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Geplantes EU-Verbot von Plastikgeschirr ist richtig

Montag, 28.05.2018

Die EU-Kommission schlägt in ihrem am 28. Mai in Brüssel vorgestellten Richtlinienvorschlag zu Einwegprodukten aus Plastik vor, den Verkauf von Tellern, Gabeln, Messern, Löffeln und Strohalmen aus Plastik zu verbieten. Die EU-Kommission will mit der Maßnahme den Plastikmüll in den Meeren reduzieren, der zu großen Bestandteilen aus Einweggeschirr besteht. Auch sollen zukünftig 90 Prozent aller Getränkeplastikflaschen für ein Recycling gesammelt werden. Die Initiative der EU-Kommission ist ein starkes politisches Signal.

© alexat25 / Fotolia

Verbote sind eine wirksame Maßnahme im Kampf gegen Plastikmüll. Allerdings sollten Mehrweg-Alternativen verbindlich festgelegt werden und Plastik sollte insgesamt teurer werden. Nur dann wird auch weniger produziert und falsch in der Umwelt entsorgt werden. Ein Austausch der aus Rohöl hergestellten Einweg-Plastikprodukte durch solche aus Bioplastik ist hingegen keine Lösung und wäre nichts als Greenwashing.

Mehrwegalternativen verbindlich festlegen


Wenn Einweg-Plastikgeschirr verboten werden soll, dann ist es notwendig, Mehrweg-Alternativen anzubieten. Hierzu schlägt die Kommission die Einführung einer Mehrwegquote für Plastikbecher und To-go-Essenverpackungen vor. Dabei ist es am einfachsten Mehrwegsysteme zu fördern, die bereits vorhanden sind. Mehrwegflaschen für Getränke entsprechen der ersten Stufe der Abfallhierarchie. Durch ihre häufige Wiederverwendung leisten sie einen entscheiden Beitrag zur Abfallvermeidung und einer plastikfreien Umwelt. Umweltministerin Schulze muss dafür sorgen, dass die gesetzliche Mehrwegquote für Getränkeverpackungen von 70 Prozent umgesetzt wird. Die aktuelle Mehrwegquote beträgt nur 42 Prozent.

Mehrweg geht auch bei Fast-Food

Wie ein Mehrwegsystem für Essensboxen aussehen kann, zeigt das aktuelle Beispiel der am 16.5.2018 in Luxemburg eingeführten „Ecobox“ im Auftrag des Luxemburgischen Ministeriums für Nachhaltigkeit und Infrastruktur. Gegen die Zahlung eines Pfandes wird das Essen in einer Mehrwegbox herausgegeben, die nach der Leerung bei einer am System teilnehmenden Filiale wieder abgegeben werden kann. Dabei erhält der Kunde das Pfandgeld zurück.

Kein Ersatz durch Bioplastik

Der Umwelt nützt es nichts, wenn Wegwerfartikel aus Plastik eins zu eins durch Wegwerfartikel aus Biokunststoff ersetzt werden. Bioplastik verbraucht durch den Anbau von Nutzpflanzen viele Ressourcen und baut sich auch unter natürlichen Bedingungen nur sehr langsam ab. Eine Entwicklung so wie in Frankreich, wo fossil basiertes Einweggeschirr zwar verboten, aber durch solches aus Bioplastik ersetzt wird, darf es auf europäischer Ebene nicht geben. Das führt eher zu mehr Plastikmüll in der Umwelt, weil Verbraucher annehmen, dass es nichts schade, wenn der Abfall liegen gelassen wird.  

Mehr Plastikflaschen sammeln durch Pfandausweitung

Sehr wichtig ist der Kommissionsvorschlag, dass 90 Prozent der Einweg-Plastikflaschen für ein Recycling gesammelt werden müssen. In Deutschland sind nach wie vor Einweg-Plastikflaschen für Säfte und Nektare nicht bepfandet. Viele Flaschen landen deshalb in der Restmülltonne oder der Umwelt. Die von der Kommission vorgeschlagene Sammelquote für alle Getränkeplastikflaschen wird nur erreichbar sein, wenn das Einwegpfand auch auf Fruchtsäfte und Nektare ausgeweitet wird.

Plastik teurer machen

Um den Verbrauch umweltschädlicher Einwegartikel kurzfristig und effektiv zu reduzieren, sind finanzielle Lenkungsinstrumente notwendig. Das zeigen Erfahrungen, wie beispielsweise aus Irland, wo eine Abgabe auf Plastiktüten zu einer Reduktion des Verbrauchs um 96 Prozent führte. Die DUH fordert seit Jahren eine Abgabe auf Plastiktüten, Einwegplastikflaschen und Coffee-to-go-Becher in Höhe von mindestens 20 Cent. Mit den so erzielten Einnahmen könnten Umweltschutzprojekte, Sensibilisierungskampagnen zur Abfallvermeidung und innovative Mehrwegansätze gefördert werden.

Am Ende muss Plastik dauerhaft teurer gemacht werden. Hierzu sollte die EU eine Abgabe auf Plastik einführen. Wer besonders viel Kunststoff produziert sollte auch viel zahlen. Nur so lässt sich der unreflektierte und massenhafte Einsatz von Plastik begrenzen.

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