pageBG

4. Deutsche Mehrwegkonferenz

Die Deutsche Mehrwegkonferenz wird alle zwei Jahre von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) veranstaltet. In diesem Jahr fand die 4. Deutsche Mehrwegkonferenz gemeinsam mit einer weiteren Mehrwegveranstaltung den „Reuse Logistics and Leadership Days“ (RLLD) der Stiftung Initiative Mehrweg (SIM) am 11. Juni 2026 in Berlin statt. An der gemeinsamen Veranstaltung nahmen rund 550 Teilnehmende aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft teil.

Die Veranstaltung bot einen wertvollen Raum für Austausch und Vernetzung zur Stärkung von Mehrweg und Abfallvermeidung. Es wurde deutlich: Um sicherzustellen, dass Mehrweg zum Standard wird, sind ambitionierte und effektive nationale Maßnahmen zur Mehrwegförderung notwendig. Die Vorgaben des an diesem Tag verabschiedeten Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes (VerpackDG) reichen nicht aus.

Eröffnung durch Bundesumweltminister Carsten Schneider und die Berliner Umweltsenatorin Ute Bonde

Bundesumweltminister Carsten Schneider eröffnete die Mehrwegkonferenz mit der Keynote: "Wertschätzen statt Wegwerfen: Wie wir die Kreislaufwirtschaft stärken". Er betonte dabei die Wichtigkeit von Kreislaufwirtschaft für Klimaschutz und einer zukunftsfähigen, souveränen und unabhängigen Wirtschaft. Mehrweg müsse für Verbraucher*innen noch leichter nutzbar und Innovationen weiterentwickelt und vorangebracht werden. „Wir brauchen mehr Mehrweg, wir brauchen mehr Kreislaufwirtschaft, wir brauchen mehr Unabhängigkeit!“

Auch die Berliner Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Ute Bonde betonte die wichtige Rolle von Mehrweg. „Mehrweg ist kein ‚nice to have', sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und Mehrweg funktioniert. Das ist keine Behauptung – das ist Erfahrung. Berlin hat gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe ein Pilotprojekt zur vereinfachten Mehrweg-Rückgabe in Supermärkten umgesetzt. Die Ergebnisse liegen vor – und sie sind eindeutig: Wenn die Rückgabe einfach ist, wird sie genutzt. Logistik ist lösbar. Wir erarbeiten gerade die Berliner Kreislaufwirtschaftsstrategie. Eine umfassende, ressortübergreifende Strategie, die Kreislaufwirtschaft als Standard begreift – nicht als Ausnahme. Wir werden uns ehrgeizige Ziele setzen. Und wir werden uns daran messen lassen.“

Die Keynotes von Umweltminister Schneider und Senatorin Bonde können auf dieser Webseite im Livestream nachgeschaut werden.

Die Mehrwegwende gelingt!

Ein zentraler Bestandteil der 4. Deutschen Mehrwegkonferenz war die Fragestellung wie die Mehrwegwende gelingen kann?

Auf dem ersten politischen Panel zur Eröffnung wurde deutlich, dass es einen verlässlichen politischen Rahmen braucht, damit Mehrweg sein Potenzial für Klima- und Ressourcenschutz voll entfalten kann. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass bürokratische Hürden reduziert, Förderinstrumente ausgebaut und rechtliche Rahmenbedingungen verbindliches Handeln sowie Investitionssicherheit stärken sollten.

Im zweiten Panel stand die Frage im Mittelpunkt, wie Mehrweg im städtischen Alltag stärker verankert werden kann.  Aus dem Panel ging klar hervor: Mehrwegförderung vor Ort gelingt nur im Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen und Akteur*innen. Dazu gehören eine verbraucher*innenfreundliche Infrastruktur, klare Kommunikation gegenüber Gastronomiebetrieben, gezielte Förderangebote sowie finanzielle Anreize, die Mehrweg zur attraktiven Alternative machen. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer unterstrich dies in seiner Keynote ebenfalls. Kommunen spielen eine entscheidende Rolle bei der Mehrwegwende. Sie können Impulse setzen, die nachhaltige und abfallarme Lösungen im Alltag erleichtern.

Die stellv. Leiterin für Kreislaufwirtschaft bei der DUH Elena Schägg stellte ein neues Kompendium zu den Potenzialen von Mehrweg bei vorverpackten Lebensmitteln vor. Mit Mehrwegverpackungen für Obst und Gemüse, Öl, Essig oder Aufstriche ließen sich jährlich mehr als 700.000 Tonnen Verpackungsmüll vermeiden. Damit wurde deutlich, dass Mehrweg nicht nur bei Getränken oder im to-go-Bereich, sondern auch im klassischen Lebensmitteleinzelhandel einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten kann.

Messestände

Auf der Deutschen Mehrwegkonferenz und den Reuse and Logistics Leadership Days wurde durch viele Aussteller deutlich, wie modern und vielfältig Mehrwegsysteme sind. Mehrweg ist für diverse Produktkategorien, wie Getränke, vorverpackte Lebensmittel, Fast Moving Consumer Goods und oder Industriegüter besonders geeignet. Zur weiteren Optimierung von Mehrwegsystemen wurden auch Lösungen für Logistikprozesse, Verpackungsdesign oder Digitalisierung vorgestellt.

Auszeichnungen für starke Leistungen im Mehrwegbereich

Mit einer Würdigung durch DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch verliehen die DUH und die SIM dem Bundesumweltminister a.D. Jürgen Trittin den „Mehrweg Lifetime Award“. Damit würdigten sie seinen langjährigen Einsatz für den Schutz des mittelständisch geprägten Mehrwegsystems im Getränkebereich, die erfolgreiche Einführung des Einwegpfandes und die daraus resultierenden Ergebnisse für den Klima- und Ressourcenschutz.

Zudem wurde auf der Konferenz zum 16. Mal der Mehrweg-Innovationspreis verliehen. Zu den diesjährigen Preistragenden zählt die dotch GmbH, die für ihr Full-Service-Poolsystem für Mehrwegglas im Lebensmittelhandel ausgezeichnet wurde. Das System erleichtert Herstellern und Handel den Einsatz von Mehrwegverpackungen in bislang stark einweggeprägten Bereichen wie Öl, Essig oder Konserven.

Einen weiteren Mehrweg-Innovationspreis erhielt die sykell GmbH für ihr Circular ERP-System, eine Pool-Management-Plattform zur Digitalisierung und Automatisierung zirkulärer Prozessabläufe. Das System ermöglicht ein umfassendes digitales Management von Mehrwegsystemen und erleichtert damit deren Skalierung.

Zum Einsatz digitalisierter Mehrwegsysteme trägt auch die ausgezeichnete Innovation der Plöckl Media Group GmbH bei. Das Unternehmen wurde für RFID-Label ausgezeichnet, welche digitalisiertes Tracking und intelligentes Poolmanagement von Mehrwegverpackungen ermöglicht und so die Transparenz und Effizienz der Kreisläufe erhöht.

Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Innovationen erhalten Sie auf unserer Webseite zum Mehrweg-Innovationspreis.

„Wie gelingt die politische Mehrwegwende?“

Die Mehrwegkonferenz hat eindrucksvoll gezeigt: Die Lösungen für eine erfolgreiche Mehrwegwende liegen vor. Damit Mehrweg in der Breite zum Erfolg wird, wurden folgende zentrale Punkte benannt:

  • Investitions- und Planungssicherheit: es braucht Verlässlichkeit rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen, die es Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen ermöglicht, langfristige finanzielle Entscheidungen für Mehrweg zu treffen.
  • Zentrale Koordination- und Vernetzung von Akteur*innen: Für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Mehrwegsystemen braucht es eine übergreifende Koordination, sodass Akteur*innen vernetzt, Standards entwickelt und der Ausbau von Mehrwegangeboten vereinfacht wird.
  • Verbindliche Mehrwegförderung: Die Branche benötigt verlässliche und ausreichend ausgestattete Förderprogramme, um Investitionen in den Aufbau von Mehrwegsystemen, Digitalisierung und Infrastruktur zu ermöglichen.
  • Mehrwegförderung durch Einwegakteur*innen finanzieren: eine rechtlich festgelegte finanzielle Mehrwegförderung sollte ausschließlich von der Einweg-Industrie und keinesfalls durch die Träger des umweltfreundlichen Mehrwegsystems geleistet werden.
  • Mehrwegkompetenz in politische Entscheidungen einbinden: Die Erfahrungen und das Know-how von Mehrwegakteur*innen sollten systematisch in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Viele Teilnehmende machten deutlich, dass die bestehenden Regelungen nicht ausreichen, um Mehrweg flächendeckend zu etablieren und die notwendigen Investitionen anzureizen. Gleichzeitig bleiben Handel, Städte und Kommunen wichtige Treiber der Mehrwegwende. Sie zeigen mit konkreten Projekten, dass Mehrweg bereits heute funktioniert und wirksam zur Vermeidung von Verpackungsmüll beitragen kann. Wir freuen uns, Sie auf der 11. Europäischen REUSE Konferenz 2027 in Brüssel sowie auf der 5. Deutschen Mehrwegkonferenz 2028 in Berlin wiederzusehen. Lassen Sie uns im Austausch bleiben und Mehrweg gemeinsam zum neuen Standard machen!


Schauen Sie sich hier die Aufzeichnung der 4. Mehrwegkonferenz an:

Zum Laden des Youtube-Dienstes benötigen wir Ihr Einverständnis!

Wir nutzen einen Drittanbieterdienst zum Einbetten von Videoinhalten, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte lesen Sie die Details und akzeptieren Sie den Service, um dieses Video anzusehen.

Downloads & Dokumente

Mehrweg Konferenz 2026 Programm.pdf

Vergangene Mehrwegkonferenzen in Berlin

Kontakt

Copyright:

Annika Schall
Senior Expert Kreislaufwirtschaft
E-Mail: Mail schreiben

Impressionen der Mehrwegkonferenz 2026