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Pressemitteilung

"Klimaschutz und Mieterschutz zusammendenken"

Freitag, 28.08.2020

Ein Interview mit Melanie Weber-Moritz, Bundesdirektorin Deutscher Mieterbund (DMB), und Barbara Metz, Stellv. Geschäftsführerin Deutsche Umwelthilfe (DUH), zum gemeinsamen Projekt "Mieterschutz trifft Klimaschutz".

© Finke / DUH

Das Projekt Mieterschutz trifft Klimaschutz ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen Umwelthilfe und des Deutschen Mieterbundes. Was ist Ziel des Projekts und wie kam es zur Zusammenarbeit?

Melanie Weber-Moritz, DMB:

In der Öffentlichkeit sind in den letzten Jahren immer wieder die Konflikte zwischen bezahlbarem Wohnen und Klimaschutz in Gebäuden thematisiert worden. Besonders in Ballungsräumen mit stark steigenden Mieten haben Mieterhöhungen in Folge von energetischen Modernisierungen teilweise dazu geführt, dass Mieter*innen sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten konnten. Nicht zuletzt dadurch hat die energetische Gebäudesanierung oft ein negatives Image in der Öffentlichkeit.

Barbara Metz, DUH:

Dieses negative Image der Gebäudesanierung wollen wir im Projekt angehen, denn sie eine sehr wichtige Rolle beim Klimaschutz spielt. Über 30 Prozent der CO2-Emissionen Deutschlands entstehen im Gebäudesektor.

Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe und des Deutschen Mieterbundes müssen diese beiden Aspekte, also bezahlbares und energieeffizientes Wohnen, daher zusammengedacht werden. Genau darauf zielt das Projekt „Mieterschutz trifft Klimaschutz“ ab: Gute Beispiele für sozialverträgliche energetische Sanierungen zu recherchieren und Lösungsansätze für diesen Konflikt zu entwickeln.

Warum gibt es Konflikte zwischen Klimaschutz in Gebäuden und bezahlbarem Wohnen?

Melanie Weber-Moritz, DMB:

Das liegt zunächst an der allgemeinen Entwicklung: Durch den Wegfall von Sozialwohnungen und den starken Bevölkerungszuwachs in Städten und Ballungszentren haben wir dort heute schon eine viel zu hohe Wohnkostenbelastung. Diese steigt häufig nach einer energetischen Modernisierung weiter an, was dann dazu führt, dass die Belastungsgrenzen der Mieter*innen erreicht bzw. überschritten werden. Dadurch ist die energetische Modernisierung für viele Mieter*innen zum Synonym für Verdrängung und „Herausmodernisieren“ geworden.

In der Praxis sehen wir Mieterhöhungen von 2-3 €/m² nach energetischen Modernisierungen und in Folge eine Erhöhung der Wohnkosten oft um 20-30 Prozent. Die erzielten Einsparungen bei den Heizkosten können diesen Anstieg häufig nicht ausgleichen – eine sogenannte Warmmietenneutralität wird also selten erreicht. Das bedeutet, dass die soziale Ungleichheit zunimmt, da vor allem niedrige Einkommensgruppen überproportional durch die Wohnkosten belastet werden. Hinzu kommt, dass Mieter*innen gesetzlich keinerlei Mitspracherecht haben, ob und in welchem Umfang saniert wird.

Warum ist die energetische Sanierung in Gebäuden so wichtig? sollte man nicht auf die energetische Sanierung von Gebäuden verzichten?

Barbara Metz, DUH:


Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen ganz deutlich, dass wir unsere CO2-Emissionen drastisch reduzieren müssen. Der Gebäudebestand trägt zu über 33 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland und zu 30 Prozent der CO2-Emissionen bei. Das heißt, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, darf der Gebäudebestand 2050 nahezu keine Emissionen verursachen. Das bedeutet, dass heute gebaute und sanierte Gebäude wegen der langen Investitionszyklen bereits diesem Ziel entsprechen müssen. Ansonsten müssten sie vor 2050 noch einmal saniert werden, was unnötige Mehrkosten und einen zusätzlichen Verbrauch an Ressourcen verursachen würde.

Auch die Erneuerbaren Energien werden nicht unbegrenzt verfügbar sein. Der Energieverbrauch von Gebäuden muss daher zunächst soweit wie möglich gesenkt und der restliche Bedarf dann über erneuerbare Quellen gedeckt werden.

Gleichzeitig weiß man aus der Forschung zur Energiearmut, dass einkommensschwächere Haushalte besonders häufig in energetisch schlechteren Gebäuden leben. Damit hier die Heizkosten nicht langfristig zur „zweiten Miete“ werden, müssen diese Gebäude energetisch erneuert werden – und das sozialverträglich.

Welche Lösungsansätze braucht es für eine sozialverträgliche Sanierung von Gebäuden?

Melanie Weber-Moritz, DMB:

Die Kosten für die energetische Modernisierung müssen fair zwischen öffentlicher Hand, Vermie-ter*innen und Mieter*innen aufgeteilt werden. Dafür fordern der Deutsche Mieterbund und die Deutsche Umwelthilfe, dass die Modernisierungsumlage von aktuell acht Prozent deutlich abgesenkt wird.  Zudem darf die Miete innerhalb von sechs Jahren um nicht mehr als 1,50€/m² erhöht werden. Im Gegenzug fordern wir aber, dass die Fördergelder für Eigentümer*innen deutlich erhöht werden, von heute ca. 3 Mrd. Euro pro Jahr auf 14 bis 25 Mrd. Euro pro Jahr.

Zudem muss auch mehr bezahlbarer Wohnraum besonders für einkommensschwache Haushalte geschaffen werden, das heißt mehr Wohnungen mit Sozialbindung sowie Förderung genossenschaftlichen und gemeinnützigen Wohnens.

Vielen Dank!

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