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Pressemitteilung

In Zeiten von Artensterben und Klimawandel lebendige Auen schaffen – Deutsche Umwelthilfe startet Kooperationsprojekt in Thüringen

Mittwoch, 07.08.2019

Intakte Flüsse und Auen sind Voraussetzung für Artenschutz – Auch Nebengewässer müssen im Biotopverbund berücksichtigt werden – Thüringen geht beim Schutz von Gewässern und deren Bewohnern mit gutem Beispiel voran – Schutzprogramm für den Fischotter soll in anderen Bundesländern fortgesetzt werden – Deutsche Umwelthilfe schlägt mit Modellprojekt Brücke zwischen Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz

© Flussbüro Erfurt

Erfurt, 7.8.2019: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht große Versäumnisse bei der Umsetzung umweltrechtlicher Zielstellungen an Deutschlands Fließgewässern. Die DUH fordert daher, Flüsse endlich von der Quelle bis zur Mündung als Lebensraumkorridore zu entwickeln. Der Biotopverbund von nationaler Bedeutung muss, wie in der Naturschutzoffensive 2020 gefordert, mit dem Bundesprogramm „Blaues Band“ schnellstens konsequent umgesetzt werden. Über die Bundeswasserstraßen hinaus muss das Nebengewässernetz eingebunden werden, denn dort befinden sich nicht nur die letzten Populationen von Feuersalamandern oder die Laichplätze der stark bedrohten Lachse. Hier entstehen auch die Hochwässer, die die Menschen an Oder, Elbe und Rhein in Atem halten.

Bei der Auftaktveranstaltung eines neuen Modellprojekts an der Weißen Elster am Mittwoch, dem 7. August, betonte der Bundesvorsitzende der DUH, Harald Kächele, im Beisein der Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund: „Intakte Flüsse und Auen spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen das Artensterben. Hier leben zwei Drittel der mitteleuropäischen Arten. Doch im heutigen Zustand können unsere Flusslandschaften unzähligen Tieren und Pflanzen keine geeigneten Lebensräume und Wanderkorridore mehr bieten. Auch für klimabedingte Schwankungen des Wasserstands gibt es kaum noch Puffer. Das wird in Zeiten zunehmender Dürreperioden und Starkregenereignisse auch für den Menschen gefährlich. Deshalb freuen wir uns, dass Thüringen im Gewässerschutz auf dem richtigen Weg ist und Brücken zwischen Naturschutz, Wasserwirtschaft und Landwirtschaft baut.“

Die DUH startet nun zusammen mit der Natura2000-Station Osterland ein Modellprojekt in Ostthüringen und kooperiert dafür mit den Referaten Flussgebietsmanagement und Wasserbau des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN). Ziel ist es, an der Weißen Elster, der Weida und ihren Nebenflüssen abschnittsweise einen Auen- und Fließgewässer-Biotopverbund zu initiieren.

„Wir haben unseren Flüssen ein Korsett aus Wasserbausteinen verpasst und unsere Auen entwässert, bis fast der letzte Tümpel einem Maisacker gewichen ist. Die problematischen Folgen beklagen heute alle, aber wir müssen auch zu Lösungen kommen“, sagt Sabrina Schulz, Leiterin des Lebendige-Flüsse-Teams im Naturschutzbereich der DUH. Im Projekt „Blauer Biotopverbund im Einzugsgebiet der Weißen Elster“ – kurz: „Auenweiden“ – erhalten Landwirtschaftsbetriebe, die in der Flussaue nachhaltige Bewirtschaftungskonzepte umsetzen möchten, Beratung und Unterstützung. Die Mittel reichen aus, um knapp 300 Hektar Flussaue einzuzäunen und in extensive Weide zu verwandeln. Die Vision: Eine Landschaft, in der feuchte Auwiesen mit Kiebitz und Kammmolch, lebendige Flüsse mit Kolken und Kiesbänken und landwirtschaftliche Nutzung mit robuster Herdenhaltung Platz haben – und im Fall der Fälle auch das Hochwasser, bevor es Schaden anrichtet.

Die DUH engagiert sich bereits seit 2012 in Thüringen für den Biotopverbund an Flüssen. In einem von Thüringen finanzierten, umfangreichen Fischotterschutz-Programm hat die DUH zusammen mit Thüringer Experten 1600 Kreuzungsbauwerke an Flüssen untersucht und an 23 Brücken fehlende Uferstreifen eingebaut. Sie ersparen dem Otter den lebensgefährlichen Weg über die Straße. Mit Erfolg: Der Fischotter breitet sich langsam wieder aus. Drei weitere Querungshilfen, die auch anderen Arten zu Gute kommen, befinden sich derzeit in der Bauphase. Diese Erfahrungen sollen in andere Bundesländer übertragen werden.

Hintergrund:

Die DUH rief 2012 bis 2015 das „Modellprojekt zum Schutz des Fischotters vor Straßenverkehr“ in Thüringen ins Leben. Im September 2016 startete das Folgeprojekt „Fischotterschutz in Thüringen – Lebensräume verbinden, Lösungen aufzeigen, Akzeptanz fördern“. Auch das Folgeprojekt wird bis Herbst 2019 aus Landesmitteln und Mitteln der Europäischen Union im Förderprogramm „ENL – Entwicklung von Natur und Landschaft“ gefördert. Insgesamt wurden 23 Brücken fischottergerecht umgebaut und mehrere Dialogmaßnahmen umgesetzt. Drei weitere sind in der Bauphase, eine vierte ist in Planung. Die DUH arbeitet mit der Biologin Maria Schmalz und dem Flussbüro Erfurt sowie mit den zuständigen Behörden zusammen.

Das Projekt „Blauer Biotopverbund im Einzugsgebiet der Weißen Elster“ läuft vom 1. Juli 2019 bis zum 31. Oktober 2021 und wird ebenfalls aus Landesmitteln und Mitteln der Europäischen Union im Förderprogramm „ENL – Entwicklung von Natur und Landschaft“ gefördert. Die DUH setzt das Projekt gemeinsam mit der Natura2000-Station Osterland um. Es umfasst Mittel für Zaunbauten und Weideeinrichtung, für die strukturelle Aufwertung von Auen durch Tümpel, Totholz u. ä. und für die Kommunikation. Die Maßnahmen werden in Kooperation mit einem Hochwasserschutzprojekt des Freistaats Thüringen und in Abstimmung mit dem Gewässerunterhaltungspflichtigen im jeweiligen Gewässerabschnitt umgesetzt. Ein flankierendes Projekt mit Mitteln der Deutschen Postcode Lotterie widmet sich der Bürgerbeteiligung bei der naturnahen Entwicklung von kommunalen Gewässern und Uferflächen.

Links:

Mehr über den Schutz des Fischotters in Thüringen und die Arbeit der DUH: https://www.duh.de/themen/natur/fischotterschutz/ 

Kontakt:

Ulrich Stöcker, Abteilungsleiter Naturschutz und Biodiversität DUH
0160 8950556, stoecker@duh.de 

Sabrina Schulz, Projektleiterin Lebendige Flüsse DUH
0361 30254919, 0151 10645056, schulz@duh.de 

DUH-Pressestelle:

Ann-Kathrin Marggraf, Marlen Bachmann
030 2400867-20, presse@duh.de

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