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Viele Großstadtbewohner*innen sehnen sich nach mehr Grünflächen, mehr Bäumen, mehr Platz zum Spazieren und Radfahren - schlichtweg nach mehr Platz zum Leben. Diese Bedürfnisse werden von der Politik seit langem ignoriert.

Die Realität in Großstädten ist geprägt von schmutziger Atemluft, Dauerstaus, Parkplatzsuche, Lärm und kaum Platz für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Das sind die Folgen jahrzehntelanger automobilfreundlicher Politik.  

Gleichzeitig wurde der öffentliche Personennahverkehr kaputtgespart. Was wir jetzt brauchen: Platz für Fahrradverkehr, Fußgänger*innen, saubere Luft und einen zuverlässigen, günstigen, modernen und gut ausgebauten öffentlichen Verkehr mit Bus und Bahn. Allein ein Wechsel von Verbrenner- auf Elektroautos genügt nicht, um in Zukunft nachhaltig mobil sein zu können.  

Dass die Verkehrswende gelingen kann, zeigen aktuell viele europäische Städte: In Barcelona etwa gibt es die sogenannten „Superblocks“. Das sind mehrere benachbarte Wohnquartiere innerhalb derer Autos nur noch zu Gast sind. Nur Anwohner- und Lieferfahrzeuge dürfen hineinfahren, müssen sich aber den Platz mit den Fußgänger*innen teilen und ihre Geschwindigkeit entsprechend anpassen. Städte wie London, Brüssel und Paris haben ihr Radnetz in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und jährlich bis zu 40 km neue Radinfrastruktur geschaffen . Auch Gent und Oslo zeigen, wie Städte öffentlichen Raum zurückgewinnen können: Gent hält mit einem Verkehrsberuhigungsplan den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt heraus. Oslo hat im Rahmen seines „Car-free Livability Programme“ hunderte Straßenparkplätze im Zentrum abgebaut und die freiwerdenden Flächen unter anderem für Fußverkehr, Radverkehr, Sitzgelegenheiten, Grünflächen und mehr Stadtleben genutzt.

Mobil in der Stadt und auf dem Land  

Nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land muss die Mobilitätswende stattfinden. Ländliche Räume benötigen insbesondere einen attraktiven und besser ausgebauten ÖPNV mit attraktiven Anschluss- und Umsteigemöglichkeiten für andere Verkehrsträger wie Fahrräder oder E-Fahrzeuge, Radschnellverbindungen in die Stadtzentren und Sharingsystemen. Damit Menschen auch ohne eigenes Auto verlässlich mobil sein können, braucht es gerade im ländlichen Raum eine Mobilitätsgarantie: Busse und Bahnen müssen regelmäßig, zuverlässig und mit guten Anschlüssen fahren – ergänzt durch flexible On-Demand-Verkehre (z.B. Rufbusse, Ride-Pooling ), Sharing-Angebote sowie attraktive Radinfrastruktur in Form von sicheren Radwegen, Fahrradmitnahme und Bike & Ride-Infrastruktur. Die notwendigen Maßnahmen für eine Verkehrswende in der Stadt und auf dem Land sind unterschiedlich, aber das Ziel ist das gleiche: Weg vom privaten Verbrenner und hin zu intelligenten, attraktiven und vernetzten Mobilitätssystemen.

Was muss die Politik jetzt tun?   

Die Politik muss umsteuern – schnell und grundlegend! Die Politik muss aufhören, Verkehrspolitik aus Sicht des Autos zu betrachten, sondern muss den Menschen in den Blick nehmen. Dabei haben alle Menschen ein Recht auf Mobilität, nicht jedoch auf für Klima und Umwelt besonders problematische Auto-Mobilität. Wir müssen als Gesellschaft anerkennen, dass Bus, Bahn und Fahrrad die wichtigsten Mobilitätsmittel für die Zukunft sind und nicht mehr das Auto.  <o:p></o:p>

 

Die oberste Priorität sollte im Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs liegen. Dazu gehört auch ein dauerhaft bezahlbares Deutschlandticket: Der Preis muss verlässlich unter 50 Euro bleiben. Für Menschen mit geringem Einkommen sowie für Kinder, Jugendliche, Auszubildende, Studierende und Seniorinnen und Senioren braucht es zusätzlich ein bundeseinheitliches, deutlich günstigeres Ticket. Mobilität darf nicht vom Geldbeutel abhängen. In den Städten muss eine Infrastruktur geschaffen werden, die es ermöglicht, Wege unter 10 Kilometern problemlos und sicher mit dem Fahrrad zurückzulegen. Der motorisierte Individualverkehr muss deutlich ausgebremst und die Autos aus den Innenstädten weitgehend herausgehalten werden. Dazu müssen Autofahrende den wahren Preis für ihre Mobilität zahlen. Die Autos, die wir in unseren dicht bebauten Innenstädten weiterhin zulassen, müssen in naher Zukunft lokal emissionsfrei sein.<o:p></o:p>

Kontakt

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Robin Kulpa
Bereichsleitung Verkehr und Luftreinhaltung
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