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Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig

Freitag, 18.10.2019

Das Label „StadtGrün naturnah“ steht für mehr Naturnähe und Lebensqualität in der Stadt. Die DUH vergibt das Label gemeinsam mit dem „Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt“ an Städte und Gemeinden.

 

© Martin Rudolph

Der Artikel erschien in der DUHwelt 3/19.

Schon heute leben in Deutschland 75 Prozent der Bevölkerung in Städten, Tendenz steigend. Kulturelle und soziale Vielfalt und der Chancenreichtum der Städte ziehen die Menschen an.

Städte grüner zu machen ist eine Herausforderung, der sich die Kommunen angesichts Klimawandel und Verlust biologischer Vielfalt stellen müssen. „Für die Zukunft brauchen wir eine kluge und grüne Stadtentwicklung für mehr Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger – mit öffentlichen Räumen, die zum Erleben einladen“, sagt Janos Wieland, Projektmanager im Kommunalen Umweltschutz bei der Deutschen Umwelthilfe. Für die Stadtbevölkerung erbringen urbane Freiflächen – wie Parks, Grünzüge und Wälder – wichtige Ökosystemleistungen. Bäume beispielsweise leisten als Schattenspender einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima und tragen durch ihre Filterfunktion zu einer verbesserten Luftqualität bei. Wissenschaftliche Studien zeigen zudem, dass Grünflächen einen positiven Effekt auf das menschliche Wohlbefinden haben. Außerdem gilt: In Städten treffen auf kleinstem Raum so viele Lebensräume, Pflanzen- und Tierarten aufeinander, wie es sonst nirgendwo anders der Fall ist. Daher beherbergen Städte oft sogar mehr verschiedene Pflanzen- und Tierarten als ihr Umland. Je grüner die Stadt, desto höher ist auch der Anteil einheimischer Tier- und Pflanzenarten.

Das Kooperationsprojekt und Label „StadtGrün naturnah“

Mehr biologische Vielfalt in Städten und Gemeinden durch ein ökologisches Grünflächenmanagement – darum geht es in dem Kooperationsprojekt „Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig“ des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“ und der DUH. Verschiedene Pilotkommunen sind ebenfalls beteiligt. Im Mittelpunkt steht das Label „StadtGrün naturnah“, um das sich Städte und Gemeinden mit Maßnahmen zur naturnahen Gestaltung öffentlicher Grünflächen bewerben können. „In Zeiten von wachsenden Städten und Nachverdichtung ist es kaum möglich, neue Grünflächen zu schaffen. Aus diesem Grund ist gerade die Qualität der vorhandenen Flächen wichtig“, so Wieland. „Die Projektkommunen sind Vorreiter beim ökologischen Grünflächenmanagement. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie auf ihren städtischen Grünflächen Lebensräume für wildlebende Pflanzen und Tiere erhalten und neue fördern. Das kann durch die Ansaat gebietseigener Pflanzenarten beispielsweise auf Verkehrsinseln und Randstreifen von Straßen oder durch den Verzicht auf Pestizide umgesetzt werden.“

Das Labeling-Verfahren ist als mehrstufiger Prozess von der Bestandserfassung bis hin zur Maßnahmen- und Strategieentwicklung konzipiert. Neben der Kommunalverwaltung wirken auch weitere Akteure wie lokale Naturschutzverbände oder private Flächenbesitzer wie Wohnungsbaugesellschaften daran mit. Das „Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt“ und die DUH werben im Rahmen des Projektes verstärkt für mehr Akzeptanz naturnahen Stadtgrüns.

Wie die Gestaltung naturnaher Grünflächen konkret umgesetzt werden kann, veranschaulichen die gelabelten Kommunen durch Modellprojekte wie „Haar zum Anbeißen“. Die Gemeinde Haar (Oberbayern) stellt Grünflächen, Saatgut und Geräte zur Verfügung, wodurch die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam säen, pflanzen, gießen und jäten können. Das südhessische Riedstadt entwickelte als eine von bisher wenigen Kommunen in Deutschland eine lokale Biodiversitätsstrategie, auf die zahlreiche Maßnahmen zur Förderung biologischer Vielfalt folgen sollen.

Projektmanager Janos Wieland zieht bisher eine sehr positive Bilanz des Kooperationsprojekts. „Das Tolle ist, dass man in vielen Städten die Fortschritte direkt sieht. Einige von ihnen blühen regelrecht auf.“ Am 19. September wurden in Bonn im Rahmen eines Fachkongresses vierzehn weitere Kommunen mit dem Label „StadtGrün naturnah“ ausgezeichnet. Insgesamt können während der Förderperiode bis zum Jahr 2021 fünfzig Kommunen das Label erhalten.

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