Billig. Schnell. Giftig. Unsere Laboranalysen zeigen: Gefährliche Chemikalien sind bei Ultra-Fast-Fashion kein Zufall. Sie sind der Preis eines Geschäftsmodells, das auf maximale Geschwindigkeit und minimale Kosten setzt.
Trendige Mode zum absoluten Schnäppchenpreis – was steckt wirklich hinter den billigen Kleidungsstücken von SHEIN? Wiederholt zeigen Untersuchungen: Neben billigen Stoffen, hergestellt aus Erdöl basierten Plastik-Fasern, finden sich in den Produkten des Ultra-Fast-Fashion-Konzerns auch immer wieder gesundheitsgefährdende und umweltschädliche Chemikalien. Einige der nachgewiesenen Substanzen stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen, das Hormonsystem zu beeinträchtigen oder die Fortpflanzungsfähigkeit zu schädigen. Was weltweit Millionen Verbraucher*innen direkt auf der Haut tragen, kann zu einem gravierenden Gesundheitsrisiko werden.
Diese Funde sind kein Zufall. Sie sind Ausdruck eines rücksichtslosen Geschäftsmodells, das auf maximale Geschwindigkeit und minimale Kosten setzt und damit zunehmend in Kritik steht. Shein bringt mithilfe KI-gesteuerter Trends täglich tausende neue Produkte auf den Markt und übt enormen Druck auf seine Zulieferer aus. Unter diesen Bedingungen bleiben Qualitätskontrollen und Chemikaliensicherheit anscheinen regelmäßig auf der Strecke. Während SHEIN mit extrem niedrigen Preisen und aggressivem Social-Media-Marketing zum Massenkonsum verleiten, tragen Verbraucher*innen und die Umwelt die massiven Konsequenzen.
Slow Fashion statt Fast Fashion!
Modemarken müssen endlich Verantwortung tragen: Fordere mit uns einen Wandel in der Textilindustrie!
Downloads & Dokumente
Kontakt
© Christian Jansen Viola Wohlgemuth
Senior Expert Textil und Kreislaufwirtschaft
E-Mail: Mail schreiben
Hinter dem schönen S(C)HEIN – ein giftiger Chemiecocktail
In der Europäischen Union gelten strenge Chemikalienvorschriften für Verbraucherprodukte. Die REACH-Verordnung und die POP-Verordnung (EU-Verordnung 2019/1021 über persistente organische Schadstoffe) legen verbindliche Grenzwerte für besonders besorgniserregende Stoffe in Textilien fest. Diese Vorschriften gelten unabhängig davon, ob Produkte innerhalb oder außerhalb Europas hergestellt wurden – jedes Produkt, das auf dem europäischen Markt verkauft wird, muss diese Anforderungen erfüllen.
Unsere Untersuchung auf einen Blick
- In 15 von 18 untersuchten Produkten (83 Prozent) fanden wir problematische Chemikalien oder auffällige chemische Produktionsrückstände.
- 7 von 18 Produkten (40 Prozent) überschritten geltende Grenzwerte der europäischen REACH- oder POP-Verordnung und hätten in dieser Form nicht auf dem europäischen Markt verkauft werden dürfen.
Besonders alarmierend: PFAS
Von den acht auf PFAS untersuchten Produkten überschritten sechs (75 Prozent) die geltenden REACH-Grenzwerte. Besonders besorgniserregend ist, dass die massiven PFAS-Grenzwertüberschreitungen vor allem Jacken und Outdoorbekleidung betrafen – darunter mehrere Produkte für Kinder und Jugendliche, die gegenüber gesundheitsgefährdenden Chemikalien besonders empfindlich sind!
Der höchste Befund stammt aus einer Jugend-Kapuzenjacke: Dort überschritten die Werte den nach REACH zulässigen Summengrenzwert um mehr als das 12.000-Fache – ein alarmierender Hinweis darauf, dass hochproblematische PFAS trotz strenger EU-Grenzwerte weiterhin in besonders sensiblen Verbraucherprodukten eingesetzt werden.
Gefunden wurden folgende gefährliche Chemikalien:
- Blei (hochgiftig, kann in bereits geringen Mengen die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigen),
- Chrom (kann Allergien auslösen, bestimmte Chromverbindungen wie gerade fürs Gerben von Leder gelten zudem als krebserregend)
- Nickel (häufigster Auslöser von Kontaktallergien in Europa)
- Antimon (toxisches Metall, das häufig als Rückstand aus der Polyesterproduktion in Textilien verbleibt)
- Phthalate (hormonell wirksam Weichmacher, die die Fruchtbarkeit und Wachstum beeinträchtigen und die gesunde Entwicklung (ungeborener) Kinder schädigen können)
- extrem langlebig, immunstörend und stellenweise krebserregend
- lebertoxisches Dimethylformamid
- Formamid (besonders kritisch, fortpflanzungsschädigender Stoff)
- Butylhydroxytoluol
- N,N – Dimethylacetamid
Auch in einem Damenstiefel von SHEIN fanden die Laboranalysen eine erhebliche Schadstoffbelastung: Der hormonell wirksame Weichmacher aus der Gruppe Phthalate überschritt den gesetzlichen Grenzwert um das 179-Fache. Phthalate stehen im Verdacht, die Entwicklung ungeborener Kinder zu schädigen und die Fortpflanzungsfähigkeit zu beinträchtigen.
In einem weiteren Damenstiefel wurde das reproduktionstoxische Lösungsmittel DMF (Dimethylformamid) in hoher Konzentration nachgewiesen. Der gemessene Wert liegt nur knapp unter der Grenze für besorgniserregende Stoffe. (930 mg/kg DMF gemessen – Grenzwert bei 1.000 mg/kg) Da DMF ein hochflüchtiges Lösungsmittel ist, ist sein Nachweis in einer derart hohen Konzentration im Endprodukt besonders alarmierend. Es deutet darauf hin, dass erhebliche Mengen im Produktionsprozess eingesetzt wurden, und wirft ernsthafte Fragen zur Produktionssicherheit auf.
Fazit
Die Produkte von SHEIN sind ein Chemiecocktail mit Gesundheitsrisiken. In 7 der 18 untersuchten Textilien sowie Schuhe wurden nicht nur problematische Chemikalien nachgewiesen - auch die gesetzlichen Grenzwerte wurden zum Teil massiv überschritten. Solche Produkte sind nicht nur potenziell gesundheitsgefährdend, sondern auf dem europäischen Markt schlichtweg illegal. Dass ausgerechnet Kinderkleidung und Alltagsprodukte mit teils extremen Schadstoffbelastungen verkauft werden, zeigt das Versagen eines Geschäftsmodells, das Profite über Verbraucher*innen- und Umweltschutz stellt.
Illegale Produkte haben Konsequenzen – wir gehen juristisch gegen SHEIN vor
Unsere Untersuchung hat unmittelbare rechtliche Konsequenzen. Auf Grundlage der Laboranalysen haben wir die Betreiberin der Plattform Infinite Styles Services Co. Ltd. am 25. Juni 2026 wegen des Vertriebs mehrerer rechtswidriger Produkte abgemahnt.
Ein REACH-Grenzwert ist keine Empfehlung – er ist die gesetzliche Obergrenze.
Mit der Abmahnung fordert die Deutsche Umwelthilfe SHEIN auf:
- sämtliche beanstandeten Produkte unverzüglich von der Plattform zu entfernen
- eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben
- künftig keine Produkte mehr anzubieten, die gegen europäisches Chemikalienrecht verstoßen.
Um SHEIN wirklich zu begegnen, brauchen wir ein wirksames Textilgesetz!
Die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen deutlich: Das Problem sind nicht einzelne belastete Produkte. Das Problem ist ein Geschäftsmodell, das auf immer mehr, immer billigerer und immer kurzlebigerer Kleidung basiert – produziert unter hohem Chemikalieneinsatz und mit gravierenden Folgen für Umwelt, Klima und Gesundheit.
Solange Unternehmen wie SHEIN tausende neue Designs pro Tag auf den Markt bringen können, bleiben selbst strengste Chemikalienkontrollen ein Wettlauf gegen die Zeit. Einzelne illegale Produkte vom Markt zu nehmen, reicht deshalb nicht aus. Das Geschäftsmodell selbst muss seine wirtschaftlichen Vorteile verlieren.
Jetzt Petition für ein wirksames deutsches Gesetz für kreislauffähige Kleidung ohne Verschwendung unterschreiben!
„Ein Ultra Fast Fashion Konzern wie SHEIN kann sich nicht in der Werbung greenwashen und gleichzeitig Kinderkleidung voller giftiger Chemikalien verkaufen. Wir brauchen besseren Schutz der Verbraucher*innen!“Marie Nasemann, Schauspielerin und Content Creatorin
"Anstatt das Unternehmen freiwillig gesunde Kleidung für Kinder machen, nehmen sie für die Marge in Kauf, dass Schadstoffe enthalten sein können, die am Ende uns allen schaden!"Anke Schmidt, Dozentin und Fashion Educator