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Pressemitteilung

Deutsche Umwelthilfe beantragt Überprüfung der Genehmigung von Nord Stream 2

Donnerstag, 05.03.2020 Dateien: 2

Seit Genehmigung von Nord Stream 2 liegen neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Methan-Leckagen aus der Erdgasförderung vor – Klimabilanz von Erdgas offenbar deutlich schlechter als bislang angenommen – Deutsche Umwelthilfe stellt beim Bergamt Stralsund Antrag auf Überprüfung der Bau- und Betriebsgenehmigung für Nord Stream 2

© fotograupner - stock.adobe.com

Berlin, 5.3.2020: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert, die Genehmigung der klimaschädlichen Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 zu überprüfen. Bis die Prüfung abgeschlossen ist, muss der Weiterbau der Pipeline ausgesetzt werden. Einen entsprechenden Antrag hat die DUH beim zuständigen Bergamt Stralsund gestellt. Neue wissenschaftliche Untersuchungen schätzen die extrem klimaschädlichen Methan-Leckagen bei der Förderung von Erdgas als deutlich höher ein, als zum Zeitpunkt der Genehmigung von der Nord Stream 2 AG bzw. Gazprom angegeben. Die rechtlichen Rahmenbedingungen ergeben sich aus einem neuen Gutachten im Auftrag der Technischen Universität Berlin.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Der Bau von Nord Stream 2 ist eine Wette gegen die Zukunft. Die Pipeline steht für jährlich 100 Millionen Tonnen CO2. Hinzu kommen weitere Emissionen unbekannter Höhe aus extrem klimaschädlichen Methan-Leckagen bei der Erdgas-Förderung. Die Leckagen müssen unabhängig gemessen und überprüft werden, um die wahre Klimabilanz des Erdgases zu klären. Bereits mit dem heutigen Wissen zu den Treibhausgas-Emissionen von Erdgas und der Lebensdauer von deutlich über 50 Jahren widerspricht Nord Stream 2 allen Klimazielen. Statt fossiler Mega-Projekte, für die kein energiewirtschaftlicher Bedarf besteht, brauchen wir einen klaren Fokus auf Effizienz, einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und einen schnellen Einstieg in die Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff.“

Treibhausgas-Emissionen entstehen nicht alleine bei der Verbrennung von Erdgas, sondern auch bei dessen Förderung, Verarbeitung und Transport. Hier kommt es zu Leckagen von Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas. Methan ist ein extrem potentes Klimagas. Laut Weltklimarat IPCC ist seine Klimawirksamkeit im Vergleich zu CO2 über einen Zeitraum von 20 Jahren 87-mal so hoch. Schon geringe Leckagen fallen deshalb ins Gewicht.

Cornelia Ziehm, Rechtsanwältin, die das Rechtsgutachten verfasst hat: „Die vom Bergamt Stralsund erteilte Genehmigung sieht ausdrücklich Handlungsmöglichkeiten für den Fall zuvor nicht absehbarer nachteiliger Auswirkungen von Nord Stream 2 auf die Umwelt vor. Auf dieser Grundlage sind jetzt Untersuchungen zu betriebsbedingten Methan-Emissionen unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse anzuordnen. Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse geben mindestens erhebliche Hinweise darauf, dass die Methan-Emissionen der Gasförderung tatsächlich deutlich höher sind, als bislang angenommen und von der Industrie angegeben. Die möglichen Emissionen würden deshalb wahrscheinlich heute anders bewertet, als noch im Genehmigungsverfahren. Nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse wäre das Projekt erneut zu bewerten.“

Zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Nutzung von Erdgas ergänzt Christian von Hirschhausen, TU Berlin: „Deutschland verfügt über ausreichende und sehr robuste Kapazitäten zum Import von Erdgas. Die geplante zweite Ostseepipeline Nord Stream 2 ist zur Sicherung der Erdgasversorgung in Deutschland und Europa nicht notwendig. Um die Klimaziele einzuhalten, muss weniger Erdgas importiert werden. Schon deutlich vor 2050 muss Deutschland aus der Nutzung von fossilem Gas vollständig aussteigen. Die zur Begründung der Pipeline verwendeten Wirtschaftlichkeitsrechnungen beruhen auf überholten Annahmen zur Entwicklung der Erdgasnachfrage. Wird Nord Stream 2 zu Ende gebaut, würde dies die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern noch weiter erhöhen, es droht ein unumkehrbarer Lock-In in eine rückwärtsgewandte Infrastruktur. Dies gilt nicht nur für Nord Stream 2, sondern auch für die in Deutschland aktuell im Bau befindliche EUGAL-Pipeline zum Weitertransport des Gases. Auch der Bau von EUGAL sollte sofort gestoppt werden.“

Unabhängige und überprüfbare Messdaten zu den Methan-Leckagen liegen aus Russland bisher nicht vor. Zudem sind die Methoden zur Messung der Leckagen seit der Erteilung der Genehmigung für Nord Stream 2 in 2018 entscheidend weiterentwickelt worden: Statt einzelne Ventile oder Komponenten zu messen, ist es nun Stand der Wissenschaft, gesamte Förderanlagen zu messen. Dies hat in den USA bereits zu einer Anhebung der Methan-Emissionen aus der Öl- und Gasindustrie um 60 Prozent geführt.

Links:

Kontakt:

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de  

Dr. Cornelia Ziehm, Rechtsanwältin
0160 94182496, rechtsanwaeltin-ziehm@posteo.de

Prof. Dr. Christian von Hirschhausen, TU Berlin/Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin
cvh@wip.tu-berlin.de

DUH-Pressestelle:

Marlen Bachmann, Thomas Grafe
030 2400867-20, presse@duh.de

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