Pressemitteilung
Mehr Autos in 90 Prozent der Städte: Berechnung der Deutschen Umwelthilfe belegt Handlungsdruck für mehr Rad-, Fuß- und öffentlichen Verkehr
Berlin, 25.9.2026: Eine Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf Grundlage von Zulassungsdaten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zeigt: Trotz Klimakrise, zunehmender Flächenkonkurrenz und dringend notwendiger Klimaanpassung wächst der Pkw-Bestand in vielen deutschen Städten weiter. Zwischen 2019 und 2026 ist die Zahl der zugelassenen privaten Pkw in 93 von 105 untersuchten Städten gestiegen. Damit nahm der private Pkw-Bestand in knapp 90 Prozent der Städte zu. Insgesamt kamen rund 250.000 zusätzliche Autos hinzu. Besonders stark fiel der Zuwachs in Köln mit 13.139 zusätzlichen Privatautos aus, knapp gefolgt von München mit 12.934, Duisburg mit 11.263 und Dortmund mit 10.232 neuen Autos. Nur in 12 Städten ist die Anzahl an privaten Pkw zurückgegangen. Die relative Zunahme war in Oranienburg mit über 11 Prozent am größten, dicht gefolgt von Hanau mit knapp 10 Prozent, Ingolstadt mit rund 8 Prozent sowie Paderborn und Wolfsburg (beide 6,5 Prozent).
Die DUH fordert eine konsequente Mobilitätswende und eine gerechte Neuverteilung des öffentlichen Verkehrsraums zugunsten von Rad-, Fuß- und öffentlichem Verkehr. Verkehrsflächen, die heute überwiegend vom Autoverkehr und von parkenden Pkw beansprucht werden, müssen schrittweise für klimafreundliche Mobilität und Stadtgrün zurückgewonnen werden. Dafür braucht es insbesondere eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung und den Abbau von Pkw-Stellplätzen. Die Umweltorganisation fordert zudem ein Verbot überdimensionierter SUV und Pick-Ups in Innenstädten.
Dazu Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Nach diesem Extremsommer ist klarer denn je: Wir brauchen weniger Asphalt und Blech und stattdessen mehr Bäume und entsiegelte, begrünte Flächen im ohnehin knappen öffentlichen Raum. Mit Autos vollgestopfte Städte sind nicht lebenswert. Städte dürfen Autos nicht länger durch billiges oder gar kostenloses Parken im öffentlichen Raum besserstellen. Es gibt kein Recht darauf, sein Privatauto zum Dumpingpreis auf öffentlichem Grund abzustellen. Wir fordern eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung und mindestens 360 Euro pro Jahr für einen Bewohnerparkausweis, bei besonders großen Fahrzeugen deutlich mehr. Auch beim Kurzzeitparken braucht es eine klare Mindestgebühr: Eine Stunde Parken muss mindestens so viel kosten wie ein Einzelfahrschein für Bus und Bahn. Diese Einnahmen müssen gezielt in den Ausbau von Bus und Bahn sowie Rad- und Gehwegen fließen. Gleichzeitig braucht es einen zuverlässigen, eng getakteten und bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr mit einer Mobilitätsgarantie und ein lückenloses Netz sicherer Radwege, um verlässliche, klimafreundliche Alternativen zu schaffen.“
Hintergrund:
Die DUH hat auf Grundlage von Daten des KBA die Entwicklung des privaten Pkw-Bestands in allen Großstädten (über 100.000 Einwohnende) sowie den jeweils fünf größten Städten jedes Bundeslandes berechnet. Das KBA weist die Gesamtzahl sowie die Zahl der gewerblich zugelassenen Pkw je Kommune aus. Aus der Differenz lässt sich die Zahl der privaten Pkw errechnen.
Links:
- Die DUH-Auswertung privater Pkw-Bestand in 105 deutschen Städten können Sie am Ende dieser Seite herunterladen
- Petition „Verkehrswende jetzt!“: mitmachen.duh....ehrswende
Kontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, presse@duh.de