Unsere Testergebnisse 2017

Dienstwagen-Check unter deutschen Spitzenpolitikern: Wer fährt klimafreundlich?

Welche Dienstwagen fahren Deutschlands Politiker? Und vor allem: Was kommt dabei „hinten raus“? Klimaretter oder Klimakiller? Die DUH fragt nach im großen Dienstwagen-Check 2017.

Insgesamt 233 deutsche Bundes- und Landespolitiker hat die Deutsche Umwelthilfe im 11. Dienstwagen-Check 2017 befragt. Relevant waren hier sowohl die Antriebsart als auch die Höhe der offiziellen CO2-Emissionen der Autos. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist dieses Jahr Hamburg mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 114 g CO2/km, während Nordrhein-Westfalen mit extrem klimaschädlichen Dienstwagen hervorsticht (172 g/km) und den Freistaat Bayern (163 g/km) auf dem letzten Platz ablöst. Bei den Parteien ist erneut die CSU mit einem Flottendurchschnitt von 163 g CO2/km Schlusslicht – ganz im Gegensatz zu Bündnis90/Die Grünen, die als einzige Partei mit 126 g/km einen geringeren CO2-Ausstoß haben als im Durchschnitt die neuzugelassenen Pkw in Deutschland.

Mehr „Grüne Karten“ als bisher

Erfreulich ist, dass 2017 19 „Grüne Karten“ vergeben werden konnten (vgl. 2016: 8 „Grüne Karten“). Hierfür kamen Elektro-, Erdgas-, Benzin-Plug-In Hybride oder konventionelle Antriebe mit einem CO2-Ausstoß von unter 117 g/km in Betracht. Spitzenreiter ist Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel mit einem CO2-Ausstoß von 100 g/km. Allerdings fahren weiterhin 171 der 233 befragten Spitzenpolitiker die klimaschädlichen Dieselantriebe, welche wegen ihrer hohen Realemissionen von giftigen Stickoxiden generell keine „Grüne Karte“ bekommen.

Enttäuschende Bilanz bei den Regierungschefs der Länder

Die Dienstwagen der Regierungschefs der Länder weisen mit 179 g/km einen enttäuschend hohen CO2-Ausstoß auf. Elf der Länderchefs fahren Diesel-Limousinen; die Benzin-Dienstwagen von Volker Bouffier, Hannelore Kraft, Michael Müller und Horst Seehofer haben einen CO2-Ausstoß von je über 250 g/km. Nachdem die Bayerische Staatskanzlei 2016 noch die Herausgabe der Daten des Dienstwagens von Horst Seehofer verweigerte, bestätigte das Verwaltungsgericht München im Februar 2017 jedoch den Anspruch der DUH zur Herausgabe von Umweltdaten. Zusammen mit Ralf Jäger, Minister für Inneres und Kommunales aus Nordrhein-Westfalen, belegt Ministerpräsident Horst Seehofer mit seiner BMW 760Li High Security Limousine (303 g CO2/km) den letzten Platz des Gesamtrankings der Spitzenpolitiker. 

Von allen Mitgliedern des Bundeskabinetts hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mit ihrem Benzin-Hybrid mit 115 g CO2/km den sparsamsten Dienstwagen, während Bundesjustizminister Heiko Maas und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries dieselbetriebene Dienstwagen mit jeweils mehr als 159 g CO2/km fahren und somit die Schlusslichter bilden. Betrachtet man den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der gesamten Ministerien, belegen das Auswärtige Amt (122 g/km) sowie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (126 g/km) die obersten Plätze mit dem niedrigsten Verbrauch.

Reale CO2-Emissionen weichen zunehmend von Herstellerangaben ab

Durch die Verwendung illegaler Abschalteinrichtungen, Manipulationen an den Ausrollfahrzeugen und Verzicht des Kraftfahrt-Bundesamtes auf herstellerunabhängige CO2-Nachprüfungen, werden Autokäufer systematisch getäuscht. Der Mehrverbrauch hat sich bei gleichgebliebenem Testverfahren über die letzten 15 Jahre hinweg von neun auf mittlerweile 42 Prozent im Durchschnitt erhöht. Der International Council on Clean Transportation (ICCT) stellte bei den in der DUH-Dienstwagenumfrage vorkommenden Herstellern folgende Abweichungen fest: Mercedes-Benz 54 Prozent, Audi 49 Prozent, BMW 43 Prozent und VW mit 40 Prozent. Die DUH hat daher für den 11. Dienstwagen-Check die offiziellen CO2-Angaben mit einer Angabe zum Realverbrauch nach Marken in Prozent ergänzt. Um die Lücke zwischen Herstellerangaben und realen Verbräuchen zu schließen, hat die DUH eine von der Europäischen Kommission geförderte Informationskampagne „Get Real – für ehrliche Spritangaben“ gestartet.

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