Wie umweltfreundlich verpacken Aldi, Lidl und Co.?

In welchem Discounter sind Obst und Gemüse am häufigsten verpackt? Welcher Supermarkt macht verpackungsarmes Einkaufen möglich? Wir haben bei zwölf großen Ketten den Verpackungscheck gemacht und nach fünf Jahren Bilanz gezogen.
Deutschland gehört in Europa mit 215 Kilogramm im Jahr 2023 zu den Spitzenreitern beim Verpackungsmüll.62 Prozent der Verpackungsabfälle, die zuhause weggeworfen werden, sind Verpackungen von Getränken und Nahrungsmitteln. Höchste Zeit also, dass Kund:innen beim Einkaufen im Supermarkt verpackungsarme Angebote gemacht werden. Wie viele Mehrwegflaschen stehen in den Regalen? Wo gibt es Käse unverpackt an der Frischetheke? Wir machen den Verpackungscheck bei 12 großen Supermarkt- und Discounterketten und stellen im vierten Jahr in Folge fest: bei den meisten Märkten gibt es noch viel Luft nach oben, bis müllfreies Einkaufen Standard ist.
Müllflut bei Supermärkten und Discountern – Biosupermärkte zeigen, wie Abfallvermeidung geht: Die Gesamtbilanz 2026
Bei stichprobenartigen Testbesuchen haben wir Verpackungen im Sortiment von Aldi Süd, Aldi Nord, Lidl, Penny, Norma, Netto Marken-Discount, Kaufland, Rewe, Edeka, Denns, Alnatura und Bio Company unter die Lupe genommen. Dabei konnte kein Discounter bei Abfallvermeidung und Ressourcenschonung überzeugen – sie alle haben von uns eine rote Karte erhalten, während sich die beiden Vollsortimenter Rewe und Edeka mit jeweils einer gelben Karte immerhin im Mittelfeld bewegen. Nur die Biosupermärkte schaffen im Gesamtergebnis eine grüne Karte und zeigen, dass weniger Verpackungen und mehr Mehrweg möglich und praktikabel sind.
Wir haben in 48 Testbesuchen (je 4 Märkte pro Kette) in Nord-, Ost- und Süddeutschland, von April bis August 2026 überprüft, welche Märkte Maßnahmen zur Verpackungsvermeidung umsetzen, etwa durch den Verkauf von unverpacktem Obst und Gemüse oder den Einsatz von Mehrwegverpackungen.
Wir haben 4 Kategorien getestet: Die Ergebnisse 2026
Jedes Jahr fallen in Deutschland über 100.000 Tonnen Verpackungsabfälle nur für Obst und Gemüse an, obwohl eine zusätzliche Verpackung oft völlig unnötig ist. Bei den besonders beliebten und robusten Sorten Tomaten, Gurken, Karotten, Paprika, Bananen und Äpfel haben wir untersucht, ob sie in den Testmärkten verpackt oder unverpackt angeboten wurden.
Das Ergebnis des DUH-Verpackungschecks für Obst und Gemüse ist, abgesehen von den Biosupermärkten, eine herbe Enttäuschung: die Hälfte der untersuchten Sorten sind verpackt. Insgesamt schnitten Discounter besonders schlecht ab. Vollsortimenter landeten überwiegend im Mittelfeld. Einzig Biosupermärkte überzeugten mit größtenteils unverpacktem Obst und Gemüse.
Pro Jahr fallen in Deutschland die unglaubliche Menge von 16,4 Milliarden Einweg-Plastikflaschen als Abfall an. Hinzu kommen rund 5,3 Milliarden Dosen und 5 Milliarden Getränkekartons. Die aktuelle Mehrwegquote für Getränkeverpackungen beträgt lediglich 34,5 Prozent. Das ist weit entfernt von der im Verpackungsgesetz festgelegten Mehrwegquote von 70 Prozent. Um herauszufinden, welche Beiträge die Supermärkte zur Erfüllung der Mehrwegquote leisten, wurden einerseits Zahlen zum Absatz sowie dem Anteil am Sortiment von Mehrweggetränkeverpackungen deutschlandweit von den 12 Supermarktketten abgefragt. Andererseits untersuchten DUH-Tester*innen, ob die besonders wichtigen Getränkesegmente Wasser, Saft, Softdrinks und Bier in den besuchten Filialen in Einweg- oder Mehrwegverpackungen angeboten wurden.
Das Ergebnis des DUH-Verpackungschecks für Getränke ist ernüchternd. Nur im Biohandel wird überwiegend Mehrweg angeboten. Wieder liegen die klassischen Supermärkte im Mittelfeld. Bei den Discountern gibt es Unterschiede – allerdings auf niedrigem Niveau: Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd setzen zu 100 Prozent auf Einweg. Netto Marken-Discount sticht hingegen unter den Discountern mit einer Mehrwegquote von 50 Prozent positiv hervor.
Erstmals haben wir in diesem Jahr auch die Weinregale nach Mehrwegflaschen abgesucht und nur welche in den Biomärkten gefunden: Dort lag die Mehrwegquote zwischen 4 und 10 Prozent. Um die Mehrwegquote bei Wein zu steigern, sollte das Angebot im Lebensmitteleinzelhandel in den kommenden Jahren deutlich ausgeweitet werden.
Im Schnitt konsumieren Deutsche rund 45 Liter frische Milch und 15 Kilogramm Joghurt im Jahr. Zum überwiegenden Teil werden diese Produkte jedoch in Einwegverpackungen abgefüllt. Der Mehrweganteil im Milchsegment (Frisch- und H-Milch) lag 2023 nur bei 2,2 Prozent. So entstehen jährlich riesige Verpackungsmüllberge.
Die Testergebnisse des Verpackungschecks für Frischmilch und Joghurt sind erschreckend: Ein vollständiges oder auch nur überwiegendes Mehrwegangebot erreichte keine der Ketten in den von uns untersuchten Filialen. Selbst bei den vorne liegenden Biomärkten wurde nur etwa ein Drittel der Produkte in Mehrweg angeboten. Mit etwas Abstand folgen die klassischen Supermärkte und mit nahezu keinem Mehrwegangebot schneiden die Discounter besonders schlecht ab. Bei Pflanzendrinks sieht es ähnlich aus: nur in den Biosupermärkten kann man sie in Mehrwegflaschen erhalten.

Das kürzlich veröffentlichte Kompendium von der Deutschen Umwelthilfe und dem Mehrwegverband Deutschland zeigt, dass ein Umstieg auf Mehrwegflaschen bei Speiseöl- und Essig großes Klima- und Ressourceneinsparpotenzial bietet. Im Lebensmitteleinzelhandel wird das Potenzial weiterhin nicht genutzt und dort lag der Mehrweganteil im Jahr 2023 bei unter einem Prozent. Dabei kann eine Umstellung auf Mehrweg jährlich rund 220 Millionen Einwegflaschen für Öl und 100 Millionen für Essig einsparen – das entspricht einem Gewicht von rund 60.000 Tonnen Verpackungsmüll
Ob Käse, Brot, Salat, Nudeln oder Kaffee: an Selbstbedienungs- und Frischetheken können mit Mehrweglösungen wie Kaffeebechern, Brotbeuteln oder wiederverwendbaren Dosen viele Verpackungen eingespart werden. Also haben wir an den Käse- und Wursttheken sowie Salattheken, bei Backwaren, Heißgetränken und für trockenes ‚Schüttgut‘ (Nudeln, Nüsse oder Müsli) geprüft, ob man sich die Waren in eigene Behältnisse abfüllen (lassen) oder nur vorverpackt kaufen kann.
Das Ergebnis: Vor Ort ausleihbare Mehrwegbecher und -boxen sind weiterhin die Ausnahme als der Standard – obwohl Supermärkte bereits seit 2023 gesetzlich verpflichtet sind, die zumindest an Salatbars und für Heißgetränken Mehrwegalternativen anzubieten. Doch selbst das lief noch nicht in allen von uns getesteten Filialen einwandfrei. Lediglich die Biosupermärkte boten bei allen Testbesuchen ein Bedientheken ein Mehrweg-Poolsystem zum Ausleihen für Heißgetränke an. Bei den klassischen Supermärkten und Discountern war ein solches Mehrwegangebot nicht flächendeckend vorhanden. An Getränkeautomaten bestand nur teilweise die Möglichkeit, einen eigenen mitgebrachten Mehrwegbecher befüllen zu lassen. Auch hier wäre die Einführung eines Mehrwegsystems sinnvoll.
Mehrwegsysteme an Käse- und Wursttheken fanden unsere Testbesucher*innen in diesem Jahr nur in Filialen von Bio Company, REWE und Kaufland. Am praktikabelsten löst es bislang Rewe, wo die Mehrwegboxen von Einfach Mehrweg ausgeliehen und über die Pfandautomaten leicht zurückgegeben werden können. Je mehr Supermarktketten sich solch einem System anschließen, desto besser. Bei den untersuchten Discountern gibt es größtenteils keine Theken für unverpackte Käse- oder Wurstwaren, Heißgetränke oder Nudeln.
Entwicklungen des Verpackungschecks: Ergebnisse der letzten 5 Jahre
Die Gesamtbewertung umfasst die Entwicklung der untersuchten 12 Supermarktketten in den letzten fünf Jahren des DUH-Verpackungschecks. Ein Blick auf die Karten in der Gesamtauswertung zeigt: Die Biosupermärkte erzielten durchgehend grüne Karten, während alle Discounter rote Karten erhielten. Ausschließlich die klassischen Supermärkte haben sich von einer roten zu einer gelben Karte verbessert. Jedoch gab es bei allen getesteten Handelsketten Veränderungen in den einzelnen Kategorien, die mithilfe der Zahlen dargestellt sind. Dargestellt sind die Zu- bzw. Abnahmen der Werte im Jahr 2026 gegenüber 2022 in den Kategorien Obst und Gemüse sowie Frischmilch und Joghurt und gegenüber 2024 in der Kategorie Getränke. Die Getränkezahlen werden auch hier unterschieden zwischen den Ergebnissen unserer Testbesuche und den mitgeteilten Sortimentszahlen der Handelsketten.
Zusammenfassung der Testergebnisse: Stagnation und allenfalls kleine Verbesserungen statt echter Verpackungswende
Nach fünf Jahren Verpackungscheck konnten wir keine deutlichen Verbesserungen im Verpackungsangebot bei unseren stichprobenartigen Testbesuchen feststellen. Vorreiter sind nach wie vor die Biosupermärkte, die mit hohen Mehrwegquoten im Getränkebereich und dem vergleichsweise niedrigen Verpackungsanteil bei Obst und Gemüse punkten konnten. Die klassischen Supermärkte und Discounter scheinen nicht bereit, ihre Sortimente bzw. Geschäftsmodelle grundlegend umzustellen. Nach Meinung der DUH sollte mindestens ein breites Mehrwegangebot im Getränke- und Kühlregal bei allen Supermarktketten vorhanden sein, weniger verpacktes Obst- und Gemüse angeboten und der Anteil an Frische- und SB-Theken ausgebaut werden.
Gesetzliche Regelungen jetzt dringend notwendig
Es darf nicht sein, dass sich ressourcensparend und klimafreundlich verpackte Produkte auf wenige Biosupermärkte beschränken. Um möglichst vielen Menschen einen verpackungsarmen Einkauf zu ermöglichen, müssen die großen Lebensmitteleinzelhändler endlich aufholen und Klima- und Ressourcenschutz in der Breite umsetzen. Die wiederholt schlechten Ergebnisse unseres Verpackungscheck zeigen: Von sich allein werden die großen Discounter und Supermärkte die Verpackungswende nicht schaffen.
Deshalb muss Umweltminister Carsten Schneider folgende Maßnahmen schnellstmöglich umsetzen, um Abfallvermeidung und nachhaltige Verpackungen zu fördern und diejenigen zu belohnen, die es richtig machen:
- Festlegung eines Abfallvermeidungsziels für Verpackungen von 15 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2018, das somit über die Vorgaben der EU-Verpackungsverordnung hinausgeht
- Keine Plastikverpackungen für vorverpacktes Obst- und Gemüse unter 1,5 kg
- Mind. 10 Prozent der Verkaufsfläche der Supermärkte für unverpackte Lebensmittel und Drogerieprodukte zur Verfügung stellen
- Umsetzung der Mehrwegquote für Getränkeverpackungen von 70 Prozent bis 2030
- Segmentspezifische und abgestufte Mehrwegquoten für Milch und Wein
- Einführung einer Einweg-Abgabe auf bepfandete Einweg-Getränkeverpackungen sowie Getränkekartons von mindestens 20 Cent
- Einführung einer Abgabe auf Einweg-Verpackungen für verzehrfertige Speisen und Getränke nach Tübinger Vorbild von 50 Cent
- Mehrweg auf Verpackungen klar kennzeichnen
- Festschreibung einer Mehrwegquote für vorverpackte Lebensmittel wie Öl & Essig, Aufstriche und Obst- & Gemüsekonserven
- Umlage der EU-Plastiksteuer auf verantwortliche Unternehmen
- Wirksame finanzielle Anreize zum Einsatz von Recyclingmaterial und für die Recyclingfähigkeit von Verpackungen
Kontakt
© Heidi Scherm Thomas Fischer
Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft
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© DUH / Klein Elena Schägg
Stellvertretende Leiterin Kreislaufwirtschaft
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Beim Einkauf im Supermarkt und Discounter ist die Verpackungswende bislang ausgeblieben: Noch immer dominieren Einwegverpackungen die Regale – von Plastikflaschen und Dosen bis hin zu vorverpacktem Obst und Gemüse. Angesichts dieses Stillstands hätte die Bundesregierung mit dem neuen Verpackungsrecht endlich verbindliche Anreize für mehr Mehrweg setzen müssen. Stattdessen überlässt sie es den Unternehmen weitgehend selbst, wie sie Mehrweg fördern. Das reicht nicht. Der Lebensmitteleinzelhandel muss sein Mehrwegangebot deutlich ausbauen – auch über Getränke hinaus. Dafür braucht es eine verbindliche Mehrwegquote für vorverpackte Lebensmittel wie Speiseöle oder Obst- und Gemüsekonserven.Barbara Metz, DUH-Bundesgeschäftsführerin




