Unsere Testergebnisse 2018

12. Dienstwagen-Check unter deutschen Spitzenpolitikern: Ein Schaufahren gegen den Klimaschutz

Welche Dienstwagen fahren Deutschlands Politiker? Und vor allem: Was kommt dabei „hinten raus“? Das Ergebnis: Unter Berücksichtigung der realen Verbrauchswerte hält kein einziger Dienstwagen der 236 Befragten den CO2-Grenzwert der EU von 130 g CO2/km ein. Auch der immer noch hohe Anteil an Diesel-Dienstwagen und spritdurstigen Plug-In-Hybriden ist aus Klimasicht nicht zu rechtfertigen. 

Die Diskrepanz zwischen den offiziellen CO2-Angaben der Hersteller und dem tatsächlichen CO2-Ausstoß auf der Straße liegt mittlerweile bei 42 Prozent. Das macht sich nicht nur im Geldbeutel bemerkbar, sondern ist auch eine echte Klimabelastung. Um zu verdeutlichen, wie klimaschädlich die Dienstwagen der Politiker tatsächlich sind, bewertet die DUH in diesem Jahr die realen CO2-Werte der Fahrzeuge. Grundlage ist der Bericht „From Laboratory to Road“ 2017 des unabhängigen Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation (ICCT). Danach betragen die durchschnittlichen Abweichungen bei den vom ICCT untersuchten Modellen von Audi 48 Prozent, bei BMW 46 Prozent, bei Mercedes-Benz 51 Prozent und bei VW 38 Prozent.

Ergebnisse der Dienstwagenflotte der Regierungschefs:

Ergebnisse der Dienstwagenflotte der Bundesminister:

Mit realen CO2-Emissionswerten zwischen 154 g CO2/km wie beispielsweise beim Dienstfahrzeug der Bildungssenatorin aus Bremen, Claudia Bogedan, bis zu erschreckenden 408 g CO2/km beim Fahrzeug von Berlins Regierungschef Michael Müller sind die Politiker noch weit von der EU-Vorgabe von 95 g CO2/km ab 2020 entfernt. Vor allem die unter dem Deckmantel „Elektromotor“ staatlich geförderten pseudo-ökologischen Plug-In-Powerlimousinen sind in Wirklichkeit besonders spritdurstig und leisten somit keinen Beitrag zum Klimaschutz. Im Vergleich der Bundesminister hat das Fahrzeug von Umweltministerin Svenja Schulze mit 200 g CO2/km den besten Wert eines Fahrzeugs ohne Dieselantrieb. Betrachtet man die Fuhrparke der Bundesministerien, reicht die Spanne von durchschnittlich 192 g CO2/km beim Innenministerium bis zu 231 g CO2/km beim Landwirtschaftsministerium.

Klimafreundliche Dienstwagen müssen her

Als alarmierend betrachtet die DUH die auf noch mehr Leistung und kürzere Beschleunigungszeiten ausgelegten Plug-In-Hybridantriebe in den hochmotorisierten Luxuslimousinen. Anstatt diese Technologie zur Minimierung des Spritverbrauchs auszulegen und möglichst lange rein elektrisch gefahrene Strecken zu ermöglichen, weichen die Normverbrauchsangaben bei dieser Antriebstechnik besonders stark von der Realität ab. Die DUH fordert die Bundes- wie Landespolitiker dazu auf, sich bei der Wahl ihrer Dienstwagen für saubere und gleichzeitig klimafreundliche Fahrzeuge zu entscheiden. Um die Lücke zwischen Herstellerangaben und realen Verbräuchen zu schließen, hat die DUH die Informationskampagne „Get Real – Für ehrliche Spritangaben“ (LIFE15 GIC/DE/029, Close the gap) gestartet. Sie wird im Rahmen des LIFE-Programms der EU-Kommission gefördert.

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