Pressemitteilung

Neue Studie: Deutsche Umwelthilfe fordert Einführung von Methanabgabe und Mindeststandards zur Reduktion von klimaschädlichen Methanemissionen

Montag, 04.10.2021 Dateien: 1

• Neue Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft zeigt: Methanabgabe in Kombination mit Mindeststandards kann klimaschädliche Emissionen kostengünstig für Verbraucherinnen und Verbraucher reduzieren

• Extrem klimaschädliches Methan entweicht entlang der gesamten Erdgas-Lieferkette in die Atmosphäre

• DUH fordert die EU-Kommission auf, die Methanabgabe ins Zentrum ihres geplanten Regulierungsvorschlags zu Methanemissionen zu stellen

© sergeevspb / Fotolia

Berlin, 4.10.2021: Eine neue Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt auf, dass die Einführung einer Methanabgabe klimaschädliche Emissionen kostengünstig reduzieren kann. Die Abgabe kann Anreize zur Methanreduktion sowohl innerhalb der EU setzen als auch in Ländern, die Erdgas in die EU exportieren. Letzteres ist besonders wichtig, da 85 Prozent des EU-Erdgasverbrauchs durch Importe gedeckt werden. Die DUH fordert die EU-Kommission auf, eine Methanabgabe und Mindeststandards als zentrale Elemente der geplanten europäischen Methanregulierung einzuführen.

Als bestes Modell erweist sich laut Studie eine Kombination aus Methanimportsteuer und Methanbepreisung innerhalb der EU sowie Mindeststandards für die Methanintensität. Diese Kombination erreicht nicht nur eine hohe Klimaschutzwirkung, sondern ist auch mit den Vorgaben der Welthandelsorganisation kompatibel. Die Einführung von Mindeststandards soll sicherstellen, dass bestimmte Schwellenwerte der Methanintensität in den Herkunftsländern nicht überschritten werden. Verbraucherinnen und Verbraucher werden durch die Maßnahmen finanziell kaum belastet.

Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Obwohl Methanemissionen laut Weltklimarat bereits 0,5 Grad Celsius zur globalen Erderhitzung beigetragen haben, verschließt die Politik immer noch die Augen vor diesem Klimarisiko. Die von uns in Auftrag gegebene Studie zeigt, wie hier leicht und schnell Abhilfe geschaffen werden kann. Methan muss genauso wie CO2 einen Preis bekommen. Erst so werden die notwendigen Anreize für Erdgasunternehmen gesetzt, die klimaschädlichen Leckagen entlang der gesamten Wertschöpfungsketten zu erfassen und zu schließen. Als größter Gasverbraucher der EU hat Deutschland hinsichtlich der Methanemissionen eine besondere Verantwortung. Wir fordern daher die neue Bundesregierung auf, sich auf europäischer Ebene für eine Methanbepreisung starkzumachen, die Importe miteinschließt.“

Die EU-Kommission will im Dezember einen Regulierungsvorschlag zu Methanemissionen innerhalb der EU vorlegen. Unter anderem sollen Gasunternehmen erstmals dazu verpflichtet werden, auf Basis von Messungen über ihre Methanemissionen zu berichten sowie Leckagen zu finden und zu schließen. Die DUH begrüßt diesen längst überfälligen Vorschlag. Allerdings umfasst der EU-Vorschlag die Methanemissionen außerhalb der EU nicht. Das in die EU importierte Erdgas kommt bereits mit reichlich Methanemissionen im Gepäck an. Als größter Importmarkt fossiler Brennstoffe sitzt die Europäische Union aber am langen Hebel, um mit einer Kombination aus Methanabgabe und Mindeststandards Methanreduktionen in Bezugsländern wie Russland anzustoßen.

Die vorliegende Studie zeigt zudem, dass die Auswirkungen der vorgeschlagenen Maßnahmen für Haushalte vertretbar wären. Laut einer Modellierung beträgt der anfängliche Anstieg der Gaspreise für deutsche Haushalte je nach Ausgestaltung nur 0,3-1,1 Prozent. Zudem könnte dieser Kostenanstieg durch eine Rückverteilung der Erlöse aus der Methanbepreisung in Klimaschutzmaßnahmen abgefedert werden. Auch für die Gaswirtschaft sind die Kosten überschaubar. Immerhin können laut Internationaler Energieagentur bereits 40 Prozent der Methanemissionen aus der Gasproduktion ohne zusätzliche Kosten reduziert werden.

Carolin Schenuit, Geschäftsführende Vorständin des FÖS, kommentiert: „Das Schließen von Methanleckagen entlang der Wertschöpfungsketten der Gasindustrie ist ein effizientes Mittel, hochgradig klimaschädliche Methanemissionen rasch zu reduzieren. Unsere Studie bestätigt, dass eine kluge Kombination von Methanimportsteuer, einer EU-internen Methangabe und Mindeststandards für alle rechtlich umsetzbar wäre und die Methanemissionen auch effektiv reduzieren kann. Damit das Regelungsregime funktionieren kann, braucht es eine Qualitätsoffensive für Messdaten in der kompletten Lieferkette und klare Transparenzanforderungen an alle Gaslieferanten.“

Hintergrund:

Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas. Neben Kohlendioxid (CO2) ist Methan (CH4) das zweitwichtigste Treibhausgas. Wenn Methan in die Atmosphäre entweicht, heizt es wie CO2 durch den Treibhausgaseffekt das Klima an. Methan wird zwar schneller abgebaut als CO2, wirkt aber während seiner Verweildauer in der Atmosphäre viel stärker auf das Klima. Auf einen Zeitraum von 20 Jahren gerechnet, ist es 83-mal klimaschädlicher als CO2. Werden die Methanemissionen nicht reduziert, werden sie laut UN Global Methane Assessment bis 2030 weitere 0,3 Grad Celsius zum Klimawandel beitragen. Umgekehrt kann mit einer Reduktion der Methanemissionen kurzfristig beim Klimaschutz viel erreicht werden.

Methanemissionen sind in Deutschland und der EU aktuell komplett unreguliert und entweichen entlang der gesamten Lieferkette von Erdgas in die Atmosphäre. Es gibt keinerlei Verpflichtungen zur Überwachung, Meldung und Kontrolle dieser Emissionen. Daten zu den Methanemissionen beruhen auf nicht verifizierten Angaben der Industrie. Die Internationale Energieagentur kommt auf Basis neuer Messungen zu dem Schluss, dass die Methanemissionen der Öl- und Gasindustrie aktuell um bis zu 80 Prozent unterschätzt werden.

Link:

Die Studie finden Sie am Ende dieser Seite.

Veranstaltungshinweis:

Vorstellung der Studie auf Englisch mit FÖS, DUH, Heinrich-Böll-Stiftung, Environmental Defense Fund und Jutta Paulus, MEP im Livestream am 4. Oktober 2021 um 14:30 bis 16 Uhr unter https://www.youtube.com/watch?v=3vebK8hqc90

Kontakt:

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Carolin Schenuit, Geschäftsführende Vorständin FÖS
carolin.schenuit@foes.de

DUH-Newsroom:

030 2400867-20, presse@duh.de

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