Die Dienstwagen der deutschen Spitzenpolitiker im Klima-Check: Mehr Schein als Sein

>>> Umfrage Spitzenpolitiker 2019 <<<

Zum 13. Mal hat die Deutsche Umwelthilfe die Dienstwagen der deutschen Spitzenpolitiker auf Bundes- und Landesebene untersucht. In diesem Jahr wurden 237 Fahrzeuge unter die Lupe genommen. Erhoben wurden wie in den Jahren zuvor, Daten zum Spritverbrauch und zum CO2-Ausstoß der Dienstwagen. Das Ranking orientiert sich am CO2-Ausstoß im realen Fahrbetrieb. Doch welche Dienstwagen fahren Deutschlands Politiker? Und vor allem: Was kommt dabei „hinten raus“?

Die DUH-Dienstwagen-Checks

Politiker in Bund und Ländern, Vorstandsvorsitzende und Kirchenoberhäupter sind Vorbilder, wenn es um Umwelt und Klimaschutz geht. Wer sich für Klimaschutz einsetzt, selbst aber einen schweren „Spritfresser“ fährt, ist jedoch nicht glaubwürdig. Gehen die Verantwortlichen dagegen mit gutem Beispiel voran, untermauern sie damit ihre Bemühungen um den Klimaschutz. Die Deutsche Umwelthilfe untersucht und bewertet seit 2007 die Dienstwagen von Personen mit Vorbildfunktion.

Regelmäßig befragen wir die deutschen Spitzenpolitiker auf Landesebene und die Bundesregierung nach den Umweltdaten ihrer aktuellen Dienstwagen. Juristisch stützen wir uns dabei auf die Umweltinformationsgesetze des Bundes und der jeweiligen Länder. Die börsennotierten sowie ausgesuchte mittelständische Unternehmen sowie die deutschen Kirchenvertreter und ihre Hilfsorganisationen sind ebenfalls Teil unserer Dienstwagenabfragen. 

Bewertung der Dienstwagenabfragen

Wir stützen unsere Bewertung auf den durchschnittlichen CO2-Ausstoß in Gramm pro Kilometer (g/km) der Fahrzeuge bzw. Fahrzeugflotten, wobei seit 2018 die realen CO2-Werte der Fahrzeuge für das Ranking herangezogen werden. Grundlage ist der Bericht „From Laboratory to Road“ des unabhängigen Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation (ICCT). Bei den börsennotierten/mittelständischen Unternehmen bewerten wir zusätzlich deren Mobilitätsstrategie. Im Jahr 2018 haben wir erstmals auf die Vergabe von Karten verzichtet, denn unter Berücksichtigung der realen Verbrauchswerte hielt kein einziger Dienstwagen der Befragten den CO2-Grenzwert der EU von 130 g CO2/km ein.

Die Erkenntnisse aus dem Abgas-Skandal machen deutlich, dass alle Hersteller von Diesel-Pkw bei diesen Fahrzeugen illegale Abschalteinrichtungen verwenden. Dies führt dazu, dass die Abgasreinigung nur sehr eingeschränkt funktioniert und so deutlich mehr giftige Abgase in die Luft geraten, als vom Gesetzgeber erlaubt. Dies führt zu hohen Belastungen der Atemluft in vielen deutschen Städten. Dementsprechend werden Diesel-Dienstwagen rot gekennzeichnet und grundsätzlich abgewertet.

Kriterien für die Auswertung der Dienstwagenabfrage

  • Es gelten die aktuell genutzten Dienstwagen. Eventuell neu bestellte und während des Befragungszeitraumes eingesetzte Dienstwagen, werden noch in der Auswertung berücksichtigt.
  • Haben die Befragten mehrere Dienstwagen, wird das Fahrzeug mit dem höchsten CO2-Ausstoß gewertet.
  • Dienstwagen, deren Angaben aus Sicherheitsgründen nicht vollständig mitgeteilt werden dürfen, werden wie das entsprechende Basismodell bewertet.
  • Bei Plug-In-Hybriden und Elektrofahrzeugen werden die CO2-Emissionen der entsprechenden Antriebsaggregate ebenfalls bewertet. Das heißt: Der Stromverbrauch des Fahrzeugs wird anhand des aktuellen – vom UBA ermittelten – Emissionsfaktors (für 2018: 474 g/kWh) auf seine Klimaverträglichkeit hin überprüft. Er wird in die direkten CO2-Emissionen je kW-Stunde umgerechnet und aufgeführt. Grundlage für die Berechnung ist der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß des deutschen Strommixes.
  • Die Mobilitätsstrategie wird nach umfangreichen und umweltorientierten Maßnahmen hin untersucht: Geben die Befragten ambitionierte CO2-Obergrenzen vor? Werben sie im Unternehmen dafür, emissionsarme Fahrzeuge zu wählen? Beziehen sie in ihre Strategie alle Verkehrsträger mit ein?

Ab 2020 gilt ein neuer EU-Grenzwert für Neuwagenflotten von 95 g CO2 pro Kilometer. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wie es um die Vorbildfunktion bestellt ist. Die DUH wird weiterhin über diese Abfragen medialen Druck auf Politiker, Wirtschaftsunternehmen und Kirchenoberhäupter ausüben.

Kontakt

Copyright: © DUH / Heidi Scherm

Dorothee Saar
Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
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