Erhaltet die biologische Vielfalt der Oder!

Die Oder ist ein Lebendiger Fluss – und das soll auch so bleiben!

Die Oder ist einer der letzten frei fließenden und naturnahen Flüsse in Europa. Flussbewohner können sich hier ungehindert in ihrem Lebensraum bewegen und auch wandern. Die biologische Vielfalt im und am Fluss ist dadurch besonders reichhaltig. Das macht die Oder so besonders: Als einziger großer Fluss in Mitteleuropa fließt sie auf 600 Kilometern ungehindert bis zur Mündung. An den meisten anderen Strömen behindern heute Schleusen und Wehre das freie Fließen.

Gemeinsam mit einer Reihe anderer Umwelt- und Naturschutzverbände – Deutscher Naturschutzring e.V., Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V., Naturschutzbund Deutschland e.V., World Wide Fund For Nature, Heinz Sielmann Stiftung und dem Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal e.V. – will die Deutsche Umwelthilfe erreichen, dass die Oder ihren naturnahen Zustand bewahren kann. Denn aktuell drohen ihr unter dem Vorwand des Hochwasserschutzes massive Eingriffe mit dem eigentlichen Ziel der polnischen Regierung, nämlich der Erhöhung der Schifffbarkeit.

Die Oder ist in Gefahr

Das deutsch-polnische „Abkommen über die gemeinsame Verbesserung der Situation an den Wasserstraßen im deutsch-polnischen Grenzgebiet“ wird einschneidende Auswirkungen auf die Oder haben. Es sieht eine „Aktualisierung der Stromregelungskonzeption für die Grenzoder“ vor, die stabile Fahrwasserverhältnisse insbesondere für den Einsatz der deutsch-polnischen Eisbrecherflotte sicherstellen soll. Die mittlere Wassertiefe soll dann überall bei mindestens 1,80 m liegen.

Kritisch sehen wir auch das aus Naturschutzsicht fragwürdige polnische „Odra-Vistula Flood Management Project“, das unter anderem vorsieht, dass das seit 70 Jahren unberührte Naturparadies des Zwischenoderlandes wieder genutzt werden soll. Es läuft seit 2015, wird von der Weltbank unterstützt und mit EU-Mitteln kofinanziert.

Die Verbändeallianz arbeitet gemeinsam mit der polnischen Koalition Rettet die Flüsse (Koalicja Ratujmy Rzeki) seit 2017 in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten deutsch-polnischen Projekt zum ökologischen Hochwasserschutz an der Oder. Wir möchten aufzeigen, wie sich der grenzüberschreitende Schutz vor Hochwasser angesichts der geplanten Vorhaben in Einklang mit der EU-Umweltgesetzgebung bringen lässt.

Hierfür haben wir zwei Gutachten beauftragt. Die Experten haben die vorliegenden Hochwasserschutzkonzepte analysiert und beurteilt, zeigen die ökologischen Folgen der Eingriffe auf und bieten schließlich Empfehlungen und Alternativen an. Mit diesen Ergebnissen möchten wir die Diskussion um den zukünftigen Hochwasserschutz an der Oder vorantreiben.

Kritik der Gutachten an den gegenwärtigen Oder-Hochwasserschutzkonzepten

  • Eine positive Wirkung im Sinne des Hochwasserschutzes ist durch die Stromregelungskonzeption und die Nutzung des Zwischenoderlandes nicht nur zweifelhaft. Die Ausbaupläne sind sogar kontraproduktiv für den Hochwasserschutz und widersprechen dem europäischen Naturschutzrecht.
  • Die geplanten Maßnahmen können das Ziel, eine mittlere Wassertiefe von 1,80 m für den Einsatz von Eisbrechern zu sichern, nicht erfüllen.
  • Ein – bei einem großen Flusssystem zwingend erforderlicher – ganzheitlicher Ansatz fehlt (z. B. bezüglich Maßnahmen zur Verbesserung des Rückhalts im Einzugsgebiet oder des Einsatzes alternativer Eisbrecher und Eisaufbruchmethoden).
  • Ein umfassendes multinationales Hochwasserrisikomanagement für die Oder ist unerlässlich.

Eine Zusammenfassung der Gutachten mit den Einschätzungen des Hochwasserschutzkonzepts, des Miedzyodrze-Ausbaus und der Stromregelungskonzeption sowie Empfehlungen und Alternativen können Sie hier herunterladen.

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