Deutsche Umwelthilfe begrüßt Wachstum ehrlicher Carsharing-Konzepte, warnt aber vor der Subventionierung von ‚Free Floating‘ Mietauto-Firmen

Donnerstag, 23.02.2017
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Zur wachsenden Zahl stationsunabhängiger Carsharing-Fahrzeuge in Großstädten sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe:

Carsharing hat das Potenzial, die Anzahl privat zugelassener Autos zu reduzieren und zur verstärkten Nutzung auch des ÖPNV beizutragen. Leider missbrauchen manche Firmen den Begriff „Carsharing“ und werben mit umweltfreundlicher, flexibler Mobilität, ohne dieses Versprechen aber einzuhalten. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass diese von den Automobilkonzernen Daimler, BMW und Citroen betriebenen Mietwagen-Unternehmen nun auch massiv aus Steuermitteln gefördert werden sollen.

Den Begriff „Carsharing“ kennen wir von Unternehmen wie Flinkster, die die ihre Autos an zentralen Orten zur Verfügung stellen. In den vergangenen Jahren ist nun eine andere Form der Autovermietung hinzugekommen, die ebenfalls den Begriff „Carsharing“ nutzt. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um „Kurzzeit-Mietwagen“, die in wenigen deutschen Großstädten als ‚Free floating‘ Carsharing um Kunden werben und nach erklärter Absicht des Bundesumweltministeriums in Berlin zukünftig massiv öffentlich gefördert werden sollen. Betrieben werden diese innerstädtischen Mietwagen-Angebote von den drei Autokonzernen Daimler (Car2go), BMW (Drive now) und Citroen (Multicity). Besonderheit dieser Angebote ist die Verteilung ihrer Kurzzeit-Mietwagen in der ganzen Stadt und das Angebot an den Nutzer, das Fahrzeug wiederum auf einem freien Parkplatz abzustellen.

Die wachsende Zahl stationsunabhängiger Carsharing-Fahrzeuge in Großstädten ist aus unserer Sicht bedenklich für die Umwelt und die Gesundheit der Bürger. Wir brauchen weniger, nicht mehr Autos in den hochbelasteten Innenstädten! Die Erfahrungen, die wir mit den Anbietern Car2go, Drive now und Multicity sehen, sind kontraproduktiv. Gäbe es sie nicht, würden viele Nutzer stattdessen mit Bus, Bahn oder Taxi fahren. Kommunen sollten solche Angebote nicht durch kostenlose Parkplätze oder ähnliche Vergünstigungen subventionieren. Das ist eine Verkaufsförderung für die Autoindustrie, die leider auf Mietwagentypen wie den Smart setzt, der durch seine besonders hohen Partikelemissionen die innerstädtische Luft vergiftet. Stattdessen sind Investitionen in Radwege, Busse und Bahnen dringend geboten. Auch Taxen dürfen nicht länger vernachlässigt werden. Statt weiterhin Diesel-Taxen freie Fahrt zu geben, ist es längst an der Zeit, auf Umwelt-Taxen mit Erdgas-, Benzinhybrid- oder Elektroantrieb umzustellen.

Die traditionellen, stationären Carsharing-Konzepte, die mit viel Herzblut und Pfiffigkeit gemacht sind, sind hingegen zu Recht erfolgreich – das zeigt sich an der niedrigen Quote von eigenen Fahrzeugen bei den Nutzern.

Und da uns immer wieder die Frage nach Elektroautos im Carsharing erreicht: Die bisherigen Versuche waren leider alles andere als überzeugend. Sie funktionieren bisher nicht ausreichend störungsfrei im ‚Free floating‘ Carsharing. 

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