei und zu naturverträglicheren Fangmethoden finden Sie hier.