Pressemitteilung
Klimaschutz durch lebenszyklusbasiertes Bauen und Sanieren: Deutsche Umwelthilfe, TU München und Bildungswerkstatt Nachhaltigkeit stellen Leitfaden für kommunale Baupraxis vor
Berlin, 30.3.2026: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) veröffentlicht gemeinsam mit der Technischen Universität München (TU München) und der Bildungswerkstatt Nachhaltigkeit (BiWeNa) einen neuen Leitfaden, der Kommunen praxisnahe Unterstützung bei der Planung und Umsetzung klimafreundlicher Bau- und Sanierungsvorhaben über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden bietet. Der Leitfaden richtet sich insbesondere an Kommunen sowie Akteure der Bauwirtschaft, die die Transformation zu einem klimafreundlichen Gebäudebestand aktiv vorantreiben können. Die DUH fordert von Bundesumweltministerin Verena Hubertz klare Maßnahmen für eine umfassende Sanierungsoffensive öffentlicher Gebäude sowie die finanzielle Unterstützung von Kommunen.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Der Sanierungsstau bei öffentlichen Gebäuden ist enorm. Gerade Schulen, Kitas oder Verwaltungsgebäude weisen in vielen Kommunen einen erheblichen Sanierungsstau auf. Ein Drittel der öffentlichen Gebäude gilt als stark sanierungsbedürftig. Gleichzeitig liegt hier ein zentraler Hebel für wirksamen Klimaschutz. Kommunen dürfen mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden. Die Bundesregierung hat schlichtweg die Chance vertan, den Investitionsstau aufzulösen und die Ausgaben aus dem Sondervermögen im vergangenen Jahr konsequent an Infrastruktur und Klimaneutralität auszurichten. Wir brauchen jetzt eine bundesweite Sanierungsoffensive, die gezielt den Bestand stärkt, statt Abriss und Neubau zu fördern. Dafür sind klare politische Leitplanken und vor allem eine verlässliche, ausreichende finanzielle Unterstützung sowie die Umsetzung dauerhafter, planbarer Förderprogramme für Sanierungen durch die Bauministerin Verena Hubertz notwendig. Nur so können Städte und Gemeinden ihre Gebäude schnell und klimafreundlich modernisieren.“
Prof. Dr.-Ing. Werner Lang, Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen der Technischen Universität München: „Die Ergebnisse des Leitfadens machen deutlich, dass klimagerechtes kommunales Bauen beim Bestand beginnen muss. Wer Gebäude erhält, spart in vielen Fällen erhebliche graue Emissionen. Wo neu ergänzt wird, sollten schnell nachwachsende Rohstoffe bevorzugt werden. Wissenschaftlich fundierte Treibhausgasgrenzwerte geben Kommunen dafür die nötige Orientierung und Planungssicherheit.“
Michael Burchert, Vorstand Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung:
„Städte, Gemeinden, Kreise, Landesbehörden wollen handeln, doch sie fühlen sich von der Bundespolitik im Stich gelassen. Unsere Arbeit vor Ort belegt: Der Wille zur Bauwende ist da. Das Bewusstsein wächst, dass Klima- und Ressourcenschutz am Bau kein Kostentreiber sein muss, wenn wir frühzeitig ganzheitlich planen und konsequent auf zukunftsfähige, CO2-arme und kreislauffähige Materialien setzen. Dass der Bund hier aktuell hinter die Ambitionen der kommunalen Ebene zurückfällt und den Weg für innovatives Bauen und damit Wirtschaftlichkeit eher verstellt als ebnet, sorgt für Unverständnis. Wir brauchen jetzt unterstützende Rahmenbedingungen für eine echte Wende, damit der kommunale Einsatz für die Klimaneutralität nicht an bürokratischen Hürden, fehlenden Zuständigkeiten und Ambitionslosigkeit scheitert.“
Hintergrund:
Der Leitfaden für die kommunale Baupraxis wurde im Rahmen des Vorhabens BauKlima-Kommunal der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) erstellt. Die Inhalte des Leitfadens basieren auf umfassenden Analysen von sechs kommunalen Bauprojekten. Anhand lebenszyklusbasierter Bewertungen wurden die Treibhausgasemissionen unterschiedlicher Szenarien – darunter Abriss, Ersatzneubau, Sanierung sowie alternative Bauweisen – systematisch verglichen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bieten Kommunen fundierte und praxisnahe Entscheidungshilfen für klimafreundliche Bau- und Sanierungsprojekte.
Links:
- Mehr zum Projekt „BauKlima-Kommunal“: https://www.duh.de/informieren/waermewende-und-gebaeude/bauklima-kommunal/
- DUH-Leitfaden für kommunale Baupraxis: https://www.duh.de/lebenszyklus-beim-bauen/
- Interaktive Deutschlandkarte mit kommunalen Leuchtturmprojekten und Referenzobjekten: https://www.duh.de/informieren/waermewende-und-gebaeude/bauklima-kommunal/
Kontakt:
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin
0170 7686923, metz@duh.de
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030 2400867-20, presse@duh.de