Pressemitteilung
Freiburg darf nicht nachgeben: Breites Bündnis fordert Beibehaltung der bisherigen Verpackungssteuer vor entscheidender Stadtratssitzung
Berlin, 14.10.2026: Die Stadt Freiburg soll die eingeführte Steuer auf Einweg-Takeaway-Verpackungen und -Besteck ohne Ausnahmen beibehalten. Dafür plädiert die Initiative Verpackungswende, bestehend aus 25 Umweltorganisationen, Unternehmen und Verbänden. Anlass ist eine für den 20. Oktober geplante Sitzung des Freiburger Stadtrats, auf der über Anträge zur Einschränkung der Verpackungssteuer abgestimmt werden soll. Demnach solle die Verpackungssteuer in Zukunft beispielsweise nur noch für Einweg-Becher gelten, nicht jedoch für -Essensboxen, Pizzakartons oder Einweg-Besteck. Schon in den ersten zehn Monaten der erfolgreichen Verpackungssteuer hat sich das Mehrwegangebot in der Stadt nachweislich erhöht.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Die kommunale Einweg-Verpackungssteuer ist für Städte eines der wirksamsten Mittel gegen riesige Müllmengen. Eine Aufweichung nach nicht einmal zehn Monaten wäre aus Umweltsicht eine Bankrotterklärung. Verpackungen für Speisen und Besteck machen rund 64 Prozent der insgesamt anfallenden Einweg-to-go-Verpackungen aus. Werden sie von der Steuer ausgenommen, geht ein erheblicher Teil der Lenkungswirkung zu Mehrwegalternativen verloren. Wer aus dem Freiburger Stadtrat jetzt einknickt und Essensboxen, Pizzakartons und Plastikbesteck wieder von der Verpackungssteuer befreit, kapituliert vor der Fast-Food-Lobby, schadet dem Klima und verantwortet mehr Müll im öffentlichen Raum.“
Tobias Kurzeder, Sprecher des Bündnisses Müllfreies Freiburg: „Die Verpackungssteuer wirkt genau dort, wo sie soll: Sie schafft einen spürbaren finanziellen Anreiz, Einweg zu vermeiden und Mehrweg zu nutzen. Freiburg hat als grüne Vorzeigestadt eine bundesweite Vorbildfunktion. Das Einknicken des Freiburger Stadtrats vor der Einweg-Lobby würde nicht nur zu einer größeren Plastikmüllmenge im Stadtbild führen, sondern auch Freiburgs Glaubwürdigkeit beim Umwelt- und Klimaschutz nachhaltig beschädigen.“
Dass die Freiburger Verpackungssteuer wirkt und es inzwischen ein breites Mehrwegangebot als Alternative gibt, spiegelt sich in den Wachstumszahlen wider. Seit der Steuereinführung haben sich die Ausgabestellen von Mehrweganbietern wie Recup um mehr als 20 Prozent erhöht, Relevo hat die Ausgabe seiner wiederverwendbaren Schalen verdreifacht und das Unternehmen Vytal eine 24-fach gesteigerte Nutzung seiner Mehrwegverpackungen erzielen können.
Benny Haas, Café Auszeit (Freiburg): „Zahlreiche Freiburger Gastronomiebetriebe haben in den vergangenen Jahren, auch aufgrund des Beschlusses einer Verpackungssteuer, investiert und innovative Mehrwegsysteme eingeführt. Die Stadt hat hierfür zudem erhebliche Fördermittel zur Verfügung gestellt. Es wäre ein fatales Signal für diese Betriebe, wenn ausgerechnet ökologisches Vorreitertum durch eine Abschaffung oder Aufweichung der Verpackungssteuer nun abgestraft würde.“
Wer Müll produziert und im öffentlichen Raum hinterlässt, sollte auch für die Folgekosten aufkommen. Ohne die Einwegverpackungssteuer werden erhebliche Kosten für die Reinigung von Parks, Straßen und öffentlichen Mülleimern wieder vollständig auf alle Freiburger Steuerzahler umgelegt – auch auf diejenigen, die auf Mehrweg setzen. Das ist weder verursachergerecht noch fair gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern.
Claudia Patzwahl, Projektleiterin zur Einführung der Verpackungssteuer in der Stadt Tübingen: „Seit Einführung der Verpackungssteuer in Tübingen haben die Einweg-Müllmengen im öffentlichen Raum deutlich sichtbar abgenommen und sich das Angebot von Mehrwegalternativen erheblich verbessert. In Relation zur Bevölkerung hat Tübingen die meisten mehrwegnutzenden Gastronomiebetriebe Deutschlands. Die Verpackungssteuer ist keineswegs ein Bürokratiemonster, nicht für die Stadt und auch nicht für die Betriebe. Wer eine gute Buchhaltung und ein elektronisches Kassensystem hat, für den hält sich der Aufwand in Grenzen. Auch haushaltspolitisch ist die Steuer interessant: wir haben durch die Steuer im ersten Jahr rund eine Million Euro Einnahmen erzielt, was die Verwaltungskosten um das Neunfache übersteigt. Wir können anderen Städten nur empfehlen, in Sachen Umwelt- und Klimaschutz auf eine Einwegverpackungssteuer zu setzen.“
Hintergrund:
Die Initiative Verpackungswende ist ein Bündnis von 25 Umweltorganisationen, Verbänden und Unternehmen. Sie tritt für kommunale Verpackungssteuern als wirksames Mittel zur Reduzierung von Einwegmüll, der Förderung von Mehrweg und Stadtsauberkeit ein.
Die Initiative setzt sich zusammen aus: Bund für Umwelt und Naturschutz e.V., Bundesverband des deutschen Getränkegroßhandels e.V., CircleCube GmbH, Deutsche Umwelthilfe e.V., Exit Plastik - Zivilgesellschaftliches Bündnis für Wege aus der Plastikkrise, FairCup GmbH, Greenpeace e.V., GRÜNE LIGA Berlin e.V., KeepIn, Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder e.V., Mehrwegverband Deutschland e.V., Mach Mehrweg Pool e.V., PRO MEHRWEG – Verband zur Förderung von Mehrwegverpackungen e.V., RECUP GmbH, Refrastructure - Stiftung für digitale Mehrweginfrastruktur gGmbH, rehab republic e.V., Relevo GmbH, Stiftung Initiative Mehrweg, Sykell GmbH, Verband des deutschen Getränke-Einzelhandels e.V., VYTAL Global GmbH, WECARRY GmbH, WWF Deutschland, Zero Waste Germany e.V., Zero Waste Berlin e.V.
Kontakt:
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin DUH
0170 7686923, metz@duh.de
Tobias Keurzeder, Sprecher des Bündnisses Müllfreies Freiburg
0152 08759400, tobias.kurzeder@posteo.de
Claudia Patzwahl, Projektleiterin zur Einführung der Verpackungssteuer in der Universitätsstadt Tübingen
07071 204-1632, claudia.patzwahl@tuebingen.de
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, presse@duh.de